Air Berlin

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Airline wird umgestaltet

Die Marschrichtung ist gesetzt. Die Air-Berlin-Vorstände Hartmut Mehdorn und Ulf Hüttmeyer (Foto) haben erläutert, wie die Fluggesellschaft zukünftig aufgestellt wird.

von Georg Jegminat, 21.09.2011, 12:35 Uhr
Finanzvorstand Ulf Hüttmeyer bündelt den Einkauf der Air-Berlin-Gruppe.
Foto: airberlin

Der neue CEO von Air Berlin, Hartmut Mehdorn, gab am heutigen Vormittag gegenüber der Presse die Marschrichtung des Programms „Shape & Size“ für Air Berlin (AB) vor: „Wir haben unser Geschäftsmodell genau geprüft. Der Linien- und der Touristikverkehr waren in der Vergangenheit erfolgreich und werden weitergeführt.“ Die konkreten operativen Pläne erläuterte hingegen Finanzvorstand Ulf Hüttmeyer und übernahm damit einen Part, den bei den Finanzpräsentationen immer Joachim Hunold inne hatte.

Air Berlin wird nicht nur kleiner (Size) und effizienter, das Unternehmen wird auch Schwerpunkte neu setzen (Shape). „Wir sehen uns auf der Achse zwischen Touristik und Full Service Carrier“, erläuterte Hüttmeyer. Damit geht Air Berlin auf Distanz zum Low-Cost-Flugsegment (Mallorca-/Europa-Shuttle), mit dem die Airline die ersten Schritte heraus aus der Touristik unternommen hatte. Die Touristik und der Linienflug sind die beiden betrieblichen Säulen, die ausgebaut werden sollen. Dabei soll der Linienflug künftig sogar drei Viertel des Umsatzes erzielen.

Die Airline wird ihren Linienverkehr noch stärker als bisher angekündigt, auf die vier Drehkreuze Berlin, Düsseldorf, Palma und Wien (für Südosteuropa) ausrichten. Welche kleinen und mittelgroßen Flughäfen in Deutschland von weiteren Frequenz- und Flugstreichungen betroffen sein werden, wollte Hüttmeyer noch nicht sagen. „Die Gespräche mit den Flughäfen laufen noch.“

Streckennetz mit Oneworld-Airlines

Wenig konkret wurde Mehdorn bei der Frage nach der Verknüpfung des Streckennetzes mit denen der zukünftigen Oneworld-Partner. „Work in Progress“, erklärte er. Berlin und Düsseldorf sollen für Air Berlin die zentrale Rolle im Oneworld-Verbund spielen. In der Iata-Slot-Konferenz werde sich klären, welche Möglichkeiten man bekomme. Hüttmeyer kündigte schon einmal an, dass Air Berlin selbst eine weitere Langstrecke ab Berlin fliegen wolle. Da fast alle Oneworld-Partner bisher nach Frankfurt fliegen, dürfte das AB-Management auch viel Überzeugungsarbeit bei den Oneworld Airlines leisten müssen.

Den Vertrieb soll der neue Chief Commercial Officer Paul Gregorowitsch neu ausrichten. Die Vertriebsorganisation wird von einem neuen Buchungs- und einem neuen Erlösmanagementsystem unterstützt. Air Berlin will auch den Vertrieb in den Zielländern verstärken. In der Touristik kündigte Hüttmeyer an, auf die Veränderung der Reiseproduktion zu reagieren. Die Fluggesellschaft will den wachsenden Bereich der „dynamisch Paketierenden stärker unterstützen“, was auf den Einsatz eines eigenen Flug-Players hindeutet. Dem Aufgabengebiet von Gregorowitsch wird das Marketing zugeschlagen, das bisher beim ehemaligen CEO Joachim Hunold gelegen hatte. Zudem wird Gregorowitsch, der früher in der Allianzentwicklung von KLM eine gewichtige Rolle spielte, auch die Vorbereitungen für Oneworld vorantreiben.

Neues Ressort für Mitarbeiterentwicklung

Zur Neuausrichtung der Organisation zählt die Bündelung des Einkaufs in den Händen des Finanzvorstands. „Wir wollen damit Einkaufsvorteile erzielen“, sagte Mehdorn. Neu installiert wird ein Bereich Human Resources für die Mitarbeiterführung und Führungskräfte-Entwicklung. Sie wird bei Mehdorn angesiedelt, der sich bei seiner Präsentation als vorausschauend und Mutmacher darstellte. „Wir haben bei unseren Plänen bereits eingerechnet, dass es im kommenden Jahr kein Wachstum geben wird.“

Trotz der Flottenreduzierung wollte Mehdorn keine Größenordnung für einen Personalabbau nennen. „Wir werden weitgehend auf Fluktuation setzen.“ Angst vor Entlassungen dürfte sich zudem eher lähmend auswirken, doch der Air Berlin-Vorstand setzt alles daran, eine Aufbruchstimmung und hohes Engagement zu erzeugen.

Mehdorn kämpferisch

Zur eigenen Rolle als Interims-CEO sagte Mehdorn: „Ich denke nicht jeden Tag über meinen Vertrag nach.“ Er wolle sich der Aufgabe, Air Berlin zu alter Stärke zu führen, stellen. Der Luftverkehr durchlebe turbulente Zeiten, wie auch die Einschätzungen von Wettbewerbern klarmachten. Als durchsetzungsfähig schätzt sich Mehdorn schon lange ein, schließlich hatte er sich als Chef der Deutschen Bahn jahrelang mit Politikern herumgeschlagen. „Ich bin kampferprobt“, machte er klar – und betonte noch einmal, dass er die Aufgabe Air Berlin nicht halbherzig anpacke: „Ich bin mit Volldampf dabei.“

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