Airport-Hunde

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Streicheln gegen die Angst

Auf US-Flughäfen finden gestresste und nervöse Passagiere seelische Unterstützung bei Vierbeinern. Ein Erfolgskonzept auch für Deutschland?

von Sabine Neumann, 20.01.2016, 09:00 Uhr
Lieber Hund: Casey ist Airport-Botschafter von Miami.
Foto: www.miami-airport.com

Tröpfchen, Tabletten, autogenes Training: Wer unter Flugangst leidet, hat oft schon vieles ausprobiert. Wie aber wäre es mit sogenannten Assistenzhunden? Am Frankfurter Flughafen wurde diese Idee vor einiger Zeit umgesetzt. Unterstützung bekam man von der Vereinigung Vita, die gewöhnlich Menschen mit körperlicher Behinderung einen solchen Vierbeiner zur Seite stellt und ihnen so zu mehr Unabhängigkeit und Lebensqualität verhilft.

Dabei kann ein guter erzogener Therapiehund auch einen gestressten oder ängstlichen Fluggast beruhigen: Der Blutdruck sinkt, das bestätigen Studien. „Golden- und Labrador- Retriever eignen sich besonders gut“, sagt Tatjana Kreidler, Gründerin und Vorsitzende von Vita. „Sie haben ein ausgeglichenes Wesen und passen sich schnell den unterschiedlichsten Lebenssituationen an. Sie sind nicht aggressiv, nervös oder ängstlich, sondern stets lebhaft und fröhlich.“

Weg von der Angst

Dahinter steckt jede Menge Training und Arbeit mit den Tieren. „Hunde können als sogenannter angstantagonistischer Reiz eingesetzt werden“, erklärt Psychologe Uwe Landwehr in Fachsprache. „Bei leichteren Ängsten kann der Hund eine beruhigende, ablenkende Wirkung haben, so dass der Mensch sich von seiner Angstfokussierung ein Stück distanzieren kann. Zudem kann das Sich-Kümmern, also die Verantwortung für einen Hund, unser Erwachsenen-Ich stärker aktivieren.“

Die Idee wurde vor einigen Jahren eher zufällig am kalifornischen Flughafen Norman Y. Mineta San José nahe Palo Alto im Silicon Valley geboren. Ein Flughafengeistlicher brachte seinen Hund mit, um die gestressten Passagiere aufzumuntern. Mit Erfolg: Heute sind dort neun Therapietiere im ständigen Einsatz.

Hunde mit Flugangst

Menschen mit Behinderungen dürfen ihre speziell ausgebildeten Hunde mit ins Flugzeug nehmen. Diese Vierbeiner können aber auch Flugangst haben und weigern sich dann standhaft, einen Flieger zu betreten. Ihnen kann aber geholfen werden. In Amerika gibt es die „Air Hollywood K9 Flight School“. In einem Flugzeugsimulator werden die ängstlichen Tiere schrittweise mit den Geräuschen und der Umgebung eines Flugzeuges vertraut gemacht. Das klappt ganz gut.

Für Menschen mit Flugangst gibt solche Kurse ebenfalls. Und Hollywood nutzt die fliegende Schule, um hier die Filmszenen zu drehen; dafür war auch die Einrichtung dieses Simulators ursprünglich gedacht. Weitere Infos unter: Webseite der Hundeschule und Weiteres über das Studio.

An den Flughäfen in Los Angeles, Fort Lauderdale und Miami sowie San José sollen Golden Retriever die ängstlichen oder nervösen Fluggäste beruhigen. Das Programm heißt Pets Unstressing Passengers, kurz PUP (auf deutsch: Haustiere entspannen Passagiere). Beobachtungen zeigen: Die Vierbeiner wirken tatsächlich stressreduzierend; schon ihre Gegenwart sorgt für ein Wohlgefühl bei den betroffenen Passagieren.

Das kommt am Flughafen sehr gut an. Viele Reisende beginnen ein Gespräch, erzählen von ihren eigenen Tieren. Vergessen sind Flugängste oder das stundenlange Warten auf einen verspäteten Anschlussflug. Als Andenken nehmen die Fluggäste ein Foto mit dem Steckbrief des Hundes mit. Die freundlichen Vierbeiner sind mit ihren Besitzern überall am Flughafen zu finden: an der Gepäckausgabe ebenso wie direkt an den Flugsteigen oder schon vor den Check-In-Schaltern.

Die Wedeltruppe am Airport San Francisco fordert mit grünen Halsbändern und der Aufschrift „Pet me“ (deutsch: „Streichel mich“) zum Kontakt. Die Hunde, die der Tierschutzorganisation gehören, sind perfekt ausgebildet und einer Prüfung unterzogen worden. Zudem haben sie mindestens ein Jahr Berufserfahrung in Altersheimen oder Schulen hinter sich. Wichtige Voraussetzung: Sie müssen zeigen, dass sie auch in heiklen Situationen Ruhe bewahren. Denn ein Flughafen ist ein lebendiger Ort: Die vielen fremden Menschen, Gerüche und Geräusche können nicht speziell erzogene Tiere irritieren und sie wütend werden lassen.

Deshalb gibt es für jeden neuen Flughafenhund vor seinem ersten Einsatz eine Probestunde: Erst wenn er diese bestanden hat, geht es für ihn los. Der Hund muss begeistert und gelassen sein, er sollte stets freundlich mit dem Schwanz wedeln, die Ohren spitzen und keine Scheu vor Fremden haben. Und er muss selbst dann Ruhe bewahren, wenn ihm jemand an den Ohren zieht oder auf den Schwanz tritt. Erst wenn er all dies mit Bravour gemeistert hat, ist er der Richtige für Pets Unstressing Passengers.

Ein Golden Retriever als Star

Die Hundeführer übernehmen ihren Job an den US-Flughäfen ehrenamtlich – und mit Hingabe. So auch am Miami International Airport: Dort ist die Golden-Retriever-Hündin Casey der Star und mittlerweile auch „Airport CanineAmbassador“,dieerstehündlicheFlughafenbotschafterin also, und das sogar mit einer eigenen E-Mail-Adresse (Casey@miami- airport.com) und einer Fanseite (www.miami-airport.com/casey.asp).

Am International Airport Los Angeles sind zur Zeit etwa 30 wedelnde Vierbeiner zu finden, unter ihnen Dalmatiner, Spaniel und Pudel. Sie alle tragen rote Westen mit dem Aufdruck „Pet me“; ihre Besitzer halten für die Fluggäste Informationen bereit.

Eine Aktion, die sicher auch an deutschen Airports gut ankommen würde. Neben dem Frankfurter Flughafen würde sich dafür ganz besonders Berlin-Tegel eignen. Hier könnten die wartenden Fluggäste mit einem Assistenzhund dann auch mehr als eine Runde Gassi gehen – wo sonst ist ein Terminal als schlichter Kreis angelegt ...

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