Alternative Kraftstoffe

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Die Tücken des Bio-Kerosins

Mit Bio-Kerosin soll das Wachstum im Luftverkehr umweltfreundlich gestaltet werden. Erste Airlines testen den Kraftstoff. Doch der Teufel steckt im Detail. Finanziell, technisch – aber auch ökologisch.

von Tobias Pusch, 06.10.2014, 07:34 Uhr
Bei Lufthansa wird Biofuel ausprobiert.
Foto: Lufthansa

Die Wachstumsraten sind enorm. Eine Verdoppelung des Luftverkehrs bis 2031 prognostizierte Airbus vor zwei Jahren. Damit einher geht eine immense Zunahme der CO2-Emissionen. Pures Gift für die vom Treibhaus-Effekt gebeutelte Erde. Als Gegenmittel soll Bio-Kerosin herhalten, also Treibstoff, der nicht aus Mineralöl produziert wird, sondern aus nachwachsenden Rohstoffen besteht.

Boeing experimentiert gerade mit der Substanz „Green Diesel“, die unter anderem Tierfette enthält. 2015, so hofft das US-Unternehmen, wird der Stoff zugelassen. Auch Airbus ist an dem Thema dran. Beide Flugzeug-Hersteller unterstützen mehrere Forschungsprojekte. Das Ziel ist es, Treibstoffsorten zu entwickeln, die die gleichen chemischen Eigenschaften wie Kerosin besitzen.

Doch das ist leichter gesagt als getan. Denn egal ob Holzreste, Zuckerpflanzen oder tierische Fette eingesetzt werden: Das Endprodukt unterscheidet sich stets in entscheidenden Details von den konventionellen Sorten. Das führt dazu, dass Biosprit bislang immer nur als Beimischung zum Einsatz kommt – und zwar mit einem Anteil von höchstens 50 Prozent.

Das Problem mit den Ketten

Einer, der an der Lösung dieses Problems tüftelt, ist Dr. Alexander Zschocke, Senior Manager Aviation Biofuels bei der Lufthansa. Er beschäftigt sich seit Jahren mit den CO2-sparenden Alternativen. Immer wieder testet der Konzern verschiedene Bio-Kersosinsorten und hilft dadurch, die Stoffe bis zur Zulassungsreife zu bringen. Zuletzt wurde der auf Zucker basierende Kraftstoff Farnesan erprobt. Doch wie bei anderen Bio-Sorten treten auch hier die typischen Probleme auf. „Konventionelles Kerosin besteht aus Kohlenwasserstoff-Ketten verschiedener Länge, Farnesan aber lediglich aus C-15-Ketten. Deswegen verbrennt reines Farnesan ungünstiger als Kerosin“, so Zschocke.

Auch die Form der Moleküle birgt Probleme. Denn herkömmliches Kerosin enthält ringförmige Kohlenwasserstoff-Ketten, die sogenannten Aromate. Sie sorgen dafür, dass die Dichtungen in den Triebwerken elastisch bleiben. „Bei reinem Farnesan würde es also über kurz oder lang zu Lecks kommen“, sagt Zschocke. Nach seinen Schätzungen werde es noch 30 bis 40 Jahre dauern, bis all diese Probleme gelöst sind und in der Luftfahrt 100-prozentige Bio-Kerosinsorten eingesetzt werden.

Ökobilanz bislang noch unbefriedigend

Dann soll auch das Problem der Ökobilanz gelöst sein. Denn die sieht derzeit noch nicht so gut aus wie erhofft. So liegt bei Spritsorten, die aus der Ölpflanze Jatropha hergestellt werden, die Kohlendioxid-Einsparung nur bei etwa einem Drittel – nicht zuletzt wegen Produktion und Transport des Sprits. „Diese Faktoren berücksichtigen wir natürlich in unseren Berechnungen. Und solche Werte sind unbefriedigend“, so Zschocke. Zudem sei der Einsatz von Biofuel auch betriebswirtschaftlich noch nicht sinnvoll.

Zumindest den letzten Punkt könnte man leicht ändern – sagt Dietmar Oeliger, Leiter der Abteilung Verkehrspolitik bei der Umweltschutz-Organisation Nabu. „Kerosin ist nur deswegen so günstig, weil es nicht besteuert wird. Das erschwert die Einführung von Bio-Kraftstoffen.“ Die derzeitigen Forschungen hält er für „Ablenkungsmanöver, die suggerieren sollen, dass wir uns keine Sorgen machen müssen, weil das Thema in Bearbeitung ist.“ Faktisch gebe es aber noch jede Menge Probleme. „Es ist zum Beispiel nicht so leicht, ausreichend Biomasse zu finden, um die benötigten Kraftstoff-Mengen herzustellen. Die Luftfahrt-Industrie ist ja nicht die einzige Branche, die Bedarf an alternativen Kraftstoffen hat.“

Letztendlich gebe es in seinen Augen ohnehin nur eine einzige Lösung für das CO2-Problem: Das Flugaufkommen müsse reduziert werden. Auch hier sei die Kerosin-Besteuerung das Mittel der Wahl. „Denn wenn der Treibstoff teurer wird, dann ist es nicht mehr attraktiv, mal schnell für ein Wochenende nach New York zu fliegen.“

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