Angst vor dem Fliegen

(0)

Diese 10 Tipps helfen wirkungsvoll gegen Flugangst

Fachleute bezeichnen das Phänomen als Aviophobie. Das Gute: Die Flugangst lässt sich mit einfachen Tricks überwinden und heilen. Und manchmal verschwindet sie sogar fast von selbst.

von Oliver Graue, 09.08.2016, 09:00 Uhr
Nicht wenige Reisende fühlen sich im Flieger unsicher und nervös.
Foto: Juice Images / Alamy

Die Angst war ihm anzusehen – und er versuchte auch nicht, ein Geheimnis daraus zu machen, wie er leidet. Alle vier Wochen müsse er von Hamburg nach London fliegen, erzählt er. Dass er sich dabei überhaupt nicht wohlfühlt, zeigten seine hektischen Bewegungen, sein Schwitzen. Immerhin: Anders als die meisten Menschen, die Furcht vorm Fliegen haben, kann er sich überwinden und geht weiterhin an Bord. Ärzte berichten von Fällen, in denen sich beruflich Reisende für vorgesehene Flugtage Atteste ausstellen lassen. Bei anderen Betroffenen vermiest die Flugangst die Vorfreude auf den schönsten Urlaub.

Herzrasen, Panik, feuchte Hände, Atemnot, Übelkeit und Schwindel: Wer unter Flugangst leidet, dessen vegetatives Nervensystem ist überaktiviert – und sorgenvolle Gedanken vorm Flug lassen aus mulmigen Gefühlen einen Teufelskreis entstehen. Woher kommen die Geräusche im Flugzeug? Warum wackelt die Maschine so? Waren das Turbulenzen? Etwa 15 Prozent aller Deutschen leiden unter Flugangst, schätzen Experten. Zusätzliche knapp 20 Prozent fühlen sich an Bord mindestens unbehaglich – das Phänomen ist also beileibe kein Einzelfall. Selbst Flugbegleiter können davon betroffen sein. Auch wenn der Alptraum vom drohenden Absturz des Flugzeuges selten Realität wird, denn die wenigsten Menschen haben bereits eine mulmige Situation wie mehrfaches Durchstarten oder plötzliche Sinkflüge in Turbulenzen mitgemacht.

Foto: BizTravel

Panik wegen Erinnerung an Absturz von Germanwings

Bei den meisten sind die Ursachen für die Panik beim Fliegen hingegen eher diffus: Sie basieren auf anderen Ängsten wie Platzangst oder Kontrollverlust. Gerade das Gefühl des Ausgeliefertseins wird von Betroffenen oft genannt - mitunter gekoppelt an eine konkrete Furcht wie vor einem Piloten wie dem von Germanwings. Ist aber etwas anderes ausschlaggebend, hilft gegen Flugangst meist nur eine Verhaltenstherapie. Auch andere Tipps können betroffenen Menschen helfen, die Angst zu überwinden. Grundsätzlich gilt: Entspannungsübungen helfen, Alkohol nicht.

Entspannungsübungen statt Alkohol

Nicht immer sind Beruhigungsmittel notwendig: Um flugspezifische Panik loswerden, empfehlen Experten keine Tabletten, sondern sich in einem ersten Schritt sowohl mit seiner Angst als auch mit dem Fliegen auseinanderzusetzen. Also: Warum habe ich Angst? Was genau ist Angst? Was spielt sich in meinen Gedanken ab? Wie funktioniert ein Flugzeug? So sehr die fürchterliche Tragödie um den Flug von Germanwings auch nachwirken mag: Wie wahrscheinlich ist das Risiko, in der Luft zu verunglücken? Tatsache ist: Selbst schlimmste Turbulenzen, bei denen an Bord alles durcheinanderwirbelt, lassen keinen Flieger vom Himmel fallen. Und, so Jörg Handwerg von der Pilotenvereinigung Cockpit: „Bei einem Jumbo können sich die Tragflächenspitzen um acht Meter nach oben oder nach unten biegen, ohne Schaden zu nehmen.“

Bessere Vorbereitung mit der richtigen Kleidung

Weil vorherzusehen ist, dass Sie während des Fluges angespannt sein werden, sollten sie die Spannung buchstäblich nicht auch noch zusätzlich erhöhen – und enge Hosen, feste Kragen oder knapp sitzende Oberteile tragen. Eingehüllt in einen lockeren Schicht-auf-Schicht-Look fällt es dem Körper während des Flugs leichter, sich zu entspannen. Der Zwiebel-Look lässt auch zu, dass sie Ihre Kleidung anpassen können, je nachdem, ob sie gerade frösteln oder ihnen der Schweiß ausbricht.

Wissen beruhigt

Kleidung ist das Eine, Wissen ist das nächste. Viele Menschen haben Angst vor dem Fliegen, weil sie zu wenig darüber wissen. Wer gelernt hat, dass ein Flugzeug selbst dann nicht vom Himmel fällt, wenn alle Triebwerke ausfallen, sondern noch etwa 200 Kilometer im Gleitflug schafft, kann gelassener dem Flug entgegensehen. Manchmal reichen schon das Nachdenken über die Ängste und der Mut, doch einzusteigen, aus, um in Zukunft mit einem weniger mulmigen Gefühl zu fliegen. Dann schaltet der Körper oft von allein in den „Ich hab es geschafft“-Modus.

Meist allerdings ist mehr nötig. Spezialisierte Anbieter veranstalten – mitunter in Zusammenarbeit mit Fluggesellschaften – Anti-Flugangst-Seminare. In den zwei- bis dreitägigen Workshops erfahren die Teilnehmer, wie ein Flugzeug funktioniert, erlernen Entspannungsübungen und trainieren teilweise sogar in einen Flugsimulator oder gehen gemeinsam auf Kurzreise. Die Kosten sind mit etwa 800 Euro allerdings happig. Eine günstige Alternative zu Seminaren sind Fach-Ratgeber, die Sie sich bestellen oder in der Bibliothek ausleihen können.

Tipps gegen Flugangst

1. Ursachen bewusst machen
Hinterfragen Sie die Ursachen Ihrer Flugangst: Warum habe ich sie? Wie funktioniert ein Flugzeug? Gehen Sie trotz Ihrer Angst an Bord.

2. Den richtigen Sitzplatz wählen
Wer an Flugangst leidet, leidet auch häufig an sogenannter Klaustrophobie (Platzangst). Am besten ist es daher, einen Platz am Gang zu buchen. Dadurch fühlt man sich zum einen weniger eingeengt, und zum anderen muss man auch nicht in die Tiefe schauen, was möglicherweise die Ängste verstärkt. Achtung: Da beim billigsten Tarif inzwischen viele Airlines die Sitze den Passagieren zuweisen und man selbst nicht wählen kann, muss man zur Not einen teureren Tarif buchen.

3. Über die Flugangst sprechen
Weihen Sie Ihren Sitznachbarn und die Flugbegleiter ruhig in ihre Flugangst ein. Das ist keinesfalls peinlich, denn in der Realität leiden viel mehr Menschen unter dem mulmigen Gefühl, als es zugeben. Wer um Ihre Flugangst weiß, kann sie beruhigen oder ablenken. Häufig hilft es auch schon, ein kurzes nettes Gespräch darüber mit dem Mitpassagier zu führen: Vielleicht ist ihm ja auch nicht ganz wohl am Himmel?

4. Die Ängst nicht leugnen, sich aber auch nicht hineinsteigern
Wie bei allen Angstleiden sollte man nicht krampfhaft gegen die Flugangst ankämpfen. Das bewirkt meistens sogar das Gegenteil: Genau so, als wenn man sich bei Schlaflosigkeit einredet, unbedingt einschlafen zu müssen. Besser ist es daher, die eigene Angst zu akzeptieren. Umgekehrt sollte man sich aber auch nicht in sie hineinsteigern. Gedankenspiele über mögliche Flugkatastrophen sollte man sofort stoppen, wenn sie sich einstellen.

5. Nicht mit leerem Magen
Auch wenn es einem beim Gedanken an den bevorstehenden Flug und seine Angst nicht nach Hunger ist: Steigen Sie nicht mit leeerem Magen in den Flieger, sondern zwingen sie sich, vor Abflug etwas zu essen. Das muss (und sollte auch) nichts Schweres sein. Auch sollte man vorher und während des Fluges genug trinken. Auf koffeinhaltige Getränke wie Kaffee oder Energy Drinks verzichtet man aber am besten ebenso wie auf Alkohol.

6. Immer tief einatmen
Achten Sie auf Ihre Atmung! Holen Sie tief Luft, atmen Sie dann aber lange aus. Auch das kann vor Panikattacken schützen. Setzen Sie sich zudem in gerader Haltung auf Ihren Sitz und lassen beide Füße auf dem Boden stehen.

7. Sich ablenken
Leichter gesagt als getan, dennoch sollten Sie es immer wieder versuchen: Nehmen Sie ein Buch oder eine Zeitschrift in die Hand, um sich abzulenken. Konzentrieren Sie sich auf den Text, den Sie lesen und versuchen Sie, an möglichst nichts anderes dabei zu denken. Alternativ spielen Sie zum Beispiel mit einer Kette oder einem Bändchen, das Sie um Ihr Handgelenk tragen. Klingt etwas albern, kann aber helfen.

8. Medikamente nehmen
Als leichte Mittel gegen Angst gelten Baldriantropfen oder Johanniskrautpräparate. Dieses erhalten Sie in der Apotheke. Zumindest bei leichten Angstzuständen können sie helfen. Benötigen Sie wirklich härtere Mittel wie Valium, die allerdings nicht frei von Nebenwirkungen sind, müssen Sie zu Ihrem Arzt.

9. Am Flugangst-Seminar teilnehmen
So manch ein Mensch, der an schwerer Flugangst litt, konnte dies durch die Teilnahme an einem Flugangstseminar überwinden. Solche Kurse bieten viele der Fluggesellschaften an, zum Beispiel aber auch das Fluggastzentrum. Dabei informieren Piloten über die Hintergründe des Fliegens und erläutern zum Beispiel, was es bedeutet, wenn das Flugzeug wackelt oder wenn "seltsame" Geräusche zu hören sind. Außerdem werden Übungen trainiert, mit deren Hilfe sich Flugangst reduzieren lässt.

10. Fliegen ist kein Muss
Wenn alles nicht hilft und Sie aus beruflichen Gründen nicht aufs Fliegen angewiesen sind, dann trauen Sie sich doch einfach, auf Flüge zu verzichten. Schöne Ecken, in denen man Urlaub verbringen kann, sind schließlich auch mit Bahn oder Auto erreichbar.

Quiz
(0)

Erkennen Sie die Airline?

Wie viele von diesen 15 Airline-Logos können Sie richtig zuordnen?

 

Weitere Business Travel-Themen

Verpflegungspauschale
(0)

Neue Sachbezugswerte für 2017

Die amtlichen Werte, die für Mahlzeitengestellung außerhalb von Dienstreisen anzusetzen sind, wurden leicht erhöht. Der Betrag für Unterkunftskosten bleibt gleich. mehr

 

Neue Flüge ab Winter 2014/15

03.12.2014 Dateigröße 4,64 MB Jetzt herunterladen

Überblick über alle geschäftsreiserelevanten Ziele, die frisch in den Flugplänen auftauchen.

 

Tagen am Airport

08.12.2014 Dateigröße 1,82 MB Jetzt herunterladen

Diese Tagungshotels lassen sich bequem zu Fuß vom Flughafen erreichen.

 
© 2017 FVW Medien GmbH, Alle Rechte vorbehalten
Impressum AGB Datenschutz Kontakt Media