Deutschlands Airports wollen attraktiver werden – auch für Geschäftsreisende. Frankfurt macht sich fit für mehr Starts und Passagiere, Berlin eröffnet 2012 seinen neuen Großflughafen. Ein Überblick.
Schnell vergeht in Deutschland ein Jahrzehnt von der ersten Idee, einen Flughafen wachsen zu lassen, bis zur Verwirklichung. 1997 hatte sich Ex-Lufthansa-Chef Jürgen Weber vorgewagt und beklagte die begrenzten Kapazitäten am Heimatflughafen Frankfurt. Jetzt, 14 Jahre später, entspannt sich die Lage am größten Airport des Landes langsam: Frankfurt hat gerade eine vierte Startbahn bekommen. Und im Frühjahr nächsten Jahres soll ein neuer Flugsteig für Lufthansa-Gäste öffnen. Es tut sich etwas in Frankfurt – und an anderen Flughäfen im Land. So sollen in München ebenfalls eine weitere, die dann dritte, Startbahn sowie Terminalbauten errichtet werden. In Berlin entsteht auf der grünen Wiese sogar ein völlig neuer Flughafen. Er soll am 3. Juni 2012 eröffnen. Vermutlich ist es das vorerst letzte Großbauprojekt dieser Art in Deutschland.
Die Ausbauschritte sind nötig. Schließlich ist der Luftverkehr in Deutschland zuletzt jährlich um vier bis fünf Prozent gestiegen, die Infrastruktur ist aber nur punktuell mitgewachsen. Gerade in Frankfurt zeigten sich manche unzufrieden: Die Fluggesellschaften beklagten mangelnde Wachstumsmöglichkeiten, die Geschäftsreisenden verwirrende Wege, Flugverspätungen und zum Teil lange Warteschlangen. Nun will Frankfurt wieder als attraktiver Umsteige-Airport punkten. Immerhin, die weltweite Konkurrenz ist groß. Paris und London, aber auch Dubai treten gegen den deutschen Rhein-Main-Airport an.
Nordwestbahn: Exakt seit dem 21. Oktober 2011, 14.30 Uhr, ist die neue Landebahn des Flughafens Frankfurt in Betrieb. Nun können zu Spitzenzeiten am Airport statt bisher 83 Flüge 126 pro Stunde abgewickelt werden. Das entspricht einem Plus von sage und schreibe 50 Prozent. Vor 2020 wird Betreiber Fraport das aber wohl nicht ausreizen.
A-Plus – so heißt der Flugsteig, den Fraport exklusiv für Lufthansa errichtet. Er soll im Frühjahr 2012 eröffnet werden. Das 800 Meter lange Gebäude wird Platz bieten für sieben Großraumjets, darunter vier Airbus A-380. Es wird eine große Shopping-Zone geben. Der Platz reicht für sechs Millionen Passagiere.
Terminal 3: Wenn der A-Plus-Flugsteig fertig ist, beginnen die Arbeiten auf der nächsten Baustelle. Um das erwartete Passagierplus abfertigen zu können, entsteht im Süden des Airports Terminal 3. Der erste Bauabschnitt soll 2016/17 in Betrieb gehen. Der Gesamtkomplex ist für gut 25 Mill. Reisende pro Jahr ausgelegt.
Aus drei mach eins: Einst hatte Berlin mit Tempelhof, Tegel und Schönefeld drei Flughäfen. Künftig wird der Flugverkehr der Hauptstadt komplett über den Berlin Brandenburg Airport (BER) abgewickelt – ein komplett neuer Flughafen, der zum modernsten Europas werden soll.
Starttermin ist der 3. Juni 2012. Dann werden der internationale Airport in Tegel und der Billigflieger-Flughafen Schönefeld dicht gemacht. Seit November laufen Tests am BER, damit nach dem Umzug alles reibungslos startet.
Kapazitäten: Der Flughafen BER ist zunächst für 27 Mill. Passagiere jährlich ausgerichtet. In Modulen kann der Flughafen Berlin Brandenburg schrittweise bis zu einer Kapazität von 45 Mill. Passagieren ausgebaut werden.
Fluggesellschaften: Größte Fluggesellschaften werden Air Berlin, Lufthansa und Easyjet sein.
Dritte Bahn: 4000 Meter soll sie lang werden und die Kapazitäten des Flughafens von 90 auf 120 Flüge pro Stunde erhöhen. Vor 2015 wird sich die dritte Start- und Landebahn in München aber wohl nicht realisieren lassen.
Satellit/Terminal 2: Um auch in München das wachsende Passagieraufkommen bewältigen zu können, entsteht an dem von Lufthansa genutzten Terminal 2 ein Satellit, der elf Millionen zusätzliche Passagiere aufnehmen kann und 27 Flugzeugparkplätze schafft. Er soll 2015 in Betrieb gehen.