Technik macht es möglich – und Avis macht den Anfang. Der Vermieter bringt eine Plastikkarte auf den Markt, die alle Formen der schnellen Anmietung ermöglicht.
Pascal Bazin ist nicht unbedingt der Typ, der sich in den Vordergrund spielt. Jetzt aber holt er zu einem echten Coup aus, der den Mietwagenmarkt in Europa aufmischen könnte: Der Europa-Chef des Autovermieters Avis hat ein Produkt entwickelt, mit dem Geschäftsreisende schnell und simpel sowohl stundenweise als auch für Tage oder Wochen ein Fahrzeug der Avis-Flotte anmieten können. Das Ganze geschieht über die Kundenkarte. Und nicht nur das: Mit derselben Plastikkarte – Simsalabim – erhält der Kunde auch direkten Zugang zum Auto oder zum Fahrzeugschlüssel.
„Avis On Demand“ heißt das Produkt. Es soll das klassische Mietwagengeschäft kombinieren mit dem derzeit von allen Autovermietern neu entdeckten Geschäftsfeld Car Sharing. In der Regel greifen die Autovermieter dabei aber auf zwei völlig voneinander getrennte Systeme zurück. Avis gehört zu den Ersten, die beides kombinieren können und auf die gesamte Flotte ausdehnen wollen.
Auch die Avis-Konkurrenten sind am Thema dran. So buhlen Hertz und Sixt in Berlin mit „Connect by Hertz“ und dem „Sixti Car-Club“ um Geschäftskunden, die nur kurzzeitig ein Auto benötigen. In München hat Sixt zudem gerade ein Joint Venture mit BMW gegründet und das stationsunabhängige Car-Sharing-Angebot „Drive Now“ auf die Straße gebracht. Seit April sind nun 300 Mini-Cooper und 1er-BMW auf die Münchner Innenstadt verteilt und können von „Drive Now“-Mitgliedern schlüssellos geöffnet und spontan für Stadtfahrten genutzt werden.
Wettbewerber Europcar hat gerade in Hamburg gemeinsam mit Daimler sein Car-Sharing-Projekt „Car2go“ gestartet: In der Stadt stehen 300 blau-weiße Smarts, die sich via Internet oder Handy sofort anmieten und mit einem Chip auf dem Führerschein öffnen lassen. Bestehenden Europcar-Kunden gewährt das Joint Venture Preisvorteile.
So weit wie Avis geht allerdings bislang keiner der Wettbewerber. Der Schlüssel zu allen denkbaren Nachfragen soll die Avis-Preferred-Karte sein, die den Kunden schon heute an 2900 Avis-Stationen einen schnellen Zugang zum Mietfahrzeug gewährt.
Die Karte wurde weiterentwickelt: Inhaber, die etwa übers Smartphone ein Fahrzeug reserviert haben, werden elektronisch über den genauen Standort des gewünschten Autos informiert. „Ohne weitere Formalitäten können sie dann direkt zum Wagen gehen“, sagt Bazin. Dort erhalten sie über ihre Karte Zugang zum Auto – und können losfahren.
Wer den Wagen schon nach einer Stunde wieder zurückbringt, zahlt 9,95 Euro für alles. Bei Tages- oder Mehrtagesmieten fallen die heute bereits üblichen Preise an. „Avis On Demand“ ist daher auch für Unternehmen sinnvoll, die über keinen eigenen Fuhrpark verfügen, aber Bedarf an kurzfristigen wie längeren Mieten haben. Bazin testet sein neues Projekt derzeit in Paris. Im zweiten Halbjahr will Avis das Modell in Deutschland einführen. Gestartet wird in München und Frankfurt.