Von der Straße auf die Schiene: Unter diesem Motto locken die DB und der Thalys ihre Firmenkunden mit frischen Programmen, Rabatten und Services. BizTravel nennt alle Neuerungen.
Verloren und vergessen – das ist vorbei. Wer mit dem Thalys nach Paris oder Brüssel fährt, benötigt keinen Papierfahrschein mehr, weder online noch aus dem Automaten. Stattdessen gibt’s eine Stunde vor Abfahrt eine Erinnerungs-SMS samt Platznummer. Dem Schaffner zeigen Geschäftsreisende ihre „Thalys The Card“, ein Pendant zur Bahn-Card. Und gut für die Firmen: Der gebuchte Fahrschein fließt automatisch in die Reisekosten-Software ein.
Das papierlose Ticket gehört zum neuen Thalys-Geschäftsreise-Programm Benefits To Business. Mehr denn je will der französisch-belgisch-deutsche Bahnbetreiber es Firmenkunden schmackhaft machen, für ihre Fahrten zwischen Köln, Aachen, Lüttich, Brüssel, Flandern und Paris auf die Schiene umzusteigen: „ins Büro mit 300 Stundenkilometern“, sagt Chef Olivier Poitrenaud. Neben Ticket- SMS, W-LAN im Zug, Business-Kontaktnetz thalyseo.de und „Thalys The Card“ bilden die Rabattstufen B2B Classic und B2B Advantage das Herzstück des Konzepts. Je nach Volumen – ab 15.000 oder ab 30.000 Euro jährlich – wählen Firmen eine dieser beiden Stufen. Gewährt Classic feste ermäßigte Tarife, garantiert Advantage individuelle Rabatte.
Gänzlich verändern wird auch die Deutsche Bahn ihre Firmenförderung „Bahn Corporate“. An die Stelle der bestehenden starren Staffeln beim Großkundenrabatt (GKR) treten ab Januar 2011 „flexiblere Rabattstufen, individuelle Abmachungen mit Großkunden und Sonderaktionen für Mittelständler“, berichtet Christina Arndt, Leiterin Vertrieb Geschäftsreisen. Sie verspricht Travel Managern „mehr Einsparpotenzial und größere Wahlmöglichkeiten“.
Im Klartext bedeutet das: Mit Unternehmen, die jährlich mehr als 200.000 Euro für ihre Bahntickets ausgeben, spricht die DB in Zukunft über „Sondervereinbarungen“, wie Arndt erklärt. Diese Vergünstigungen sollen zusätzlich zu den Rabattstaffeln (6 bis 9 Prozent) gelten. Beispiel: Einem Unternehmen, das in der Krise 2009 komplett auf die 2. Klasse umgestiegen ist, macht der Schienenkonzern die 1. Klasse schmackhaft, indem er der Firma für diese einen Spezialpreis gewährt. Im Gegenzug verpflichten sich Travel Manager zu einem bestimmten Abnahmevolumen. Einen zusätzlichen Prozentpunkt Rabatt erhalten Großunternehmen, wenn sie firmeninternes Marketing für die DB betreiben. Um das Konzept ab 1. Januar 2011 durchzusetzen, „haben wir unseren Außendienst geographisch neu aufgestellt“, erklärt Christina Arndt.
Wermutstropfen: Wer mehr als 50.000 Euro in Tickets investiert, aber noch kein Großkunde ist, der erhält vom nächsten Jahr an einen um bis zu 1 Prozentpunkt geringeren Rabatt – nämlich je nach Volumen 5 bis 5,5 statt 5,5 bis 6 Prozent. „Aus Ausgleich bieten wir den Firmen Sonderaktionen an, zum Beispiel Gutscheine, die man etwa für den Kauf von Bahn-Cards, Fahrscheinen oder für Parkhäuser nutzen kann“, verspricht Arndt. Ziel des neuen Konzeptes sei, „Firmenkunden von der Straße auf die Schiene zu holen und die 1. Klasse zu stärken“. Für Kleinstkunden und Selbstständige hat die DB frisch ihr Portal „Smart“ gestartet. OBT wiederum bietet Bahn, Flug, Hotel und Mietwagen über eine einzige Plattform.
Dass die Kunden auf der Schiene bleiben, dafür sorgt auch der Thalys, Denn neuerdings lassen sich Nahverkehrstickets für die Weiterfahrt direkt an der Zugbar kaufen. Ein Plus gerade für Geschäftsreisende – stellt der Ticketautomat am Bahnhof doch häufig ein einziges Rätsel dar und bedeutet lange Wartezeiten. „Für Fahrscheine in Paris, Brüssel und in den meisten holländischen Städten brauchen Thalys-Reisende jetzt nach ihrer Ankunft nicht mehr Schlange zu stehen“, betont Konzernchef Olivier Poitrenaud. Für Köln und Aachen sind die Tickets kostenlos, und wer in eine belgische Stadt außerhalb Brüssels muss, bucht gleich beim Fahrscheinkauf den Tarif „jeder belgische Bahnhof“. In der Comfort 1 ist dieser sogar kostenlos.