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Best Practice

17.06.2011, 09:00 Uhr

Deutsche Apotheker- und Ärztebank

von Oliver Graue

Die Genossenschaftsbank verfügt seit 2010 über einen zentralen Einkauf. Die Fachabteilungen sind nun Kunden statt autonome Einkäufer. Doch sie profitieren von besseren Preisen und Prozessen.

Dr. Erich Groher leitet seit Sommer 2009 den Einkauf der Apotheker- und Ärztebank.
Foto: BizTravel

Bis Sommer 2009 war es bei der Deutschen Apotheker- und Ärztebank so wie in vielen anderen Unternehmen auch: Um sämtliche Einkäufe – vom Computer bis zur Reise, von der Gebäudeverwaltung bis zum Fuhrpark – haben sich die Fachabteilungen selbst gekümmert. Eine zentrale Stelle gab es nicht, ebenso wenig eine unternehmensweite Vertragserfassung. „Die jeweils Verantwortlichen haben autonom und natürlich sehr unterschiedlich verhandelt und bestellt“, blickt Dr. Erich Groher zurück.

Zu strukturierten Preisvergleichen oder fundierten Marktanalysen fehlte oft die Zeit. Ein aktives Travel Management gab es nicht; die Finanzabteilung verwaltete die Reisekosten.

Die Vision, mit der Groher im Oktober 2009 als Einkaufsleiter der apoBank startete, war klar: „Wir wollten unsere gesamten Kostenblöcke im Einkauf, die Prozesse im Unternehmen sowie unsere Lieferanten durchleuchten und analysieren“, erklärt er. Mit dem Ziel, einen zentralen Einkauf zu schaffen, „der sich um alle strategischen Fragen kümmert“, so Groher, „der also Marktvergleiche vornimmt, Ratenverhandlungen führt, Rahmenverträge abschließt und die Bestellprozesse klar definiert.“

Vorher

Der Einkauf bei der apoBank ist dezentral organisiert, das heißt: Die Fachabteilungen verhandeln und bestellen autonom und unabhängig voneinan­ der. So gibt es weder eine unternehmensweite Vertragserfassung, noch kann gebündelt werden.

Nachher

Der Einkauf wird in einer zentralen Stelle zusammengefasst, die sich ums Strategische kümmert. Eine von zehn Personen kümmert sich u. a. um Reise, Fuhrpark und Events. Feste Partner werden durch Ausschreibungen gefunden, Volumen wird gebündelt, Hotelraten sollen ausgehandelt werden.

City-Limits für Hotels

Im Mittelpunkt steht für den eloquenten, sympathischen 42-Jährigen das Miteinander mit den Fachabteilungen. So wirken diese bei der Anbietersuche und letztendlichen Auswahl mit, und auch die Verträge mit den Leistungsträgern werden gemeinsam unterschrieben. „Im Vertrag läuft alles zusammen“, erklärt Groher. „Die Fachabteilungen müssen klar dahinterstehen, denn sie füllen die Rahmenvereinbarungen schließlich mit Leben.“ Indem sie die Partnerhotels buchen und Firmenverträge mit Airlines nutzen.

Mit einer Bilanzsumme von 40 Mrd. Euro ist die apoBank die größte genossenschaftliche Primärbank. Durch den zentralisierten Einkauf will sie vor allem Kosten senken. Denn der Wettbewerb im Bankensektor hat sich verschärft, und „eine effiziente Kostenstruktur ist neben dem stabilen Geschäftsmodell ein wesentlicher Faktor, um erfolgreich am Markt zu agieren“, so Groher. Geschäftsreisen machen zwar nur wenige Prozent der Gesamtausgaben der Bank aus, doch auch die will Groher angehen. Für Hotels will er City-Limits prüfen, für stark standardisierte Kundenveranstaltungen eine präferierte Eventagentur finden, für Bahn und Flug stehen Analysen an. Gereist wird fast nur innerdeutsch. Sparen will Groher mit Augenmaß: „Denn was nützt es uns, bei Reisen einige Tausend Euro zu sparen und dafür engagierte Mitarbeiter möglicherweise zu demotivieren?!“

Vor 100 Jahren in Danzig gegründet

Porträt: Als „Kredit-Verein Deutscher Apotheker“ gründeten 18 Danziger Apotheker die Bank im Jahre 1902. Die Deutsche Apotheker- und Ärztebank (apoBank) ist heute in Düsseldorf ansässig, fungiert als Genossenschaft mit 100.000 Mitgliedern und 330.000 Kunden. Die Bank zählt 2500 Mitarbeiter.


Travelmanagement: Gereist wird vor allem innerdeutsch: zu Kunden und zwischen der Düsseldorfer Zentrale und den 75 Standorten.

Dr. Erich Groher leitet den Einkauf der apoBank seit Oktober 2009. Zuvor war der gebürtige Bayer bei einer internationalen Universalbank tätig, wo er unter anderem das Travel Management konzernweit restrukturierte.

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