Die Genossenschaftsbank verfügt seit 2010 über einen zentralen Einkauf. Die Fachabteilungen sind nun Kunden statt autonome Einkäufer. Doch sie profitieren von besseren Preisen und Prozessen.
Bis Sommer 2009 war es bei der Deutschen Apotheker- und Ärztebank so wie in vielen anderen Unternehmen auch: Um sämtliche Einkäufe – vom Computer bis zur Reise, von der Gebäudeverwaltung bis zum Fuhrpark – haben sich die Fachabteilungen selbst gekümmert. Eine zentrale Stelle gab es nicht, ebenso wenig eine unternehmensweite Vertragserfassung. „Die jeweils Verantwortlichen haben autonom und natürlich sehr unterschiedlich verhandelt und bestellt“, blickt Dr. Erich Groher zurück.
Zu strukturierten Preisvergleichen oder fundierten Marktanalysen fehlte oft die Zeit. Ein aktives Travel Management gab es nicht; die Finanzabteilung verwaltete die Reisekosten.
Die Vision, mit der Groher im Oktober 2009 als Einkaufsleiter der apoBank startete, war klar: „Wir wollten unsere gesamten Kostenblöcke im Einkauf, die Prozesse im Unternehmen sowie unsere Lieferanten durchleuchten und analysieren“, erklärt er. Mit dem Ziel, einen zentralen Einkauf zu schaffen, „der sich um alle strategischen Fragen kümmert“, so Groher, „der also Marktvergleiche vornimmt, Ratenverhandlungen führt, Rahmenverträge abschließt und die Bestellprozesse klar definiert.“
Im Mittelpunkt steht für den eloquenten, sympathischen 42-Jährigen das Miteinander mit den Fachabteilungen. So wirken diese bei der Anbietersuche und letztendlichen Auswahl mit, und auch die Verträge mit den Leistungsträgern werden gemeinsam unterschrieben. „Im Vertrag läuft alles zusammen“, erklärt Groher. „Die Fachabteilungen müssen klar dahinterstehen, denn sie füllen die Rahmenvereinbarungen schließlich mit Leben.“ Indem sie die Partnerhotels buchen und Firmenverträge mit Airlines nutzen.
Mit einer Bilanzsumme von 40 Mrd. Euro ist die apoBank die größte genossenschaftliche Primärbank. Durch den zentralisierten Einkauf will sie vor allem Kosten senken. Denn der Wettbewerb im Bankensektor hat sich verschärft, und „eine effiziente Kostenstruktur ist neben dem stabilen Geschäftsmodell ein wesentlicher Faktor, um erfolgreich am Markt zu agieren“, so Groher. Geschäftsreisen machen zwar nur wenige Prozent der Gesamtausgaben der Bank aus, doch auch die will Groher angehen. Für Hotels will er City-Limits prüfen, für stark standardisierte Kundenveranstaltungen eine präferierte Eventagentur finden, für Bahn und Flug stehen Analysen an. Gereist wird fast nur innerdeutsch. Sparen will Groher mit Augenmaß: „Denn was nützt es uns, bei Reisen einige Tausend Euro zu sparen und dafür engagierte Mitarbeiter möglicherweise zu demotivieren?!“