Best Practices (Teil 1)

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Wie Daiichi Sankyo Geschäftsreisen plant

Wie betreiben Firmen eine ideale Geschäftsreiseplanung? Kommt immer drauf an, Patentrezepte gibt es leider nicht. Allerdings lohnt es sich, einen Blick darauf zu werfen, wie andere es machen. Die eine oder andere Idee lässt sich vielleicht auch aufs eigene Unternehmen übertragen. BizTravel stellt gleich vier Best-Practice-Berichte vor. Lassen Sie sich inspirieren!

von Oliver Graue, 10.02.2016, 09:00 Uhr
Daiichi Sankyo: Auf der Suche nach neuen Arzneien.
Foto: Daiichi-Sankyo

Der Dienstwagen für die Führungsebene und den Außendienst – und der Zuschuss zum ÖPNV-Job-Ticket für alle anderen: So ist es in vielen Unternehmen üblich. Auch beim Herzmittel-Spezialisten Daiichi Sankyo Europe – zumindest bis vor Kurzem. Bei einer Ausgabenanalyse hatte sich gezeigt, „dass 75 Prozent der Reisekosten auf unsere PKW-Flotte entfallen“, sagt Michael Müller, Head of Mobility & Facilities. „Und mit 71 Prozent Auto, 2 Prozent Bahn und 1 Prozent öffentlichem Nahverkehr war unser Mobilitätsmix nicht ausgewogen.“ Sondern teuer und ineffektiv.

Die neue Lösung hingegen ist flexibel, attraktiv und nachhaltig. „Wir möchten unseren Mitarbeitern Zugang zu allen Mobilitätsformen geben, vom Carsharing über ÖPNV, Fernbus, Bahn, Fahrrad, Taxi, Webkonferenz und Fuhrpark bis zum eigenem Corporate Carsharing“, so Müller. „Zudem entscheidet jeder Mitarbeiter selbst, welches Verkehrsmittel er benutzt. Damit kommen wir gerade jüngeren Kollegen entgegen, die sich gern einen PKW teilen.“ Ältere Mitarbeiter dagegen können problemlos an ihren liebgewonnenen Dienstwagenfesthalten,wennsiemöchten.„Wirnehmen niemandem etwas weg“, betont Müller.

Jeder erhält ein Budget

Das Zauberwort bei Daiichi Sankyo lautet: Mobilitätsbudget. Im Rahmen der Mobilitätsstrategie 2020, wie das Modell offiziell heißt, erhält jeder Mitarbeiter einen Etat, über den er frei verfügen kann. Bemisst sich dieser bei den Dienstwagennutzern nach den bisherigen Vollkosten des Autos plus individuellem Kilometerkontingent, bekommen alle anderen Mitarbeiter ein Mobilitätsbudget in Abhängigkeit der auf dem Weg Wohnung–Arbeit gewählten Verkehrsmittel. Gefördert werden vor allem nachhaltigere, umweltschonendere und gesündere Mobilitätsformen wie öffentliche Verkehrsmittel, Fahrrad oder Fahrgemeinschaften.

Dadurch erhofft sich Müller auch einen positiven Einfluss auf das Travel Management: „Die tägliche Mobilität der Mitarbeiter auf dem Weg zwischen Wohnung und Arbeitsstätte ist in hohem Maße verhaltensprägend.“ Gelinge es hier, Gewohnheiten zu verändern, werden sich diese auf die sonstige private und geschäftliche Mobilität positiv auswirken. Dabei entscheidet jeder selbst, wie er sein Budget einsetzt. „Auch wer einen Dienstwagen hatte, kann das Geld künftig stattdessen für Bahn, Carsharing, Fahrgemeinschaften, Zweirad oder Taxi ausgeben“, so der 37-Jährige. „Oder aber Mitarbeiter wählen ein kleineres, günstigeres Firmenauto und setzen den Restbetrag dann für andere Optionen ein.“

Dabei ist die Mobilitätsstrategie 2020 Teil eines übergreifenden Unternehmenskonzeptes. „Ziel ist es, sowohl die Zukunftsfähigkeit von Daiichi Sankyo Europe als auch seine Attraktivität als Arbeitgeber zu steigern“, erläutert Michael Müller. Zu dem Paket gehören beispielsweise auch ein modernes Bürokonzept in der Münchner Europa-Zentrale des Konzerns, ein flexibles Entlohnungs- und Leistungssystem und eben die Neuordnung der betrieblichen Mobilität. „Durch unser neues Konzept sparen wir zwar nicht unmittelbar“, sagt Müller. „Aber wer jetzt zum Beispiel mit der Bahn fährt, der kann während der Reise arbeiten; zudem fördern Alternativen zum Auto die Gesundheit und das Wohlbefinden unserer Mitarbeiter. Und schließlich reduzieren wir Energieverbrauch und CO2-Ausstoß.“ Bereits die Ergebnisse des Pilotprojekts stimmen Müller hoffnungsfroh: Nicht nur die Mobilitätskosten im Unternehmen sind um mehr als ein Viertel gesunken. Auch die Dienstwagennutzung hat extrem abgenommen, während auf der anderen Seite Pool-Autos, Bahn und öffentlicher Nahverkehr starke Zuwächse verbuchen – und die Mitarbeiter mehr denn je auf die körperliche Bewegung setzen, egal ob mit Fahrrad, Pedelec oder E-Bike.

Weltweiter Top-20-Pharma-Konzern

Daiichi Sankyo entwickelt und vermarktet Arzneimittel in Industrie- und Schwellenstaaten. Im Fokus stehen Medikamente für bislang unzureichend behandelte Krankheitsbilder. Rund 17.000 Mitarbeiter in mehr als 20 Ländern sind bei dem Unternehmen beschäftigt, viele im Außendienst. Neben einem großen Portfolio von Arzneimitteln gegen Hypertonie, Hyperlipidämie, bakterielle Infektionen und thrombotische Erkrankungen entwickelt Daiichi Sankyo auch neue Therapien für Herz-Kreislauf- und Stoffwechselerkrankungen, für die Schmerzbehandlung sowie für die Onkologie und hier auch biologische Wirkstoffe. Die jährlichen Ausgaben der Europa-Niederlassung für MOBILITÄT belaufen sich auf etwa 20 Mio. Euro, von denen bislang 16 Mio. Euro auf den Fuhrpark entfielen. Wichtigste Flugziele sind Japan, die USA und europäische Städte.

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