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Das wird die Zukunft

Uns ist es gelungen, zwei Travel Manager zu observieren, die sich über Strategien zur Reisevermeidung unterhalten haben. Im Folgenden geben wir das Gespräch im vollen Wortlaut und unter Nennung der richtigen Namen wieder, bitten jedoch um äußerste Vertraulichkeit.

von Oliver Graue, 13.09.2016, 09:00 Uhr
Foto: Thinkstock

Dr. Webmann: Mensch, Sorghauser, du bist ja ganz blass. Was ist los?

Sorghauser: Bei uns wird es immer schlimmer mit dem Sparen. Ich muss den Reiseetat um weitere 103 Prozent kürzen. Außerdem soll jetzt auch noch der Kohlendioxid-Ausstoß gemessen werden, damit Holland nicht wegschmilzt. Oder so ähnlich.

Dr. Webmann: Ja, wegen des Treibheimer-Effekts – den kenn ich schon lange. Und das mit dem Sparen haben wir auch. Jetzt in ganz neuer Version als Sparen 4.0.

Sorghauser: Cool. Und wie setzt Du das um?

Dr. Webmann: Reisen vermeiden natürlich. Punkt eins unserer Richtlinie lautet: „Grundsätzlich sind Geschäftsreisen verboten.“ Dazu haben wir jetzt weltweit vier Travel Prevention Teams etabliert. Außerdem sind wir damit auch das lästige Compliance- und SicherheitsThema los. Wer gar nicht erst reist, dem kann auch nichts unterwegs passieren.

Sorghauser: Lokal verbieten, global verhindern. Das gibt uns völlig neue Berufsperspektiven.

Dr. Webmann: Ja, und momentan arbeiten wir an einer Ausschreibung. Wir suchen die effektivste TVE, also die Travel-Verhinderungs-Engine. Am besten wäre es, wenn wir sie in unser HKZIF-Tool integrieren könnten. Logischerweise mit End-to-End, Door-to-Door, End-to-Door, das volle Programm.

Sorghauser: HKZIF?

Dr. Webmann: Hotel-kein-Zimmer-ist-frei. Wenn unsere Sorgenkinder, äh Reisenden, darauf klicken, werden ausschließlich die ausgebuchten Hotels angezeigt.

Sorghauser: Naja, dann fliegen die halt eintägig und ohne Übernachtung ...

Dr. Webmann: Von wegen. Flüge dürfen nur telefonisch bei unserem Reisestopp-Partner BDD gebucht werden, „Bleib-Daheim-Dienst“. So weit kommt es aber gar nicht, weil wir eine Warteschleife geschaltet haben mit Musik von Helene Fleischer. Kennste doch: „Atemlos von Gate zu Gate“.

Sorghauser (singt): „... und trotzdem viel zu späiiit. Atemlos einfach raus, die Sicherheitskontrolle zieht mich aus ...“ Da wird man doch verrückt!

Dr. Webmann: Richtig. Unsere Reisenden sind inzwischen nervlich am Ende. Aber dafür konnten wir unsere Travel-Kosten um fast 4,3 Prozent verringern, und auch mit anspruchsvollen Fachkräften oder Millennials haben wir kein Problem, weil sich sowieso keiner mehr bewirbt. Natürlich ist mein Gehalt als Global Head of Corporate Prevention and Prohibition Management, Fachverhinderungsbereich Travel, deutlich gestiegen. Und die neue TVE kostet so einiges an Ancillary Fees ...

Sorghauser: PCC, Prohibition Cost Charge! Wollte der VDR dazu nicht einen Ausschuss einrichten?

Dr. Webmann: Der Verband Deutscher Reisevermeider? Ja, die hatten auf ihrer Tagung in www.frankfurt.de darüber getwittert. Das virtuelle Präsidium um Dirk G. Domm-Croft hat sich aber noch nicht geäußert.

Sorghauser: Gibt's den eigentlich wirklich?

Dr. Webmann: Keine Ahnung, ist mir auch egal. Mich interessiert momentan ausschließlich mein nächster Urlaub. Brauche dringend etwas Entspannung!

Sorghauser: Lass mich raten – irgendwas Spottbilliges. Balkonien? Oder: Auf den Spuren der afrikanischen Gelbhalsmaus im südlichen Ostwestfalen? Mit Prevention-Siegel.

Dr. Webmann: Quatsch. Ich fliege mit ÖKA, Ökokill-Airways. In echten 50er-Jahre-Tupo-lews aus der Sowjetunion geht es über Schanghai auf die Fidschi-Inseln. Samt Meet & Greet im chinesischen Atomkraftwerk. Sündhaft teuer das Ganze, aber natürlich alles – äh – gesponsert. Freu mich total.

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