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Einspruch gegen Kartellamtsentscheid

Das Bundeskartellamt hat Booking.com die Anwendung der Bestpreis-Klauseln in Verträgen mit der Hotellerie untersagt. Booking-Präsidentin Gillian Tans hält die Entscheidung für „mangelhaft“. Das Buchungsportal will daher in Berufung gehen.

von Martin Jürs, 23.12.2015, 12:18 Uhr
Gillian Tans, Präsidentin von Booking.com, kritisiert die Entscheidung des Bundeskartellamtes. Die Behörde würde die Vorteile, die ein Portal wie Booking böte, nicht genügend berücksichtigen, so die Managerin.
Foto: Booking.com

Spätestens Ende Januar 2016 muss Booking.com seine Bestpreis-Klauseln aus den Verträgen mit den hiesigen Hotels entfernen. Das hat das Bundeskartellamt heute verkündet. Was Hotels, den Hotelverband IHA und auch andere Buchungsportale freut, stößt bei Booking.com auf wenig Verständnis. Das führende Hotelbuchungsportal in Deutschland und Europa will gegen den Spruch der Wettbewerbshüter Berufung einlegen.

„Wir sind der Ansicht, dass die Entscheidung mangelhaft ist, da sie die Vorteile, die Online-Hotelbuchungsportale wie Booking.com gegenüber Kunden und Unterkünften erbringen, nicht anerkennen“, erklärt Gillian Tans, Präsidentin von Booking.com. Online-Reisevermittler wie Booking böten Reisenden Transparenz, Auswahl und zusätzlichen Nutzen, indem sie Informationen über hunderttausende Unterkünfte aggregierten. Dadurch würden Verbraucher Zeit und Geld sparen. Zugleich seien Buchungsportale ein kosteneffizienter Vertriebskanal und eine Marketing-Plattform für Hotels in einem zunehmend globalen und digitalen Markt, streicht Tans die Vorteile von Portalen wie Booking heraus.

All dies würde das Bundeskartellamt nur unzureichend berücksichtigen. Hinzu komme, dass man bereits seit Juli diesen Jahres seine Paritätsklauseln modifiziert und so auf Bedenken europäischer Wettbewerbshüter reagiert habe, so Booking. Die Priceline-Tochter fordere seitdem keine Ratenparität mehr gegenüber anderen Hotelbuchungsportalen ein. Hotels jedoch werden angehalten auf Booking.com die gleichen Tarife und Buchungsbedingungen anzubieten, wie über ihre eigene Website oder andere direkte Online-Vertriebskanäle.

Doch während die Wettbewerbsbehörden in zahlreichen Ländern, darunter Frankreich, Italien, Großbritannien und der Schweiz, die Änderungen laut Booking.com akzeptiert hätten, sei dies hierzulande nicht der Fall. Das Bundeskartellamt ist laut Booking.com damit die einzige Wettbewerbsbehörde in ganz Europa, die dem Online-Reisemittler die Anwendung der eingeschränkten Ratenparitätsklausel in den Vereinbarungen mit Hotels und Unterkünften untersage. Für den Portalbetreiber unverständlich. Denn der Markt in Deutschland unterscheide sich nicht wesentlich von dem in anderen Ländern. Daher wolle man gegen den Kartellamtsentscheid vorgehen.

Ob mit Erfolg, ist fraglich. Auch HRS hatte versucht, das im Herbst 2013 vom Kartellamt gegen das Kölner Unternehmen verhängte Verbot der Bestpreis-Klausel gerichtlich zu kippen. Vergeblich. Das Oberlandesgericht Düsseldorf hatte die Beschwerde des Hotelbuchungsportals im Januar 2015 abgelehnt.

Unabhängig vom geplanten Widerspruch wird Booking,com seine Vereinbarungen mit Hotels und Unterkünften in Deutschland zunächst ändern. Man werde mit sofortiger Wirkung auf die Durchsetzung seiner bestehenden eingeschränkten Paritätsklausel mit deutschen Unterkünften verzichten und seine Allgemeinen Geschäftsbedingungen und übrigen Verträge mit deutschen Unterkünften entsprechend anpassen, kündigte das Unternehmen an.

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