Brasilien

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Geschäftsreisen im Aufschwung

1300 deutsche Firmen sind in Brasilien ansässig. Nach Rezession und Korruptionsaffären springt die Wirtschaft wieder an – und mit ihr der Geschäftsreiseverkehr.

31.03.2017, 10:30 Uhr

Mehr als Sonne und Sandstrand: Brasilien ist das Land der 1000 Möglichkeiten – ein Land, in dem viele Einwohner deutsche Wurzeln haben. Städte wie Santa Catarina, Luthe und Blumenau beispielsweise wurden im 18. Jahrhundert von Rheinländern, Sachsen und Preußen gegründet. Gut jeder zehnte Brasilianer hat deutsche Vorfahren.

Deutschland und Brasilien – das passt auch wirtschaftlich. Immerhin ist Brasilien das einzige Land in Lateinamerika, das mit Deutschland durch eine enge strategische Partnerschaft verbunden ist. Die bilaterale Zusammenarbeit ist vielfältig und umfasst Themen wie Umwelt, Klima, Wissenschaft, Energie und Wirtschaft. Außerdem ist Brasilien Deutschlands wichtigster Handelspartner in Lateinamerika. So wurden im vergangenen Jahr Waren im Wert von 9,9 Mrd. Euro geliefert. Im Gegenzug kamen Produkte im Wert von 8,5 Mrd. Euro nach Deutschland. Es wird kräftig exportiert: vor allem Eisenerz, Soja, Kaffee, Autozubehörteile, Zivilflugzeuge (Embraer), Maschinen, Fleisch, Kupfer und Rohöl. Die mehr als 1300 deutschen Firmen beschäftigen insgesamt 250.000 Mitarbeiter.

Schwerpunkt Sao Paulo

Allein im Großraum Sao Paulo sind 800 deutsche Unternehmen ansässig. Unter ihnen befinden sich Autogiganten wie Audi, BMW, VW und Mercedes, die hier produzieren. Sao Paulo hat die Entwicklung der brasilianischen Automobilbranche maßgeblich beeinflusst und dadurch internationale Hersteller angezogen.

In den letzten Jahren entwickelte sich das Land am Zuckerhut so zu einem der Hauptabsatzmärkte von VW. Aber auch Zulieferer wie Bosch, Continental, ZF, Schaeffler, Kostal, Benteler, Thyssen Krupp sind hier mittlerweile heimisch geworden. Ansässig sind außerdem Unternehmen aus Branchen wie dem Maschinenbau (B. Grob, Trumpf, Krones, Dürr und Vulkan), aus Chemie und Pharma (BASF, Bayer, Boehringer, Henkel, Lanxess, Merck, Linde und Evonik) sowie aus der Elektrotechnik (Siemens, Pilz, Phoenix Contact, Rittal, Balluff).

Kein Wunder also, dass der Geschäftsreiseverkehr zwischen den beiden Staaten ein großes Volumen hat. Wegen der bereits dreijährigen Rezession, der immensen Korruptionsaffäre um den Petrobras-Staatskonzern sowie Skandalen in der Regierung hat zwar auch die Business-Travel-Branche zuletzt Federn lassen müssen, dürfte nun aber wieder anziehen. „Vor zwei Jahren führten 0,5 Prozent aller von deutschen Unternehmen gebuchten internationalen Geschäftsreiseflüge nach Brasilien“, sagt Airplus-Chef Patrick W. Diemer. „2016 waren es 0,4 Prozent.“ Dass es demnächst wieder mehr sein wird, darauf deuten die stark steigenden Auslandsinvestitionen hin,

Die am häufigsten genutzte Route ist diejenige von Frankfurt nach Sao Paulo mit einem Anteil von 21,1 Prozent. Es folgen die Verbindungen von Stuttgart nach Sao Paulo mit 10,6 Prozent und von München nach Sao Paulo mit 9,8 Prozent. Von allen Flügen deutscher Geschäftsreisender nach Südamerika machen die Brasilien-Flüge 58 Prozent aus.

Von Frankfurt nach Rio de Janeiro fliegen immerhin 5,4 Prozent der deutschen Business Traveller, und von Hannover nach Sao Paulo sind dies 5,3 Prozent. Damit stellt Sao Paulo mit 55 Prozent das absolute Top-Reiseziel der deutschen Unternehmen dar, gefolgt von Rio de Janeiro mit 11 Prozent. Auf dem dritten Platz liegt Curitiba mit 2, 9 Prozent, gefolgt von Porto Alegre mit 2,4 Prozent und Salvador mit 0,7 Prozent.

Deutsch in Pomerode

Wegen der sehr langen Flugstrecke erlauben die meisten Unternehmen noch, dass ihre reisenden Mitarbeiter vorn im Flugzeug Platz nehmen dürfen. Mit 56,1 Prozent werden mehr als die Hälfte der Flüge in der Business Class zurückgelegt.

Ob es den einen oder anderen Reisenden auch nach Pomerode führt, ist nicht bekannt. Mit seinen fast 28.000 Einwohnern – nördlich des ebenfalls deutschen Blumenau gelegen – könnte das Städtchen vom Namen her auch in Mecklenburg-Vorpommern zu finden sein. Was nicht ganz falsch ist: Pommersche Siedler gründeten Pomerode 1861, und mit 92 Prozent hat der Ort heute noch den größten Anteil deutscher Einwohner in Brasilien. Seit 2010 ist Deutsch sogar die zweite offizielle Sprache der Stadt. Und auch in Blumenau erinnert vieles an Old Germany: Hübsche Fachwerkhäuser säumen das Straßenbild, und ein Oktoberfest lädt zum Feiern ein.

Text von Sabine Neumann

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