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Budget-Marken bauen aus

23.04.2008, 14:00 Uhr

Billighotels im Kommen

von Anke Pedersen

Die großen Budget-Marken bauen immer mehr Häuser. Vor allem Geschäftsreisende profitieren von den Angeboten.

Pionierarbeit: Ibis führte die Budget-Hotellerie mit mehr als 80 Hotels in Deutschland ein.
Foto: Ibis Hotel

Wer einen Hotelier nach dem Zimmerpreis fragt, ist am Ende vertraut mit den Tücken von Yield und Revenue Management, mit Saison- und Wochenendpaketen. Nur einen immer gültigen Preis hat er nicht. Es sei denn, er bucht in einem Budget-Hotel. Hier stehen Preis und Leistung fest.

Als die französische Hotelkette Accor Ende der 80er Jahre erste Häuser der Ein- und Zwei-Sterne-Marken Etap, Ibis und Formule 1 in Deutschland eröffnete, überraschte sie mit offensiv beworbenen Fixpreisen. Für die Branche stand fest: „Ihr werdet euch den Hals brechen“, erzählt Michael Mücke, Deutschland-Chef der Accor-Budget-Marken. Darin war sich die deutsche Hotellerie so sicher, „dass man uns wie unter einer Käseglocke 15 Jahre lang hat machen lassen“, wundert sich der Manager noch heute.

Billighotels sind salonfähig

Mücke und sein Team haben die Zeit genutzt: Mit knapp 70 Etap- und über 80 Ibis-Hotels ist Accor Branchenprimus. Und hat die Billighotellerie salonfähig gemacht: „Man muss sich heute nicht mehr scheuen, in einem Budget-Hotel abgeholt zu werden“, sagt Motel-One-Geschäftsführer Philippe Weyland. Nicht mehr nur Handwerker und LKW-Fahrer halten vor einem „29 Euro“-Schild. Auch Geschäftsreisende anderer Branchen schätzen die Vorteile. Mücke: „Unsere Gäste haben eine klare Vorstellung von Standort, Service und Preis.“

Doch die Zeit der Accor-Alleinherrschaft ist vorbei. Die Konkurrenz setzt an zur Großoffensive: Motel One hat die Zahl seiner Zwei-Sterne-Häuser allein 2007 von 10 auf 17 erhöht. Weitere 16 folgen. Express by Holiday Inn, bislang mit zehn Häusern vertreten, hat Potenzial für 40 weitere ausgemacht. In zwei Jahren soll Express by Holiday Inn damit „die am schnellsten wachsende Hotelmarke sein“, so das Ziel von Development Director Martin Bowen.

Nicht zurückstehen

Das wiederum könnte die französische Kette B & B Hotels rasch überbieten. Ihr Chef Mark Thompson will bis 2010 statt 14 dann 65 Häuser bieten. Allein durch die Partnerschaft mit Tank & Rast sollen 34 Unterkünfte an den deutschen Autobahnen entstehen.

„Wir drehen ein ganz dickes Rad“, kontert Accor-Mann Mücke. Er will Franchises vergeben und damit in kleinere Städte gehen. Hauptprofiteur sind preisbewusste Firmenkunden. Denn wer mit dem Budget-Veteranen mithalten will, darf hinter dessen Standards nicht zurückstehen. So ist W-LAN auch bei Motel One, Express by Holiday Inn und B & B heute so normal wie Zimmertelefon, TV und Parkplätze. Und wie schon Etap hat auch Motel One die Konzentration auf Zufahrtstraßen aufgegeben zu Gunsten „attraktiver Citylagen“.

Ausblick

Konkurrent Privathotel Die größte Konkurrenz sehen die Billigketten nicht in den direkten Mitbewerbern, sondern in den Zehntausenden Privathotels in Deutschland. So hat Accor-Mann MICHAEL MÜCKE festgestellt: Wenn bei Ibis kein Zimmer mehr zu bekommen ist, buchen die Reisenden bei einem kleinen, inhabergeführten Privathotel.

Günstig, aber schwerer Zugang Problem: Manche Privathäuser wie das Gropi-Hotel in Berlin werben zwar mit Günstigpreisen ab 55 Euro, sind aber weder übers Internet buchbar, noch akzeptieren sie Kreditkarten, und die Rezeptionszeiten sind oft begrenzt.

Neue Marke Mit einer Großoffensive auf Deutschlands Privathotels will Accor nun einen kleinen Teil der Konkurrenz für sich gewinnen, das heißt in die Zwei-Sterne-Marke All Seasons Hotels einbinden. Mindestens 300 Häuser will man in den nächsten fünf Jahren „domestizieren“. Voraussetzung für die Hotels: moderne Ausstattung mit mindestens 50 Zimmern. Rund 5400 Unterkünfte erfüllten dies.

Firmenkunden Die All-Seasons-Hotels sollen sich in Stadtzentren oder Stadtteillagen befinden und neben Touristen auch Geschäftsreisende anziehen. Im Blick hat man dabei ganz besonders die kleinen Städte.

 
 
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