Business Knigge 2016

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Was Benimmregeln heute bedeuten

Vielen Berufstätigen und Geschäftsreisenden fehlt es heute an Taktgefühl und Höflichkeit. Dabei wünschen sich immer mehr Menschen gute Umgangsformen.

von Sabine Neumann, 17.06.2016, 09:00 Uhr
Foto: Thinkstock

Das darf doch nicht wahr sein! Ist es aber: Gut 20 Prozent der Deutschen schreiben im Badezimmer E-Mails, beantworten auf dem stillen Örtchen die Geschäftspost. Fünf Prozent lesen und tippen während einer Autofahrt auf ihrem Handy – während sie selbst am Steuer sitzen. Und bei Telefonaten in Bus und Bahn mit Arbeitskollegen werden andere Fahrgäste unfreiwillig Zuhörer von Firmengesprächen. Fingerspitzengefühl? Fehlanzeige.

Was würde Adolph Freiherr Knigge dazu sagen? Sein 1788 erschienenes Werk „Über den Umgang mit Menschen“ beschrieb schon damals Taktgefühl und Höflichkeit im täglichen Miteinander. Dieses Thema ist heute, im Zeichen der Digitalisierung, wichtiger denn je: Neun von zehn Deutschen sind zumindest der Meinung, dass gutes Benehmen mehr Erfolg im Job bringt. Und acht von zehn teilen sogar die Auffassung, dass gute Umgangsformen im Leben einfach dazugehören.

Das Berliner Meinungsforschungsinstitut Gapfish befragte 500 Deutsche. Das Ergebnis fasst Autor Kai Oppel in „Die Knigge-Kur“ zusammen. „Mein Buch will Denkanstöße für das Geschäftsleben im 21. Jahrhundert geben. Es richtet sich an Berufstätige, die auch in E-Mails und Telefonkonferenzen Stil und Manieren bewahren möchten“, sagt der Autor und warnt: „Wir sind ferngesteuert von Terminen, Smartphones, Daten und vor allen von den Erwartungen der anderen. Das kann auf Dauer krank machen.“

Besser nicht immer erreichbar

Laut AOK ist inzwischen jeder zehnte Fehltag am Arbeitsplatz auf Depressionen und Erschöpfungen zurückzuführen. Finde dich wieder selbst und handle danach: So könnte man das Umdenken im Job bezeichnen. Das ist aber gar nicht so einfach: Viele Geschäftsreisende möchten überall und jederzeit erreichbar sein; 19 Prozent erwarten das auch von den anderen. Da wird ständig gemailt, gesimst, telefoniert, egal wo und wann. Jährlich werden etwa 100 Mrd. Geschäftsmails verschickt. Tendenz: weiter stark steigend.

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In unserer Rubrik Business-Knigge können Sie nach Umgangsformen in einzelnen Ländern suchen. Dazu gibt's Tipps und Tabus auf Geschäftsreisen.

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Einige Konzerne haben mittlerweile die Reißleine gezogen: Daimler-Mitarbeiter zum Beispiel können während ihres Urlaubs alle Mails automatisch löschen lassen – auch auf Management-Ebene. Der Absender erhält eine Antwort mit dem entsprechenden Hinweis und den Kontaktdaten eines Vertretungskollegen. Bei VW bleiben die Telefone von 18.15 Uhr bis 7 Uhr am nächsten Morgen stumm.

Gutes und höfliches Auftreten im Berufsalltag sollte sich übrigens schon in einer geschäftlichen E-Mail ausdrücken: Anrede und Verabschiedung halten 70 Prozent der Befragten für wichtig. „Schreiben Sie zum ersten Mal einen elektronischen Brief an einen neuen Geschäftspartner, sollten Sie mit der Anrede Sehr geehrte/r Frau/Herr beginnen“, rät Buchautor Kai Oppel. „Trägt er oder sie einen Titel, müssen sie diesen selbstverständlich in die Begrüßung mit aufnehmen.“ Ganz wichtig ist die Rechtschreibung: Mehr als 41 Prozent der Befragten mögen keine Fehler in Mails. Ansonsten gilt der Absender als wenig kompetent. Abhilfe kann hier ein Rechtschreibprogramm schaffen. Aber auch fehlende Sinnzusammenhänge wirken sich negativ aus. Da hilft nur eins: vor dem Abschicken gegenlesen.

Lächeln beim Telefonieren

Auch ein höfliches geschäftliches Telefongespräch will gelernt sein: eine ruhige Atmosphäre schaffen, lächeln, laut und deutlich sprechen, nicht rauchen, nicht trinken, nicht essen, und schon dürfte man dieses Telefonat als gelungen bezeichnen. Tipp für Business-Frauen: Vorsicht bei großen Ohrringen! Denn diese können leicht während eines Gespräches an den Telefonhörer schlagen und für Irritation am anderen Ende der Leitung sorgen.

Gutes Benehmen ist natürlich auch auf Reise wichtig. Im Taxi nimmt der Geschäftspartner den rechten hinteren Platz ein, beim Einsteigen ins Flugzeug grüßt man das Personal, und auch den Sitznachbarn wünscht man einen „Guten Tag“. Und bevor der Reisende eine Auslandstour antritt, sollte er sich über die Kniggeregeln seines Ziellandes genau informieren. „Wer in den Vereinigen Arabischen Emiraten beim Platznehmen lässig die Beine übereinander schlägt und dabei dem Gegenüber die Fußsohlen entgegenstreckt, beleidigt seinen Gesprächspartner“, sagt Oppel. Und: „Selbst harmlose Berührungen oder Gesten können zum Problem werden.“ In asiatischen und arabischen Ländern ist es unhöflich, jemandem zu lange ins Gesicht zu sehen.

Fingerspitzengefühl erfordert auch das alltägliche Miteinander. Nicht immer sollte die Arbeit im Vordergrund stehen, auch Kollegen oder Geschäftspartner verdienen Beachtung: Ein Geburtstagsgruß oder ein gemeinsames Mittagessen tragen zur guten Stimmung bei.

Leider ist das nicht selbstverständlich: Laut Knigge-Report sind 52 Prozent aller Befragten der Meinung, dass die Menschen heute weniger zuverlässig sind als früher. Woran das liegt? „Ein Feind der Verlässlichkeit ist die Beschleunigung“, antwortet Oppel. „Jeder einzelne ergreift heute Karrierechancen, wenn sich diese ihm bieten. Im Gegenzug dafür lässt er anderes fallen.“ Dabei sind den Menschen Verlässlichkeit und Zuverlässigkeit spätestens dann nicht mehr unwichtig, wenn sie selbst in Problemen stecken – und sich nach genau diesen Werten sehnen.

Die wichtigsten Tipps für korrektes Benehmen

So sind Sie pünktlich

  • Planen Sie Termine so großzügig, dass Verspätungen nicht auffallen.
  • Achten Sie auf die nötigen Pausen zwischen den Terminen.
  • Sollten Sie sich um mehr als zwei Minuten verspäten, informieren Sie ihren Gesprächspartner rechtzeitig per Handy.
  • Auf Geschäftsreise: Nutzen Sie Pausen, um einfach mal frische Luft zu tanken. Das lenkt ab und gibt wieder neue Energien.
So nutzen Sie Handys richtig
  • Das Handy bei wichtigen Gesprächen völlig ausschalten.
  • Einen seriösen Klingelton wählen, der niemanden nervt.
  • Telefonate nie nach 22 Uhr abends und nie vor 9 Uhr früh führen.
  • Bei Telefonaten ins Ausland an die Zeitdifferenz denken.
So bleiben Sie am Himmel nett
  • Den Sitznachbarn kurz und freundlich grüßen, nicht stumm Platz nahmen.
  • Die Armlehne gehört am ehesten dem Mittelsitz-Passagier. Ansonsten: vor dem Nutzen kurz Blickkontakt aufnehmen.
  • Bei der Getränkeausgabe nicht drängeln, abwarten, bis man gefragt wird.
  • Vor dem Zurückstellen der Rückenlehne kurz und fragend nach hinten schauen.

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