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Business-Ziel

06.06.2011, 09:30 Uhr

Flüge nach Afrika

von Oliver Graue

Stefanie Zweigs Afrika-Romane sind längst Bestseller, Geschäftsreisen auf den Schwarzen Kontinent hingegen noch kein Alltag. Doch ihre Zahl wächst, und die Airlines bieten zahlreiche neue Strecken.

Freundlicher Empfang: Ghanaische Kinder freuen sich über die Aufmerksamkeit des weißen Fotografen.
Foto: Dreamstime

Dieser Spitzenplatz ist nicht schmeichelhaft: Neben Asien ist Afrika der Kontinent, der am stärksten auf der „Schwarzen Liste“ vertreten ist. Mit strikten Landeverboten in den EU-Staaten sind praktisch alle Fluggesellschaften aus Ländern wie Angola, Benin, Kongo, Gabun und – neu – Mosambik belegt. Der Grund ist immer derselbe: erhebliche Sicherheitsmängel.

Kein Wunder. Wer auf die Statistiken des internationalen Flugunfallbüros Jet Airliner Crash Data Evaluation Centre schaut, könnte ein flaues Gefühl im Magen bekommen. Vor allem dann, wenn eine Geschäftsreise nach West-, Ost- oder Mittelafrika bevorsteht. Fast 3050 Menschen verloren in den vorigen 15 Jahren bei Abstürzen in Afrika ihr Leben – in Europa waren es 1552, in Nordamerika 1777.

Kleine, lokale Airlines schuld

Doch um die ganze Wahrheit zu erfahren, lohnt ein Blick hinter die Zahlen. „Es gibt sehr große Unterschiede zwischen den einzelnen Ländern und Fluglinien“, warnt Helmut Gläser, Deutschland-Chef von Brussels Airlines, vor Pauschalurteilen. Für die dramatischen Unfallzahlen sorgen kleine, lokale Fluggesellschaften, die oft nur über eine einzige, betagte Maschine verfügen. Große afrikanische Airlines wie Air Namibia, South African, Tunisair, Egyptair oder Ethiopian entsprechen den internationalen Sicherheitsstandards.

Im Westen, Osten und in der Mitte des Kontinents verfügen aber nur wenige Staaten über eine große, zuverlässige Linie. Geschäftsreisende sind auf die europäischen Gesellschaften angewiesen. Die allerdings entdecken den Schwarzen Kontinent immer mehr als lukrative Business-Destination.

Das Potenzial ist groß: Weit über 60 Prozent aller Afrika-Reisenden sind aus geschäftlichen Gründen unterwegs, ergab eine Umfrage von Air France/KLM. Natürlich bedient Lufthansa viele Länder in der Region: Elf Ziele fliegt die deutsche Nummer eins direkt ab Frankfurt an. Schwerpunkt ist Nigeria, das mit 135 Mill. Einwohnern neuntgrößte Land der Welt. Hier fliegt Lufthansa sowohl Abuja als auch Lagos und Port Harcuort an.

Als „Afrika-Spezialist“ bezeichnet sich die Lufthansa-Tochter Brussels Airlines: Alle Langstreckenflüge der belgischen Linie führen derzeit auf den Schwarzen Kontinent. „Unser Europa-Streckennetz ist ganz auf unser Afrika-Produkt ausgerichtet“, sagt Gläser: „Wer via Brüssel nach Afrika fliegt, braucht das Terminal nicht zu wechseln.“

Seit 1935 verbindet Brussels die Heimat mit den Ex-Kolonien. Die Flugzeit fiel damals länger aus als heute: 106 Stunden brauchte die Fokker F-VII von Brüssel nach Leopoldville, der heutigen Kongo-Hauptstadt Kinshasa. Heute stehen 20 Ziele in 18 afrikanischen Ländern auf dem Flugplan, neu sind Accra in Ghana, Cotonou (Benin), Lome (Togo) und Ouagadougou (Burkina Faso). Und: In den nächsten Monaten will Brussels mit einem eigenen Afrika-Ableger den Betrieb aufnehmen. Als Korongo Airlines soll die Linie vom kongolesischen Lubumbashi zu Inlands- und Afrika-Flügen starten – als „sichere Alternative“, so Brussels-Manager Geert Sciot. Positiver Nebeneffekt: Airports, die Korongo anfliegen soll, wollen ihre bislang mitunter zweifelhaften Sicherheitsstandards erhöhen.

Sonderflüge fürs Business

Wahre Afrika-Offensiven haben auch andere Airlines gestartet. Air France etwa fliegt seit neuestem nach Freetown (Sierra Leone) und Monrovia (Liberia) – und damit zu 23 Zielen in West-, Ost und Mittelafrika. Häufiger als bislang geht es nach Libreville in Gabun.

Darüber hinaus bedient Air France, die den 75. Geburtstag ihrer Paris–Dakar-Strecke feiert, zwei Dedicate-Routen: Malabo und N‘Djamena (Tschad) werden speziell für Beschäftigte der Öl- und Gasindustrie angeflogen. Die Flughäfen liegen in der Nähe der Förderstätten; die Maschinen (Airbus A-319) sind mit zwei Zusatztanks ausgestattet. Schwester KLM fliegt über Amsterdam zu elf Zielen, und dank der Partnerschaft mit Kenya Airways und TAAG Angola sind auch Ziele wie Bujumbura (Burundi), Lilongwe (Malawi), Lusaka (Sambia) und Kisumu (Kenia) erreichbar.

Auch TAP verdichtet ihr Netz. Drei neue Ziele steuert die portugiesische Gesellschaft ab Juli über Lissabon an: Bamako (Mali), Accra (Ghana) und Sao Vicente (Kapverden). Damit erweitert sie ihre bisherige Strecken in die portugiesischsprachigen Länder Angola, Guinea-Bissau, Mosambik sowie Sao Tomé. „Wir wollen diese Nische weiter ausbauen“, sagt TAP-Deutschland-Chef Frank Zehle. Die Gesellschaft erwartet für dieses Jahr 680.000 Afrika-Passagiere (plus 13 Prozent).

Ihr Angebot für West-, Ost- und Mittelafrika haben auch Emirates und Turkish Airlines verstärkt. Die afrikanische Ethiopian Airlines wiederum hat ihren Heimatflughafen Addis Abeba zum Drehkreuz für Ostafrika gemacht: Weiterflüge nach Daressalam, Nairobi, Entebbe (Uganda) und Kigali (Runada) sind seit Neuestem ohne Zwischenübernachtung in Äthiopien möglich.

Für Privatreisende gilt Afrika längst als Traumziel – vor allem dank seiner faszinierenden Natur- und Tierwelt. Aber auch bei Firmenkunden steigt der Kontinent deutlich in der Gunst. Und wer sich an die Tipps hält, für den dürfte auch ein Business Trip zu einem angenehmen Erlebnis werden.

Fragen an

Helmut Gläser, Brussels Airlines

In Afrika gilt das Luftverkehrssystem als nicht gerade sicher. Wie werden Sie damit fertig?

Indem wir in einigen afrikanischen Ländern die
Abfertigung größtenteils selbst und mit eigenem Personal durchführen und so einen hohen Servicestandard garantieren. Und als Brussels Airlines operieren wir natürlich sowieso nach den internationalen Sicherheitsstandards und den europäischen Bestimmungen.

Welche großen Herausforderungen müssen Sie in Afrika bewältigen?

Sehr viele! Die politische Stabilität ist in Afrika nicht immer gewährleistet, Passagiere haben sehr oft Übergepäck, Einreisebestimmungen müssen geklärt werden, Flugbenzin ist nicht immer verfügbar, und die Wetterbedingungen können auch manchmal herausfordernd sein. Für Flüge von und nach Afrika müssen diese Punkte stets sorgfältig abgewogen und entschieden werden. Wir haben hier jedoch eine langjährige und weitreichende Erfahrung.

Afrika steht bei vielen Fluggesellschaften momentan im Fokus. Werden Sie auch weiter expandieren?

Vor weniger als einem Jahr haben wir mit Accra, Cotonou, Lome und Ouagadougou vier neue Ziele in Westafrika eröffnet, 2011 folgten Agadir und Marrakesch. Weitere Ziele werden folgen. Hinzu kommt das Projekt einer lokalen Airline, die ab Lubumbashi in der Demokratischen Republik Kongo zu Inlands- und Regionalflügen starten soll.

Welche persönlichen Tipps haben Sie für Afrika-Geschäftsreisende?

In einigen afrikanischen Destinationen bieten wir unseren Kunden einen sogenannten City Check-in an. So können sie bequem ohne Gepäck zum Flughafen fahren. Diese Möglichkeit existiert zum Beispiel in Kigali (Ruanda) und in Kinshasa (Kongo).

Wichtige Reisetipps für West-, Ost- und Mittelafrika

Hohe Gefahr: Afrika gilt als der gefährlichste Kontinent für Geschäftsreisende. Die internationalen Sicherheitsdienstleister stufen vor allem Mittelafrika (Nigeria, Tschad, Zentralafrika, Kongo, Burundi, Ruanda) in die höchste Gefahrenstufe ein. Die meisten Staaten im Osten und Westen gehören zur zweitgefährlichsten Kategorie.

Einreise: Für die weitaus meisten afrikanischen Staaten müssen Einreise-Visa beantragt werden. Entsprechende Informationen halten die Visa-Agenturen bereit. www.visum.de www.visum-centrale.de www.visadienst.de

Warnungen: Vor einer Geschäftsreise nach West-, Ost- oder Mittelafrika sollte man sich in jedem Fall auf den Seiten des Auswärtigen Amtes und der Sicherheitsdienste über die aktuelle Lage informieren. Diese wechselt permanent. Galt beispielsweise Burkina Faso vor wenigen Monaten noch als vergleichsweise sicher, rät das Auswärtige Amt mittlerweile von Reisen ab. Grund sind Unruhen, Schießereien, Plünderungen und Übergriffe auf Ausländer. www.auswaertiges-amt.de

Ghana mit seiner Hauptstadt Accra gilt laut Auswärtigem Amt als für afrikanische Verhältnisse vergleichsweise sicher. Dort sowie in Angola und Nigeria sind die Deutschen Außenhandelskammern (AHK) mit Standortbüros vertreten. Grund: In diesen drei Ländern sind besonders viele deutsche Unternehmen aktiv. Die AHK setzen sich für die Interessen der Firmen gegenüber Politik und Verwaltung des Gastlandes ein. www.ahk.de

Hotels: Aus Sicherheitsgründen wird in der Regel die Unterbringung in Hotels der gehobenen Kategorie empfohlen. Mitunter sind die Übernachtungspreise sehr hoch.

Impfungen: Für die weitaus meisten afrikanischen Staaten sind Impfungen mindestens empfohlen, oft jedoch vorgeschrieben. Zu den Pflichtvorsorgen gehören meist Gelbfieber sowie mitunter Hepatitis A und B. Auch wird teilweise zur Einnahme von Anti-Malaria-Medikamenten (Chemoprophylaxe) dringend geraten. Eine Länderliste findet sich beim Centrum für Reisemedizin. www.crm.de

Sprache: Die Sprachenvielfalt in Afrika ist riesig: Von den insgesamt über 2000 eigenständigen Sprachen werden etwa 50 von mehr als einer Million Menschen gesprochen. Für Geschäftsreisende gut: Die ehemaligen europäischen Kolonialsprachen wie Französisch, Spanisch oder Portugiesisch werden vielerorts noch gesprochen. Deutsche Kolonien waren Südwestafrika (Namibia), Kamerun, Togoland (Togo) und Deutsch-Ostafrika (Tansania).

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