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Business-Ziel Südamerika

25.05.2010, 09:45 Uhr

Echt typisch brasilianisch

von Oliver Graue

Der Geschäftsreiseverkehr nach Südamerika zieht wieder an. Die Fluggesellschaften nehmen neue Strecken in ihre Pläne auf und bieten frische Services.

Foto: Hemera

Die Fachwerkhäuser, allen voran die riesige Casa Moellmann, sind malerisch. Deutsch sprechende Ladenbesitzer beraten freundlich und dezent, und im Café wird Schwarzwälder Kirsch gedeckt. Natürlich sind die Straßen und Wege sauber, alles ist ordentlich, vor den Geschäften brauchen keine grimmig blickenden Wachmänner zu stehen. Und schmuddelige Spielkasinos gibt es hier nicht. Blumenau, wie die 300.000-Einwohner-Stadt heißt, ist das, was man sich unter „typisch deutsch“ vorstellt. Nur liegt Blumenau nicht in Deutschland. Sondern auf der anderen Seite des Ozeans: im südlichen brasilianischen Bundesstaat Santa Catarina. Im Jahre 1850 gründete der niedersächsische Apotheker Hermann Blumenau die Stadt, und noch heute leben dort die Nachfahren der deutschen Einwanderer.

Der Süden brummt

Und wieder typisch deutsch: Blumenau hat den höchsten Lebensstandard in ganz Brasilien. Der Wirtschaft, vor allem der Textilindustrie, geht es gut, und Blumenau ist wie der gesamte Süden und Südosten das mit Abstand bevorzugte Gebiet deutscher Unternehmen. „Fast alle der 1200 in Brasilien tätigen hiesigen Firmen haben sich in dieser Region niedergelassen“, heißt es bei der Deutsch-Brasilianischen Handelskammer IHK.

Wichtiges in Kürze

Je nach Tätigkeit benötigen Geschäftsreisende ein Visum für Brasilien, Techniker und Mechaniker immer. Rechtzeitig vor Abreise beim Konsulat oder bei der Botschaft fragen.

Trotz der Hitze sind Anzug und Krawatte bzw. Kleid bei Geschäftsterminen angebracht. Abends elegant anziehen. Bei Gesprächen viel Zeit mitbringen, Brasilianer überstürzen nichts.

Die Netzspannung variiert in Rio und São Paulo zwischen 110 und 220 Volt (zweipolige Stecker) – immer erst prüfen!

Infos zu Impfschutz und Sicherheit: www.auswaertiges-amt.de

Neue Services der Airlines

Anders als Europa, die USA und Asien wurde Südamerika weniger stark von der Krise erfasst. Und der Kontinent gehört zu den ersten, die sich erholen: Die Zahl der Geschäftsreisenden nach Brasilien oder in ein anderes südamerikanisches Land steigt wieder. Die Fluggesellschaften, allen voran die beiden größten TAM und LAN, erweitern ihr Streckennetz und bieten Dienstreisenden viele neue Services.

LAN etwa hat ihre Full-Flat-Beds in der Business Class eingeführt, Sitze also, die das Schlafen in einer vollständig horizontalen Position möglich machen. TAM, die größte Fluggesellschaft Südamerikas, verkehrt seit Kurzem erst mit einer edlen First Class auf der täglich von ihr bedienten Strecke Frankfurt – São Paulo. Zu den neueren der mehr als 50 Ziele auf dem Kontinent zählt die bolivianische Hauptstadt La Paz. Und mit ihrem Beitritt zum Luftfahrtbündnis Star Alliance zum 13. Mai wird sie zusätzliche Städte in ihr Angebot aufnehmen. Bündnispartner sind auch Lufthansa
und Swiss, die über Zürich fliegt.

Flüge nach Südamerika

Nonstop ab Deutschland fliegen TAM (nach São Paulo) und LAN (nach Santiago de Chile) jeweils ab Frankfurt. LH nach Caracas, São Paulo und Buenos Aires.

Mit Umsteigen in Europa geht es mit LAN nach Lima (Peru, über Madrid), mit Iberia zu zehn Zielen in Südamerika über Madrid, darunter zweimal wöchentlich Rio de Janeiro. TAP bedient über Lissabon sechs Ziele in Brasilien sowie Caracas (Venezuela). Avanca fliegt ab Madrid täglich nach Bogota (Kolumbien). Air France steuert über Paris an: Rio, São Paulo, Buenos Aires, Santiago, Bogota, Caracas. KLM fliegt nach Lima, Quito und Guayaquil. British Airways über London nach Buenos Aires, Rio und Sao Paulo.

Anschlüsse innerhalb Südamerika gibt es ab São Paulo reichlich. TAM zum Beispiel fliegt über 50 Ziele an, 42 davon in Brasilien und elf in anderen Ländern.

Airpässe: Wer mehrere Flüge innerhalb Brasiliens oder Südamerikas benötigt, sollte den Brazil Airpass (TAM) oder den South America Airpass (LAN und TAM) prüfen. Dies könnte kostengünstiger sein.

Nonstop nach Brasilien steuern nur TAM, LAN und LH. Wer Zeit zum Umsteigen hat, erreicht das 192-Mill.-Einwohner-Land auch über Paris (Air France), Lissabon (TAP), Madrid (Iberia) und London (British Airways). Das wichtigste Ziel der Fluggesellschaften ist nicht mehr Rio: Das weiter südlich gelegene Sao Paulo hat der wahrscheinlich bekanntesten Stadt Brasiliens flugtechnisch den Rang abgelaufen.

Der internationale Flughafen Guarulhos liegt 40 Kilometer von der Innenstadt entfernt, alle 30 bis 60 Minuten pendelt ein Flughafenbus. Wer das Taxi nehmen will, kauft sich im Ankunftsbereich kurz vor dem Ausgang einen Gutschein. Die Preise sind fix und hängen davon ab, in welches Stadtviertel man möchte. Für Geschäftsreisende empfiehlt sich in São Paulo grundsätzlich das Taxi – es gilt als bequem, sicher und preisgünstig. Da kaum ein Fahrer Englisch spricht, sollte man die Adresse seines Zielortes oder Hotels immer dabeihaben. Bedenkenlos (zumindest tagsüber) lässt sich auch die U-Bahn benutzen: Oft kommt man mit ihr in der 19-Mill.-Einwohner-Stadt am schnellsten voran.

Historische Prachtbauten

Angst braucht man als Dientsreisender in São Paulo nicht zu haben. Natürlich sollte man keine Wertsachen sichtbar bei sich tragen, wichtige Dokumente besser im Hotelsafe lassen (Kopien mitnehmen) und den Geldbeutel nicht zu sehr füllen. Dann aber lässt sich in der Mega-City eine faszinierende Vielfalt an Ethnien, Kulturen und Kulinarischem entdecken. Zu den spannendsten Vierteln zählen Moema, Itaim Bibi und Bela Vista. Im Herzen der Altstadt locken historische Prachtbauten wie das aus dem Jahre 1911 stammende Stadttheater Teatro Municipal. Und wer ein wenig mehr Zeit hat zwischen seinen Geschäftsterminen, sollte sich einen Trip an den Strand gönnen (etwa 2 Stunden).

Heimweh ist unnötig

Wer geschäftlich noch weiter in den brasilianischen Südenmuss oder aber wen bei einem beruflichen Langzeitaufenthalt das Heimweh plagt, der fliegt einfach von São Paulo weiter nach Florianopolis oder Navegantes. Von dort wiederum ist es ein Katzensprung nach Deutschland – nämlich 140 oder 60 Kilometer mit dem Bus nach Blumenau.

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