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Destinationen

03.11.2010, 09:00 Uhr

Tagungen und Events in Irland

von Oliver Graue

Gute Laune, Gastfreundschaft und Feierlust: Die Iren machen es einem einfach, sich auf ihrer Insel wohlzufühlen. Raue Natur und alte keltische Kultur locken – ein Tipp für Veranstaltungsplaner.

Raue Natur und mächtige Bauten prägen Irlands Westen.
Foto: Tourism Ireland

Kenn’ ich die? Hab’ ich die irgendwo schon mal gesehen? Nein, die beiden Männer, die mir freundschaftlich auf den Rücken klopfen und mich zu einem Guinness ermuntern, sind mir völlig unbekannt. Egal. Hier in Galway, im Westen Irlands, bleibt man nicht allein, wenn man an einem Samstagabend durch die Altstadt spaziert mit ihren vielen Pubs. Trinken, feiern, gesellig sein: Das ist Philosophie in Irland. Also befolge ich den Rat. „Los, Kumpel, trink ein Guinness“, hatte einer der beiden gesagt, „was Besseres gibt es nicht.“

Ein Imperium besiegt

Dicht an dicht stehen die Menschen im sogenannten Latin Quarter von Galway, und obwohl manche schon deutlich mehr als ein Bier getrunken haben, gibt es von Aggressivität keine Spur. Gute Laune herrscht vor. In den Pubs packen Besucher ihre Gitarre aus und stimmen irische Lieder an: bevorzugt solche, die vom Stolz der Iren auf ihr Land handeln. Sucht man nach einem Wesenszug der gut 4,7 Mill. Bewohner der Grünen Insel, dann ist dies das ausgeprägte Selbstbewusstsein – neben dem Hang zum Feiern. „Irland, das Land, das ein Imperium besiegt hat“, steht auf einem T- Shirt mit Blick auf den blutigen Krieg 1919 bis 1921 gegen die britischen Besatzer. Der endete mit der Freiheit Irlands, einer Nation, die jahrhundertelang unter der Willkür der Engländer gelitten hatte. Selbst der großen Hungersnot ab 1845 sahen diese fast tatenlos zu. Folge waren 1,5 Mill. Tote und viele Auswanderer, die meisten in Richtung USA. „Irlands größter Exportartikel waren die Iren selbst“, sagt Josephine O‘Keeffe vom Tourismusverband Failte Irland. Über 40 Prozent der US-Amerikaner sollen irische Wurzeln haben – darunter fünf Präsidenten.

Der keltische Tiger kämpft

Spielen wie die Kelten

Die Kelten haben es vor 3000 Jahren nach Irland gebracht, heute ist Irish Hurling die beliebteste Sportart der Insel – weitaus populärer als Fußball. Zwei Mannschaften zu je 15 Personen spielen mit Ball und Stöcken (Hurl) gegeneinander, sehr schnell und kampfbetont. Große Klubs wie Na Fianna bieten zwei- bis dreistündige Einführungskurse für Gruppen – unbedingt fürs Rahmenprogramm einplanen! www.experiencegaelicgames.com

Ein Mekka für Rugby-Fans ist das neue Thomond Park Stadium bei Limerick, Heimat des Munster-Teams, zu dem die Fans eine extrem innige Beziehung pflegen. Spannendes, interaktives Museum! www.thomondpark.ie

Irland steckt noch in der Krise, die Wirtschaft darbt, die Arbeitslosigkeit beträgt 14 Prozent. Doch es wäre nicht irisch, sich darüber nur zu beklagen und zu jammern. So wie in den 80er-Jahren das einstige Armenhaus Europas quasi über Nacht zum prosperierenden „Keltischen Tiger“ geworden war, so kämpferisch und zupackend geben sich die Menschen auch jetzt wieder. „2014 wollen wir Europas Nummer eins bei Tagungen und Events sein“, sagt Tourismusministerin Mary Hanafin bei der Eröffnung des Convention Centre Dublin (CCD). Eine futuristische Architektur, ein toller Blick durch die Glasfassade über den Fluss Liffey und im Innern viel Platz und moderne Tagungstechnik – das Land erhofft
sich einiges vom CCD.

Irland macht der Meeting-Branche Appetit – auf sich selbst. Allen Grund dazu hat das Land. Mit dem CCD bietet es zwar nun eine zentrale, moderne Location für Events, doch hochwertige Tagungsorte gibt es längst. Sie liegen als Hotels mitten in der Stadt oder idyllisch am Meer oder als verwunschene Burg im grünen Nichts – so wie Dromoland Castle aus dem 16. Jahrhundert. Oder sie sind in historischen Uni-Gebäuden auf einem parkähnlichen Campus zu finden – so wie in Galway oder Limerick. Oder sie befinden sich in einer der größten Brauereien – so wie im Guinness-Storehouse in Dublin. Oder sie gehören zu einer riesigen Arena – so wie in Thomond Park, dem Rugby-Mekka.

Raue Natur, mächtige Burgen

Irland begeistert durch sein Drumherum: die quirligen Städte wie Galway mit ihrer Pub-Kultur, die raue Natur mit ihren spektakulären Klippen und den vielen Schattierungen der Farbe Grün, in denen Wiesen, Wälder und Büsche erstrahlen. Farbtupfer bilden blühende Fuchsienhecken und Rhododendronsträucher, und inmitten dieser Landschaft tauchen plötzlich mächtige Burgen, Schlösser und Türme auf. Sie stehen für die spannende Geschichte und Kultur des Landes: Vor 2500 Jahren kamen die Kelten und mit ihnen die irische (gälische) Sprache. Obwohl nur noch wenige Zehntausend im Alltag Gälisch benutzen, ist in Irland alles zweisprachig, vom Orts- und Straßennamen bis zum Supermarktartikel. Und natürlich steht das Irische an erster Stelle.

Ganz einfach nach Irland

AnreIsen: Von Deutschland führen fast 20 Direktflüge nach Dublin. Aer Lingus startet ab Berlin, Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg und München, LH ab Frankfurt.

VorbereIten: Umfassende Auskunft gibt Tourism Irland in Frankfurt. Ansprechpartnerin Aoife Kernan hilft auch bei der Planung von Veranstaltungen. E-Mail an: akernan@tourismireland.com, www.meetinireland.de

Fast jeder Ire spricht immer und überall Englisch – die Zweisprachigkeit ist Symbol des Trotzes, Ausdruck der Eigenständigkeit. So wie die Sportarten der bewegungsfreudigen Iren. Wenn zum Beispiel Irish Hurling ansteht – eine Art Fußball mit überdimensionierten Hockey-Stäben – kommen 90.000 Menschen ins Dubliner Croke-Stadion. Klubs wie Na Fianna führen Gäste in diese kraftbetonte Sportart ein – ein großer Spaß und ein beliebtes Incentive-Angebot.

Wenn wir schon dabei sind: Ein geführter Spaziergang durchs pulsierende Dublin mit seiner hübschen georgianischen Architektur ist ebenso empfehlenswert wie ein Besuch des Guinness-Storehouse, ein siebenstöckiges, höchst originell gestaltetes Brauereimuseum, an dessen Ende ein faszinierender Blick über Dublin steht, selbstverständlich mit einem Pint Bier in der Hand.

Irland ist jung. Im Schnitt sind seine Einwohner unter 30 Jahre alt, eine Einzigartigkeit in Westeuropa. Und die Folge eines Papst-Besuches: 1979 predigte Johannes Paul II. vor einer Million Iren gegen Abtreibung, Pille und Ehescheidung. „Neun Monate später begann ein gigantischer Babyboom“, erzählt Jane Stokes von Failte Irland: Aus 3,1 wurden 4,7 Mill. Menschen. „Das war gut und wichtig für uns“, sagt Jane, „denn vorher war unser Land viel zu klein.“ In Galway sind heute 20.000 der 90.000 Einwohner Studenten.

Und junge Menschen feiern gern. „So viele Firmen und Banken haben die Krise nicht überlebt“, sagt Dublin-Stadtführer Pat Liddy. „Nur an den Pubs zogen die Stürme vorbei.“ So ganz unbeeindruckt blieb der Guinness-Ausschank von der Rezession allerdings nicht, er ging örtlich um bis zu zehn Prozent zurück. Aber vielleicht trinken die Menschen dafür den einen oder anderen Irish Coffee mehr – das Nationalgetränk Nummer zwei neben dem Dunkelbier. Ein Wirt am westirischen Flughafen Shannon, wo die Jets in die USA einst zum Auftanken landeten, hat es 1942 erfunden. Er schenkte die Mischung aus Whiskey, Kaffee und Sahne an durchgefrorene Passagieren aus. Was damals half, ist auch heute noch gut: für Tagungsgäste und alle anderen Besucher Irlands.

Gut schlafen und effektiv tagen in Irland

UnIversItäten: Preisgünstige, aber technisch hochmoderne Tagungsmöglichkeiten bieten die Unis Galway und Limerick, Catering inklusive. In Limerick stehen zudem bis zu 2400 Zimmer zur Verfügung. Shannon-Airport ist nur 25 km entfernt. www.ul.ie, www.nuigalway.ie

RadIsson Blu: Idyllisch an einer Meeresbucht gelegen und nur fünf Minuten vom Zentrum entfernt, bietet das Radisson-Hotel Galway Platz für 10 bis 750 Tagungsteilnehmer. 282 Hotelzimmer. www.radissonhotel, galway.com

Glenlo Abbey Hotel: In einem Landsitz aus dem Jahre 1740 befindet sich dieses Hotel in Galway. Neun Tagungsräume. Das Pullman-Restaurant ist in einem Original-Waggon des Orient- Expresses untergebracht. www.glenlo.bestloved.com

Dromoland Castle: Luxushotel in einem prachtvollen Schloss bei Limerick. Die Landschaft ist sehr reizvoll – einen Abstecher wert sind zudem das mächtige Bunratty Castle mit spannendem, mittelalterlichem Freilichtmuseum. www.dromoland.ie, www.shannonheritage.com

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