Deutsche Bahn

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Interview mit Karina Kaestner

Karina Kaestner steht seit eineinhalb Jahren an der Spitze des Firmenkundengeschäfts der Deutschen Bahn. Die 49-Jährige hatte zuvor das Marketing im Online-Vertrieb geleitet.

von Oliver Graue, 22.12.2014, 09:00 Uhr
Zu den ersten Aufgaben von Karina Kaestner bei der Deutschen Bahn gehörte ein Umbau der Bahn Corporate.
Foto: Tristone

Frau Kaestner, wie lautet Ihre Bilanz nach eineinhalb Jahren als Leiterin des DB-Firmenkundengeschäfts? Was erleben Sie als die wichtigsten Unterschiede zu Ihrer vorherigen Tätigkeit als Leiterin des Online-Marketing und Partnermanagement?

Meine persönliche Bilanz ist ausgesprochen positiv. Als Vertrieb Geschäftskunden sind wir für eine Kundengruppe verantwortlich, für die es bei unserem Produkt Bahn noch erhebliche Wachstumspotenziale gibt. Dazu müssen wir jedoch die Bedürfnisse der Kunden noch besser verstehen und uns darauf ausrichten. An dieser Aufgabe mit meinem Team im engen Austausch mit unseren Kunden zu arbeiten, macht mir wirklich großen Spaß. Im Online-Vertrieb habe ich eine langjährige, sehr spannende Entwicklung vom „Start-up-ähnlichen“ Bereich hin zum größten Vertriebskanal begleitet. Die Herausforderung lag vor allem darin, die passenden Mitarbeiter an Bord zu holen und bei der Vielzahl der ständig neuen Themen an den richtigen und wichtigen zu arbeiten.

Der kostenlose W-LAN-Zugang ist wichtiger Wunsch der Firmenkunden. Hotels und Flughäfen stellen um, wann folgt die Bahn?

Wir wissen, wie wichtig gerade für Geschäftsreisende eine stabile W-LAN-Verbindung unterwegs ist. Deshalb werden unsere Kunden in der ersten Klasse ab 14. Dezember 2014 unser W-LAN gratis nutzen können. Neben der kostenlosen Sitzplatzreservierung in der ersten Klasse ist dies eine Verbesserung, die bei unseren Kunden sehr gut ankommt. Bereits seit September 2013 können Reisende an über 120 Bahnhöfen täglich 30 Minuten kostenfrei im Internet surfen, in allen 15 DB Lounges ist W-LAN ebenfalls gratis.

Steht schon fest, bis wann alle ICEs mit Telekom-Hotspots ausgerüstet sein werden?

Aktuell sind mehr als 210 ICE-Züge für den Internet-Empfang ausgestattet. Bis Ende 2015 sollen geplant 255 ICE-Züge zu rollenden Hotspots umgerüstet sein. Weiterhin ist die technische Ausrüstung des rund 5200 Kilometer langen ICE-Kernnetzes für den Internet-Empfang abgeschlossen, auf dem gut 98 Prozent der ICE-Verkehrsleistung erbracht werden. Deutsche Bahn und Deutsche Telekom, die bei diesem Projekt zusammenarbeiten, wollen zudem bis Juni 2015 die Strecke Nürnberg–Passau ausrüsten.

In diesem Jahr haben Sie das „bahn.corporate-Programm“ umgebaut. Stehen auch für 2015 Änderungen an?

Wir haben 2014 einige grundlegende Anpassungen an unserem Programm vorgenommen. Wir arbeiten nun daran, die Kundenwünsche hinsichtlich Vertriebs- und Backoffice-Prozessen umzusetzen. Wir werden zum Dezember 2014 und im April 2015 unsere Online-Portale für Firmenkunden optimieren. Außerdem beabsichtigen wir, im ersten Halbjahr 2015 Lösungen rund um das Thema Reporting anzubieten.

Vor einem Jahr kündigten Sie einen Ausbau der individuellen Firmenvereinbarungen mit Großkunden an. Welche Fortschritte haben Sie dabei seither gemacht?

Unser Ziel war es, mit den individuellen Firmenvereinbarungen gezielt auf die Bedürfnisse der einzelnen Großkunden einzugehen. Das ist uns – so bekommen wir es auch von den Kunden zurückgespielt – gut gelungen, auch wenn wir natürlich nicht alle Wünsche erfüllen konnten. Diesen Weg werden wir auch in nächster Zeit weiter fortführen, um unsere Firmenkunden und deren Geschäftsreisende vom Verkehrsmittel Bahn zu überzeugen.

Firmenkunden fordern verstärkt End-to-End-Lösungen im Travel Management. Welchen Beitrag liefert dazu Qixxit, das neue Mobilitätsportal der DB?

Qixxit ist ein sehr innovatives Angebot, das alle Verkehrsmittel miteinander verknüpft und den Kunden dann die möglichen Reiseketten für deren jeweiligen Reisewunsch aufzeigt. Wir würden es begrüßen, wenn es solche Angebote auch im spezifischen Geschäftsreisesegment geben würde, da wir in solchen vernetzten Lösungen die Zukunft sehen. Hier ist aus unserer Sicht jedoch nicht vorrangig die Deutsche Bahn gefordert, weil es ja für die komplexen vor- und nachgelagerten Prozesse BTM-Spezialisten gibt. Wir unterstützen hier gern mit unserem Know-how.

Für Unmut bei vielen Travel Managern hat die kürzlich erfolgte Einführung der neuen Kreditkartengebühr gesorgt. Ist das nicht eine unzulässige Mehrbelastung der bahnreisenden Unternehmen?

Wir sehen das nicht so. In den vergangenen Jahren sind die Bearbeitungsgebühren, die die Kreditkartenanbieter der Deutschen Bahn in Rechnung stellen, stark auf einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag gestiegen. Wir haben die Entscheidung, den anderen Marktteilnehmern zu folgen, mehrfach verschoben, weil wir auf eine zeitnahe Regulierung durch die Europäische Union gehofft haben. Da sich dies in der Umsetzung wohl noch hinziehen wird, haben wir beschlossen, unsere Kunden an diesen Kosten zu beteiligen. Unser Zahlungsmittelentgelt ist im Marktvergleich allerdings ausgesprochen moderat.

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