Door-to-Door-Systeme

(0)

Geschäftsreisen ganz einfach

Statt einzelner Tickets soll es künftig möglich sein, ganze Reiseketten in einem Schritt zu buchen. Und zuvor die besten Verkehrsmittel nach Kriterien wie Zeit und Kosten herauszusuchen. Die erste Planungssoftware gibt es schon.

Seite 1 von 2
von Oliver Graue, Martin Jürs, 14.08.2015, 14:13 Uhr
Foto: Juice Images / Alamy

Fährst du mit dem Auto, oder nimmst du den Zug? Eine Frage, die sich laut Manuel Rehkopf bald niemand mehr stellen wird. „Die klassischen Nur-Auto- oder Nur-Bahn-Fahrer sterben aus“, sagt der Marketing-Manager der Deutschen Bahn, „dominieren wird künftig das Sowohl-als-auch.“ Soll heißen: „In Zukunft buchen die Reisenden keine Tickets mehr von Bahnhof zu Bahnhof. Sie wollen eine Komplettverbindung von Tür zu Tür.“

Travel Manager träumen schon länger davon, das Zauberwort heißt Intermodalität. Die Geschäftsreisenden geben adressgenau ihren Abfahrts- und Zielort in ein Portal ein, und alles andere macht die Maschine: Sie sucht die je nach Wunsch kürzeste, billigste, CO2-ärmste oder für Unterwegs-Arbeit am besten geeignete Verbindung heraus. Und zwar, indem sie alle nur denkbaren Verkehrsmittelangebote kombiniert, Flugzeug, Bahn und Mietauto ebenso wie Firmenwagen, Taxi, Nahverkehr, Fernbus, Carsharing, Mitfahrgelegenheit und Fahrrad. Vorteil: Der Reisende hat einen kompletten Plan in der Hand, und für den Travel Manager besteht von Anfang an Kostensicherheit – er kennt die „Total Costs of Trip“, wie es auf Neudeutsch heißt. Und da der Reisende von unterwegs via App auf das System zugreifen kann, weiß er sofort, welche Alternativen ihm sich bieten, wenn es in der Reisekette mal einen Bruch gibt – durch Verspätungen, Stau oder Ausfälle.

Investoren geben Millionen

Ein Traum, der noch nicht zu erfüllen ist, der aber näher rückt, getrieben durch den technischen Fortschritt. Aber auch durch die Investitionsbereitschaft der Kapitalgesellschaften: Da sie sich Profite von Tür-zu-Tür-Systemen erhoffen, statten sie die Anbieter mit viel Geld aus. Bei einer Finanzierungsrunde Anfang des Jahres hat etwa die auf den öffentlichen Nahverkehr spezialisierte Mobilitätsplattform Moovit bei Investoren 45 Mio. Euro eingesammelt. Zu den Geldgebern zählen BMW und Nokia.

Was heißt eigentlich ...

Door-to-Door: Die komplette Geschäftsreise von Tür zu Tür lässt sich im Vorfeld mit einer Software planen und buchen. Bei Verspätungen oder Ausfällen nennt die Software unterwegs via App sofortige Alternativen.

End-to-End: Wird oft mit Door-to-Door verwechselt. End-to-End ist jedoch der bruchlose firmeninterne Prozess von der Genehmigung und Buchung einer Reise bis zur Abrechnung.

Intermodalität: Verkehrsmittel wie Bahn, Flugzeug, Mietwagen oder Fernbus sind optimal aufeinander abgestimmt. Im Idealfall reicht ein einziges Ticket.

Total cost of trip: Gesamtkosten einer Reise, die über den Flugticketpreis hinausgehen. Im Idealfall samt Arbeitszeitkosten.

Der 2012 gegründete Internet-Anbieter zählt zu einer ganzen Reihe von Mobilitätsplattformen, die seit einiger Zeit auf den Markt drängen und den klassischen Suchmaschinen Konkurrenz machen. Neben Moovit sind das Anbieter wie From A to B, Go Euro, das zur Daimler-Gruppe gehörende Start-up Moovel und die Bahn-Tochter Qixxit.

Im Unterschied zu Moovit geht es den übrigen Portalen nicht allein um den Nahverkehr. Sie verfolgen mit der Zusammenfassung der verschiedensten Verkehrsmittel den erwähnten Tür-zu-Tür-Ansatz. Dabei zielen sie derzeit noch auf die Privatreisenden. Ihr Angebot ist aber auch für Geschäftsreisende interessant. „Wir wissen von kleineren und mittleren Unternehmen, die keine eigene Travel-Management-Lösung haben und stattdessen unsere Seite zur Recherche und Buchung nutzen“, sagt Veit Blumschein, Gründer und Chef von From A to B.

Buchbarkeit fehlt meist

Problem: Unternehmen, die echtes Travel Management betreiben, ist mit solchen Lösungen kaum geholfen. Denn weil es sich um reine Planungssysteme handelt, sind wichtige Faktoren wie Reiserichtlinien, ausgehandelte Firmenraten und bevorzugte Partner nicht in die Abfragen integriert, die Ergebnisse sind ungenau.

Der Schweizer Jochen Mundinger hingegen positioniert seine Plattform Route Rank gezielt als Firmenanwendung. Den Verkehrsmittelvergleich bietet er sowohl als standardisierte wie als maßgeschneiderte Version an. Vorteil: Sein Portal lässt sich in gängige Online-Buchungssoftware einbauen. „Dadurch werden Reiserichtlinien sowie Firmenraten berücksichtigt“, sagt Mundinger. Aktuell hat Route Rank – 2006 gegründet – gut 50 Firmenkunden, Concur bietet eine Verlinkung über sein TripLink-System an. Und: Das System rechnet auch für Pendler und Firmenbesucher die besten Routen aus.

Kunden sind unter anderem die Geschäftsreisebüroketten BCD und HRG. „Es lohnt sich, Tür-zu-Tür-Ansätze zu verfolgen“, sagt auch René Zymni, Vertriebschef bei BCD für Mitteleuropa. „Nicht jeder Reisende wohnt in direkter Nähe eines Flughafens. Oft kommen mehrere Airports infrage oder auch alternative Reiseoptionen wie Bahn oder Mietwagen.“

Wettbewerber CWT kooperiert hingegen mit Abrechnungsspezialist KDS: Dessen System „Neo“, das sich wie Route Rank in den klassischen Buchungsablauf integrieren lässt, liefert ebenfalls Reisepläne von Tür zu Tür samt Prognose der Reisekosten. Noch allerdings sind die Pläne höchst bruchstückhaft, da sich beispielsweise etliche ÖPNV-Anbieter gar nicht übers Internet buchen lassen. „Die Geschäftsreisenden erwarten, dass sich die Prozesse im dienstlichen Umfeld nicht von den privaten unterscheiden“, nennt KDS-Manager Torsten Gros als weiteren Grund für die Nachfrage nach solchen Systemen. Das Reservierungssystem Amadeus arbeitet ebenfalls an einer Lösung. Es beteiligt sich am EU-Projekt „All Ways Travelling“ und will eine Europa-Norm für den Zugriff auf die Tarife aller Verkehrsträger entwickeln.

 
 
1 spacer 2

Weitere Business Travel-Themen

Vordruck für das Geschäftsessen
(0)

Bewirtungsbeleg korrekt absetzen

Kunden zum Geschäftsessen eingeladen? Oder eigene Arbeitskollegen bewirtet? In beiden Fällen gelten Regeln, um die Bewirtungskosten richtig geltend machen zu können. Unsere FAQ und der kostenlose Vordruck helfen Ihnen weiter. mehr

 
© 2016 FVW Medien GmbH, Alle Rechte vorbehalten
Impressum AGB Datenschutz Kontakt Media