Dossier Automobil-Branche (Teil 1)

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Boom trotz VW-Skandals

Trotz des VW-Abgasskandals: Die PKW-Konjunktur läuft weiterhin rund und sorgt dafür, dass Deutschland Exportweltmeister ist.

von Oliver Graue, 07.12.2015, 14:35 Uhr
Made in Ungarn: Audi TT Roadster
Foto: AUDI AG

Ob Auto oder Autobahn, kein anderes Produkt wird im Ausland so sehr mit Deutschland verbunden wie der fahrbare Untersatz und alles um ihn herum. Und auch wenn durch den VW-Abgasskandal der Ruf unseres Landes etwas gelitten haben dürfte, grundlegend geändert hat sich dadurch nichts: Deutschland war, ist und bleibt Autoland.

Gemessen am Umsatz ist die Branche nicht nur der mit Abstand bedeutendste Industriezweig des Landes. Zugleich steuert sie den deutlich größten Anteil an den Ausgaben für Forschung und Entwicklung der hiesigen Wirtschaft bei. Und vor allem: Das Auto macht Deutschland zum Exportweltmeister. Fast 70 Prozent der Produktion an Kraftfahrzeugen verkaufen die Konzerne ins Ausland – in keinem anderen Land der Welt ist diese Quote so hoch. Besonders nachfragt sind die großen und teuren Fahrzeuge. Im Umkehrschluss wird dadurch aber auch die enorme Abhängigkeit der nationalen Ökonomie von der Ware Auto deutlich: Der Exportüberschuss, den die Kfz-Branche erzielt, ist größer als derjenige aller anderen Branchen zusammen.

Was viele ebenfalls nicht wissen: Die deutschen Automobilhersteller produzieren seit 2010 wesentlich mehr Fahrzeuge im Ausland als in Deutschland. Dabei erstreckt sich die Globalisierung, die für ein außerordentlich hohes Geschäftsreiseaufkommen sorgt, längst nicht allein auf die Großunternehmen. Auch der Mittelstand ist weltweit unterwegs.

Überhaupt ist die Branche trotz der Bekanntheit der großen Marken mittelständisch geprägt. Gut 75 Prozent der Wertschöpfung des Endprodukts entfallen auf Zulieferer aus dem Mittelstand. Längst sind diese Firmen sogar zu Weltmarktführern geworden. In der Regel verfügen sie überall dort über eigene Dependancen, wo auch die großen deutschen Marken Produktionsstätten eröffnet haben.

Foto: BizTravel

Deutsche Autos vor allem in EU-Ländern gefragt

Für VW ist es ein Schock: Der Abgasskandal beschert dem Autokonzern erstmals seit vielen Jahren ein dickes Minus; fürs 3. Quartal 2015 beträgt es 3,5 Mrd. Euro. Schuld daran ist die Nachrüstung von weltweit 8,5 Mio. Autos, die mit der manipulierten Software ausgestattet sind. Verwunderlich hingegen: Die Käufer haben (bislang?) nicht auf das Ereignis reagiert. Das kleine Minus von 1,5 % im Vergleich zum Vorjahr basiert auf der konjunkturbedingten Zurückhaltung in China, nicht aber auf einem sinkenden Interesse im Ausland an VW.

Branchenexperten gehen denn auch davon aus, dass sich der Abgasskandal kaum auf die Verkaufszahlen deutscher Autos im Ausland auswirken wird – wer schaut bei der Anschaffung eines neuen Wagens schon auf die Stickstoff- oder Kohlendioxid-Werte? Tatsache ist: Trotz VW-Affäre steigen die Exporte deutscher Autos weiter an. Insgesamt wurden in diesem Jahr bereits 3,3 Mio. PKW im Ausland verkauft, gut 3 % mehr als 2014. Dabei hatte es bereits im Vorjahr ein Plus von 2,5 % gegeben.
Der mit Abstand größte Markt deutscher Autos sind die Staaten der EU, in die mehr als die Hälfte aller exportierten Fahrzeuge gehen. Dieser Markt wuchs im vergangenen Jahr um fast 10 %, wobei das Interesse an Volkswagen, Daimler, BMW & Co ganz besonders in Griechenland, Irland, Spanien und Portugal stieg. Aber auch Tschechen (+ 39 %), Kroaten (+ 34 %) und Polen (+ 29 %) zeigen eine enorme Kaufbegeisterung für PKW made in Germany.

Briten einsam an der Spitze

Grundsätzlich die meisten deutschen Fahrzeuge kaufen allerdings die Briten: Mit 821.000 Autos liegen sie einsam an der Spitze. Im Vereinigten Königreich stammen mehr als 50 % der Autos aus deutscher Produktion.

Ebenfalls stark innerhalb der EU sind Frankreich (264.000) und Italien (237.000). Außerhalb Europas finden deutsche Autos in den USA die meisten Anhänger (613.000), gefolgt von China (274.000). Den größten Nachfragezuwachs jenseits der EU wiederum verzeichnen die deutschen Hersteller in Südkorea, Taiwan und China. Abwärts ging es hingegen in Russland mit minus 25 %, in der Türkei mit minus 15 % sowie in Brasilien mit minus 10 %. Alle drei Länder sind derzeit von starken wirtschaftlichen Problemen geprägt.

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