Dossier Textilbranche (Teil 1)

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Die wichtigsten Märkte

Die deutsche Industrie produziert fast komplett im Ausland. Fabriken betreibt sie in Asien und in der Türkei. Aus Deutschland stammen technische Textilien.

von Oliver Graue, 23.03.2015, 09:00 Uhr
Stoffe stammen aus aller Welt.
Foto: Cultura RM / Alamy

Nur wenige Branchen sind so stark globalisiert wie die Bekleidungsindustrie – gleichermaßen im Import wie im Export. Mehr als 95 % aller in Deutschland verkauften Textilien werden in anderen Staaten hergestellt. Weltweit führend sind neben Bangladesch und China – dem Produktionsstandort Nummer eins der deutschen Hersteller – auch die Türkei und Indien. Zu den wichtigen Fertigungsstätten zählen zudem Vietnam, Kambodscha, Pakistan, Indonesien, Rumänen und seit Kurzem wieder Birma (Myanmar). Grund für die Auslandsproduktion sind die hohen heimischen Löhne und Energiekosten; inzwischen stellen die Firmen im Ausland aber auch direkt für die dortigen Märkte her. Gerade deutsche Marken erfreuen sich großer Beliebtheit.

Internationale Geschäftsreisen sind für die deutsche Modeindustrie daher lange schon Alltag, zu Verhandlungen in die Herstellerländer ebenso wie zu den großen Modemessen. Insgesamt beschäftigen die deutschen Bekleidungsfirmen im Ausland inzwischen dreimal so viele Menschen wie im Inland (250.000/80.000). Hinzu kommen nochmals so viele, die lediglich im Auftrag deutscher Firmen beispielsweise in Asien produzieren.

Eine Besonderheit stellen die sogenannten technischen Textilien wie Sport-, Schutz- und Funktionskleidung dar. Sie stammen nach wie vor zu einem großen Teil aus heimischer Produktion: Hier ist Deutschland mit einem Anteil von fast 50 % Weltmarktführer. Zu den Zielmärkten derartiger Waren gehören neben den europäischen Nachbarländern auch die USA und Russland (insgesamt Platz 7 im Export-Ranking), das derzeit jedoch von extremen Umsatzeinbrüchen geprägt ist. Auf dem Reiseplan der Modebranche stehen schließlich die wichtigsten Messen und Modeschauen– von Berlin und Düsseldorf über Florenz, Mailand, Paris und London bis New York und Moskau.

Foto: BizTravel

Asien und die Türkei im Fokus

Am häufigsten reisen deutsche Modefirmen zu ihren Produktionsstätten nach China, Hongkong und nach Südostasien. Dritter im Bunde ist die Türkei.

Dass Peking und Schanghai inzwischen die beiden wichtigsten Langstrecken ziele der deutschen Geschäftsreisenden sind, daran hat die Bekleidungsindustrie ihren Anteil: Die weitaus meisten Textilien für den hiesigen Markt werden in China gefertigt. Fabriken befinden sich zwar fast überall im Land; Schwerpunkte der Modefertigung liegen jedoch im Gebiet Shanghai sowie im so genannten Perlflussdelta bei Hongkong. Dort hatten etliche Unternehmen aus der ehemaligen Kronkolonie und aus Taiwan investiert. Auch daher haben viele deutsche Textilspezialisten ihre Asien-Töchter oder Einkaufsbüros in Hongkong – andere sind etwa weiter nach Norden nach Shenzhen gegangen.

In Fernost spielen neben China auch Südkorea und Taiwan eine Rolle. Hier werden vor allem Stoffe gefärbt und genäht. In Asien hat die Modebranche zudem den Südosten im Fokus – ganz besonders Bangladesch, wo deutsche Marken jedoch vergleichsweise seltener fertigen lassen als solche der internationalen Großunternehmen. Dass sich Direktverbindungen ab Deutschland in dieses Land nicht lohnen, verdeutlichte kürzlich erst das schnelle Ende der Strecke Frankfurt–Dhaka nach nur sechs Monaten Betrieb.

Bedeutend für die Textilfertigung ist zu dem Vietnam, wo die Lohnkosten meist unter den chinesischen liegen. Fabriken stehen auch in Thailand und Malaysia. Im Kommen schließlich ist Myanmar: Die EU fördert hier im Rahmen eines Projektes den Aufbau einer nachhaltigen und produktiven Bekleidungsindustrie, die faire Arbeitsbedingungen und Umweltstandards bietet.

Neben diesen Ländern sowie Indien gilt auch die Türkei als wichtiges Importland für deutsche Unternehmen. Vor allem in der Gegend um Izmir haben deutsche Firmen wie etwa Hugo Boss Produktionsstätten eingerichtet. Wichtige Drehscheiben und damit MICE-Ziele der Textilbranche sind Singapur, Bangkok und Kuala Lumpur – wir stellen sie in den folgenden Teilen unserer Serie vor. Zudem geben wir einen Überblick über die Flugverbindungen von Deutschland nach Asien.

Dossier: Mode- und Textil-Branche

Dossier Textilbranche (Teil 2)
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Singapur, Bangkok, Kuala Lumpur

Wichtige Drehscheiben und damit MICE-Ziele der Textilbranche sind Singapur, Bangkok und Kuala Lumpur – wir stellen sie vor. mehr

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