Dossier Verbände (Teil 4)

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Saudi-Arabien im Wandel

Das Land will seine Wirtschaft diversifizieren. Hoch im Kurs stehen deutsche Produkte.

von Oliver Graue, 27.06.2016, 14:00 Uhr
Kingdom-Tower: Blick auf Riad.
Foto: Thinkstock

Saudi-Arabien und Öl – zwei Begriffe, die untrennbar scheinen. Doch das soll sich ändern: Der weltweit größte Förderer des Schwarzen Goldes will sich unabhängiger machen von den Öleinnahmen und seine Wirtschaft diversifizieren. „Vision 2030“, so heißt der Plan. Vize-Kronprinz Mohammed bin Salman will den neuen Weg durch den Verkauf eines kleinen Teils der staatlichen Ölgesellschaft Aramco finanzieren. „Bereits 2020 werden wir ohne Öl leben können“, so der erst 30 Jahre alte Königssohn, Chef-Architekt der Reformpläne.

Eine Strategie, die kleinere Golfstaaten wie Dubai, Abu Dhabi oder Katar schon umgesetzt haben. Ob Saudi-Arabien allerdings einen ähnlichen Weg geht und auf Branchen wie Tourismus und MICE setzt, ist noch unklar. Derzeit sind zwar die Beziehungen zwischen der deutschen und saudischen Wirtschaft gut und eng, Individualtouristen haben aber kaum eine Möglichkeit, das für die Einreise nötige Visum zu erhalten. Gleichzeitig häufen sich die Hoteleröffnungen im Land: Zunehmend sind die internationalen Ketten in der Hauptstadt Riad oder der Hafenmetropole Dschidda mit eigenen Häusern vertreten, fast immer in deren Finanz- und Wirtschaftsvierteln.

Werben um Wissen

Deutsche Produkte genießen in Saudi-Arabien seit vielen Jahrzehnten einen hohen Stellenwert. Überhaupt wird Deutschland große Sympathie entgegengebracht – auch wenn es nach der Hinrichtung eines schiitischen Geistlichen Anfang des Jahres zu Irritationen gekommen war. Dank der Öleinnahmen betrug die Handelsbilanz mit Saudi-Arabien bis 2014 gut 10 Mrd. Euro; wegen des niedrigen Ölpreises ist dieser Betrag inzwischen geschrumpft.

Dennoch gehen Wirtschaftsexperten davon aus, dass der größte arabische Staat für deutsche Unternehmen sehr interessant bleiben wird. Die Investitionen in Infrastruktur, Energie- und Wasserversorgung, Bildung und Gesundheit sind nach wie vor groß, und mit der geplanten Diversifizierung der Wirtschaft dürfte das Königreich verstärkt um Know-how im Ausland werben. So sollen Investitions- und Ansiedlungsagenturen Anreize bieten, im Land zu investieren und Arbeitsplätze zu schaffen, die Saudi-Arabien angesichts seiner relativ hohen Arbeitslosigkeit dringend benötigt.

Saudi-Arabien in Kürze

Einwohner: 31,4 Mio.
Fläche: 2,15 Mio. qkm (sechsmal so groß
wie Deutschland)
Bevölkerungsdichte: 14,6 Einwohner pro qkm (Deutschland: 228)
Altersstruktur: 47% jünger als 25 Jahre Geschäftssprachen: Arabisch, Englisch
Hauptstadt: Riad (6,0 Mio. Einwohner). Dschidda hat 3,4 Mio. Einwohner.
Regierungsform: absolute Monarchie, Islam als Staatsreligion
Einreise: Visumpflicht


Hilfe – auch durch Markterkundungsreisen – bietet die deutsche IHK. Wer nach Saudi-Arabien reisen will, benötigt für das vorgeschriebene Visum eine Einladung, die von der IHK beglaubigt werden muss. Alternativ möglich ist eine Zustimmung der saudischen Investitionsförderungsgesellschaft Sagia. Firmenbesitzer, Vorstandsvorsitzende, Vorstandsmitglieder, Firmenvertreter und Generaldirektoren benötigen laut Auswärtigem Amt keine Einladung.

Die Zahl der Geschäftsreisen nach Saudi-Arabien erlitt im vorigen Jahr eine deutliche Delle. Laut Auswertung des Kreditkartenanbieters Airplus sanken die Geschäftsflüge um elf Prozent gegenüber 2014; auch im Vergleich mit dem Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre betrug das Minus sieben Prozent. Insgesamt führt Airplus zufolge etwa jeder 100. deutsche Business-Trip in das Königreich.

Direkt ab Deutschland fliegt außer Lufthansa die saudische Saudia: Ab Frankfurt steuert das Skyteam-Mitglied sowohl Riad als auch Dschidda an. Ab 4. Juli 2016 folgt München als zweiter Abflug-Airport: Montags, mittwochs und freitags geht es dann nonstop nach Riad, donnerstags und sonntags mit Halt in Dschidda. Zu Spezialisten für Saudi-Arabien haben sich aber auch Turkish Airlines und Qatar Airways entwickelt. Via Istanbul und Doha steuern sie Ziele im Land an, neben Riad und Dschidda sind dies Abha, Al-Qassim, Dammam, Gassim, Hofuf, Medina, Riad, Taif und Yanbu.

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