Lufthansa-Vorstand Carsten Spohr treibt die Anpassung an den verstärkten Wettbewerb voran. Die First Class ist nicht mehr unantastbar und eine Premium Economy denkbar.
Der Lufthansa-Vorstand verabschiedet sich von einer Reihe von Grundsätzen, an denen die Vorgänger bis hin zu Wolfgang Mayrhuber eisern festgehalten hatten. Dazu zählt die First Class, das Drei-Klassen-Konzept und die Vermeidung betriebsbedingter Kündigungen. Spohr hatte die Lufthansa-Mitarbeiter in einem Brief auf die zum Teil schmerzhaften Veränderungen vorbereitet.
First Class: Es gibt Langstrecken, auf denen einfach keine Kunden mehr für diese Klasse zu finden sind, schreibt die „Süddeutsche Zeitung“. Dabei reduziert Lufthansa, seit die neuen Fist-Sitze eingebaut werden, die Zahl der First-Sessel von 16 auf acht. Doch auch die sind nicht mehr im gesamten Streckennetz zu vermarkten – ein fliegender Leerstand.
Premium Economy: Lufthansa-Partner United und SAS bieten ihren Kunden seit Jahren eine aufgewertete Economy. Eco-Sitze mit mehr Beinfreiheit und einen besseren Service am Boden und an Bord. Das Angebot kommt an bei Geschäftsreisenden, die nicht mehr Business fliegen dürfen und bei Touristen, die sich etwas gönnen wollen.
Betriebsbedingte Kündigungen: Lufthansa hat sich bisher immer bemüht, Personalabbau sozialverträglich zu gestalten und zählt zu den beliebtesten Arbeitgebern der Republik. Doch nachdem die Billigflieger im Europa-Verkehr die Kosten- und Preismaßstäbe setzen und im Langstreckenverkehr Wettbewerber etwa vom Persischen Golf Boden gewinnen, muss Lufthansa kräftiger sparen. Spohr will die Personalkosten pro Flug um fünf Prozent verringern. Kündigungen seien nicht beschlossen aber auch nicht auszuschließen, heißt es bei Lufthansa. Die Gewerkschaften haben bereits Widerstand angekündigt.
Dass Lufthansa auch mit Mitarbeitern hart umgehen kann, zeigt sie gerade in Wien. Dort soll das Austrian-Geschäft auf Tyrolean übertragen werden. Zuspüren bekommen hatten es auch Mitarbeiter bei Eurowings, wo die Flotte und Mitarbeiterstamm kräftig reduziert wurden.
Auf Germanwings scheint mehr Arbeit zuzukommen. Im dezentralen Verkehr soll die Airline mehr Aufgaben übernehmen. Einen Hinweis darauf gibt beispielsweise, dass Austrian Airlines auf bestimmten Routen eigene Flugnummern auf Germanwings-Flüge setzt.
Bei Lufthansa haben Produktivitäts- und Kostensenkungsprogramme bereits Tradition. Deshalb sieht ihre Bilanz deutlich besser aus als die des europäischen Konkurrenten Air France-KLM. Aber der Luftverkehrsmarkt verändert sich weiter. Wohl oder übel muss sich Lufthansa anpassen. Einen Insolvenz-Paragraphen wie Chapter 11 in den USA gibt es in Deutschland nicht. Die Airline kann also nicht darauf setzen, geschützt vor Gläubigern und mit Hilfe eines Richters in Ruhe eine Grundsanierung durchzuführen. Der beständigere Anpassungsweg führt also an Programmen wie Zukunft Kont, Climb 2011 oder nun Score nicht vorbei.