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Erste Hilfe am Himmel

19.06.2008, 14:00 Uhr

Wie reagieren Airlines im Notfall?

von Michael Krane

Wenn in 10.000 Meter Höhe der Körper versagt, sind nicht nur Fürsorge und Ersthelferwissen der Stewardessen gefragt. Die Fluggesellschaften rüsten auch technisch auf.

Notfall über den Wolken: Ein Arzt an Bord sichert die professionelle Erstversorgung.
Foto: Doc an Board

Laut Statistiken benötigt ungefähr einer von 5000 Passagieren medizinische Hilfe während des Flugs. Für ernsthafte Fälle, zum Beispiel wenn ein Arzt eingreifen muss oder eine klinische Versorgung erforderlich ist, liegt das Verhältnis bei 1:40.000 – Tendenz steigend. Ein Grund ist der wachsende Luftverkehr. Immer größere Jets legen besonders lange und damit strapaziöse Strecken nonstop zurück. Außerdem steigt der Anteil der medizinischen Risikogruppen wie Ältere und Krankheitsanfällige. Schon in 20 Jahren wird jeder zweite Fluggast älter als 50 Jahre sein.

Alles deutet darauf hin, dass der Flug nach Mailand für den Passagier auf dem Platz 16A wie üblich verlaufen wird. Doch es kommt anders: Eine Viertelstunde nach dem Abheben beginnt der Fluggast nach Luft zu schnappen, lockert hastig den Krawattenknoten. Panik zeichnet sich in seinem bleichen Gesicht ab. „Zucker“, röchelt der Mann. Die Stewardess ist schnell mit Zucker und Süßigkeiten zur Stelle. Die akute Unterzuckerung ist gebannt. Glück gehabt!

Wer fliegt, befindet sich nicht nur physisch in einem Ausnahmezustand. Enge, schlechte Luft und Stress setzen den Erkrankten mehr zu als am Boden. Dort ist ein Rettungswagen samt lebensrettender Ausstattung häufig schon nach wenigen Minuten zur Stelle. Aber in 10.000 Meter Höhe?

Ferndiagnose per Internet

Helfen und haften

Für Juristen zählen ärztliche Einsätze während eines Flugs zu den heiklen Fällen. Sicher ist: Es gilt das Recht des Landes, dem die Airline angehört. In der Regel deckt die Haftpflichtversicherung der Airline mögliche Ansprüche des Behandelten gegen den Mediziner, erläutert Ronald Schmid, Experte für Luftverkehrsrecht. Klar ist auch: Ob ein Flughafen angesteuert wird, entscheidet der Pilot.

Mit einem Arztkoffer an Bord ist es nicht mehr getan. Für Flugbegleiter gehören Ersthelferkurse zum Alltag. Immer mehr müssen sie sich mit medizinischen Geräten und Utensilien vertraut machen. Bei der Lufthansa gehören Defibrillatoren, Intubationszubehör, Infusionslösungen und ein Sortiment gängiger Medikamente zur Grundausstattung. Ist dann noch ein Arzt an Bord, was in schätzungsweise 40 Prozent der Flüge der Fall ist, steht einer professionellen Erstversorgung nichts im Wege. Einige Airlines nutzen Beratungscenter am Boden für die medizinische Unterstützung. Hilft das alles nicht, entscheidet der Pilot über einen Zwischenstopp.

Doch die Zukunft der Erstversorgung liegt im Internet. Zusammen mit der Charité in Berlin arbeitet Lufthansa an einer Internet-Verbindung, um bei kritischen Fällen Krankheitsdaten und Bilder an Spezialisten am Boden zu senden. Das erleichtert die Versorgung an Bord. Wird eine Zwischenlandung notwendig, erhält das in Frage kommende Krankenhaus dank der Datenverbindung frühzeitig die nötigen Informationen. Die Flugzeugkabine wird dann zum Diagnosezentrum.

Oder zum Behandlungszimmer, denn die Lufthansa gilt mit ihrem Patient Transport Compartment, einer provisorischen Krankenkabine an Bord, als Vorreiter, wenn es um den Rücktransport von Schwerkranken aus fernen Zielen geht. In 45 Minuten lässt sich das Krankenzimmer im Tausch gegen drei mittlere Sitzreihen in den Langstreckenjets einbauen. Die Ausstattung in 10.000 Meter Höhe gleicht der einer modernen Intensivstation am Boden.

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