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Fernflüge

28.10.2011, 09:00 Uhr

Langstrecken richtig buchen

von Anke Pedersen

Vor allem Asien-Flüge sind deutlich teurer geworden. Doch es gibt Alternativen: innovative Routen und bequeme Umsteige-Strecken. Zudem wachsen die Kapazitäten durch neue Flugzeugtypen.

Den Dreamliner (Boeing 787) will die ja panische ANA ab 21. Januar von Frankfurt nach Tokio einsetzen.
Foto: Boeing

Die erste Nachricht kam aus Rom. Um sich aus dem Würgegriff der Schuldenkrise zu befreien, so ließ Italiens Staatschef Silvio Berlusconi verlauten, habe er das kommunistische Regime in China zur Einkaufstour in sein überschuldetes Land eingeladen. Doch nur wenige Tage später war der italienische Coup schon wieder vergessen: Chinas Präsident Wen Jiabao bot Investitionen in ganz Europa an.

Eine Folge hat das Ganze in jedem Fall: Die Nachfrage nach Flügen zwischen dem Alten Kontinent und den Wachstumsmetropolen in Asien wird es beflügeln. Schon im ersten Halbjahr dieses Jahres haben Reisen mit Zielen in China, Indien, Japan und Singapur um 21 Prozent zugelegt – und das vor allem in der Business Class.

China und Indien boomen

Auf diese Zahl jedenfalls kommt der Kreditkartenanbieter Airplus. Und: Im ersten Halbjahr 2011 lag das Plus sogar bei 60 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die BCD-Beratungstochter Advito erwartet, dass die Nachfrage nach Geschäftsreisen in Länder wie China und Indien im kommenden Jahr um weitere fünf bis neun Prozent ansteigt – ebenso wie nach Brasilien und Russland. Und Advito nennt auch gleich die Folgen: Der Kampf um die begehrten und oft raren Sitzplätze Richtung Asien wird die Flugpreise um weitere drei bis fünf Prozent verteuern. Gründe hierfür sind „die wachsende Nachfrage, die Konsolidierung der Fluggesellschaften und die begrenzten Kapazitäten.“

Business-Charter als Alternative

In Krisensituationen sind sie schon lange ein gefragter Partner: die Vermittler von Business-Charter-Flugzeugen. Mit Grossraum-Jets bis hin zum Jumbo evakuierten Vermittler wie Air Partner, Chapman Freeborn oder Pro Sky im Auftrag von Unternehmen und Regierungen Tausende Europäer aus Katastrophengebieten wie Japan oder Neuseeland.

Unternehmen ordern aber auch für Event- oder Incentive-Flüge verstärkt Charter-Flugzeuge für die Langstrecke. Gerade für größere Gruppen kann dies sogar eine preislich günstigere Alternative sein – vor allem dann, wenn das Ziel per Linienflug nur umständlich zu erreichen ist.

Alles über Business-Charter finden Sie in BizTravel 4/11 (September 2011) und hier.

Schwarzmalerei? Keineswegs! Während sich die Nachfrage und damit die Verteuerung der Flugpreise auf Südamerika-Strecken „noch halbwegs im Rahmen hält“, wie Merck-Travel Manager Christoph Carnier feststellt, gleicht die Jagd nach preiswerten Sitzplätzen Richtung China einem Roulette-Spiel. „Asien erlebt einen Boom“, sagt Jörg Martin, Chef des Beratungsunternehmens CTC Corporate Travel Consulting. „Daher wird die Nachfrage größer, die Sitzplatzkapazität wird rarer, und die Preise steigen.“

Negativ wirkt sich in diesem Zusammenhang die nur schrittweise Einführung des Riesen-Airbus A-380 aus, kritisiert Jörg Martin die Politik der Fluggesellschaften. Travel Manager wie Christoph Carnier können das nur unterschreiben: „China ist deutlich teurer geworden, und die Verfügbarkeit von Sitzplätzen ist schlecht“, sagt der Reisechef des Darmstädter Pharmakonzerns. Ähnliches gilt für den asiatischen Stadtstaat Singapur. Immerhin setzen gleich zwei Gesellschaften – Lufthansa und SIA – ab kommendem Jahr auf dieser Verbindung den A-380 ein. Noch fliegen hier Produkte wie die Boeing B-747 oder B-777.

Golf-Airlines expandieren

Die gute Nachricht ist, dass sich vor allem Fluggesellschaften aus dem Nahen und Fernen Osten derzeit eifrig in Position bringen – als lohnende Alternative für lokale Platzhirschen wie die Lufthansa. Allen voran die am internationalen Drehkreuz Dubai ansässige Emirates. Ab Dezember sollen die täglichen Nonstop-Verbindungen ab Frankfurt von zwei auf drei erhöht werden. Ab Januar 2012 will Emirates auf einem ihrer beiden täglichen München-Flüge sogar den A-380 einsetzen – als erste ausländische Fluggesellschaft in Deutschland überhaupt.

Und ab Dubai kommen Reisende dann ohnehin in den Genuss des Superjumbos. Unter anderem bedient Emirates von dort Langstrecken nach Seoul, Sydney, Auckland, Peking, Hongkong und Schanghai. Konkurrenz belebt das Geschäft, und so werden bald weitere Gesellschaften größere Maschinen aufsteigen lassen. Korean Air zum Beispiel wird Frankfurt und Seoul ab März kommenden Jahres mit dem A-380 verbinden. Um sich von anderen Airlines zu unterscheiden, ist das gesamte Oberdeck ausschließlich Business-Class-Reisenden vorbehalten.

Dann werde sich zeigen, dass deutsche Unternehmen dazu bereit seien, statt auf Direktflüge nach Japan und China auf bequeme Umsteigerouten zu steuern, zeigt sich Korean-Vertriebschefin Karen Sahnen sicher.

Umsteigen kann sich lohnen

Und auf den „Dreamliner“, die nagelneue Boeing 787, setzt die japanische Gesellschaft ANA. Ab 21. Januar soll dieser auf der Verbindung zwischen Frankfurt und Tokio fliegen. „Das ist schon ein Knaller für Deutschland“, sagt ANA-Sprecher Matthias Burkhard. Denn mit den größten Fenstern und einer „deutlich niedrigeren Kabinendruckhöhe“ biete er seinen Passagieren großen Komfort. „In Asien fliegen wir mittlerweile mehr als 100 Ziele an“, wirbt auch Bettina Heinz, Verkaufschefin von Qatar Airways, für die Umsteigeverbindungen der Fluglinie aus dem Golf-Scheichtum. Davon führten zwölf Strecken nach Indien, und ab November insgesamt fünf ins Reich der Mitte.

Umsteigerouten statt Direktflüge zu wählen – das kann sich in manchen Fällen durchaus lohnen. Manchmal sollten Geschäftsreiseplaner in diesem Punkt sogar ein wenig „ungewöhnlich“ denken und auf Routen blicken, die auf den ersten Blick vielleicht nicht zur Diskussion stehen. Denn diese können vergleichsweise preisgünstig sein.

Über Hanoi oder Bangkok beispielsweise. Anders als im Norden Asiens läuft der Preistrend im Süden des Kontinents in die entgegengesetzte Richtung: „In ganz Südostasien, auch in Thailand, sind die Preise derzeit extrem niedrig“, sagt Arnaud Pohier, Verkaufschef bei Vietnam Airlines.

Sitzend bis Sydney: Eco oder Business?

Hohe Flugpreise und knappe Verfügbarkeiten mögen Unter nehmen dazu verleiten, ihre Geschäftsreisenden auch auf Langstrecke in der Economy Class einzubuchen. Oder in der relativ neuen „Premium Economy Class“. Und warum auch nicht? Mit deutlich größeren Sitzabständen sind gerade diese Angebote eine Alternative: mehr Sitzabstand als in der „Holzklasse“ für einen geringeren Preis als Business Class.

Nicht umsonst weiten Fluggesellschaften wie Air New Zealand, Vietnam Airlines oder Turkish Airlines ihre Angebote in diesem Segment angesichts Buchungsquoten nahe 100 Prozent kontinuierlich aus. „Ein mal geht wirklich alles“, sagt dazu Christoph Carnier, Travel Manager des Darmstädter PharmaRiesen Merck. „Aber wir müssen uns immer fragen: Ist das Arbeitsergebnis, das bei einem EconomyClassFlug herauskommt, wirklich das, was wir uns versprochen haben?“

Immerhin seien es Menschen die befördert würden und keine Pakete, sagt Carnier. Bevor man einem Mitarbeiter also zumute, zehn, zwölf oder noch mehr Stunden in engen Sitzen zu verbringen, sollte lieber von Anfang an die Notwendigkeit der Reise hinterfragt und diese im Zweifel gestrichen werden. Carnier: „Auch die Premium Economy ist eine Economy Class.“ Ist eine Fernreise wirklich wichtig und lohnend für das Unternehmen, dann zahlt sich auch die Business Class aus. Viele Firmen buchen diese Klasse ab fünf bis sechs Stunden Flug.

 
 
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