Betriebsrat, Schufa, Datenschutz: Wer das Plastikgeld in seinem Unternehmen einführen will, muss einige Regeln beachten. Dann aber hat man ein optimales Controlling-Instrument.
Ein komisches Gefühl beschlich Herbert Genrath: Warum ging der Verkäufer mit seiner Firmenkreditkarte so lange Zeit nach hinten? Genrath befürchtete Missbrauch. Doch seine Bedenken zerstreuten sich rasch: Wenige Monate zuvor hatte er sich beim Card-Control-Service seines Kartenanbieters Airplus registriert, der ihn automatisch per SMS über alle Umsätze ab 50 Euro informiert. Alles war okay.
Card Control, Online-Konto, mobiler Zugriff, Savings Tracker, Aida-Funktion, McBizz: In jüngster Zeit haben die Anbieter von Firmenkreditkarten ihre Produkte mit allerhand Zusatzservices versehen. Ziel: das Plastikgeld populärer machen. Denn während Konzerne längst auf die Karte setzen, ist der Mittelstand noch nicht so weit. Noch jeder Zweite zahlt Vorschüsse – und verschenkt damit Geld. Auf 25 bis 30 Euro beziffert die Beraterin Andrea Zimmermann (btm4u) die Kosten „durch Arbeitsaufwand und Zinsverlust“. Schon ab fünf Exemplaren können sich Firmenkreditkarten lohnen.
Ralf Strehlau, Chef der mittelständischen Unternehmensberatung Anxo, führte sie vor drei Jahren ein. Er war es leid, ständig Vorschüsse zu zahlen, abzurechnen und jede Hotelrechnung zu prüfen. Die Karten machen das Vorschusswesen überflüssig. „Auch wir müssen unseren Verwaltungsaufwand gering halten“, sagt Strehlau. Seine Travel Managerin Carla Teschner nennt einen weiteren Vorteil: „Wir können nun Statistiken erzeugen: Wer reist wann wohin? Wie hängen die Kosten mit der Auftragslage zusammen? Wann habe ich die größten Reisekosten? Das Ergebnis ist wichtig für den Cash Flow.“
Für Peter Schmid, Principal bei der Beratungsgesellschaft BrainNet, ist die Kreditkarte ein Controlling-Instrument: Sie hilft, Reiseausgaben besser im Auge zu behalten. „Ich konnte all den Kleinkram nicht im Detail überprüfen“, stimmt Strehlau zu. „Nun sehe ich mit zwei, drei Blicken auf der Auswertung, ob das okay ist.“ Denn wer Firmenkarten nutzt, kann online im sogenannten Management-Informationssystem (MIS) eine Auswertung abrufen. Geschäftsreise-Planer erfahren, was wie oft gebucht wird und ob dies den Reiserichtlinien entspricht. Einen weiteren Vorteil beschreibt Managerin Carla Teschner: „Wie viel Bahn ist gebucht worden und von welcher Person? Lohnt sich eine Bahncard 50? Ich sehe das mit zwei, drei Knopfdrücken und kann es so der Geschäftsleitung vorlegen.“
Die Kosten für die Kreditkarten sind gering und richten sich meist nach dem über sie abgewickelten Volumen. Neben den Firmenkreditkarten für die einzelnen Mitarbeiter führte Carla Teschner eine zentrale virtuelle Firmenkarte ein. Diese ergänzt die Firmenkreditkarte und wird genutzt, um Leistungen wie Flug- und Bahntickets oder Mietwagen zu buchen. Die Karte ist meist beim Reisebüro hinterlegt und nur virtuell vorhanden. Ihre Abrechnung erfolgt direkt übers Firmenkonto. Vorteil: Die Karte bietet beste Reporting-Möglichkeiten, da bei der Buchung alle Daten samt Kostenstelle erfasst werden. Nachteil: Hotels sind nicht buchbar.
Zudem gilt: „Bei der Abrechnung werden Kostenstelle und Personalnummer berücksichtigt“, so René Zymni (BCD). „Sie brauchen keine Belegführung, weil alle finanz- und steuerrechtlichen Details auf der Buchung erscheinen“, präzisiert Carla Teschner. Die gesamte Belegführung fällt dadurch weg. Mit Firmenkreditkarten hingegen bezahlt der Reisende unterwegs dienstliche Ausgaben. Die Karten laufen auf den Namen des Mitarbeiters und werden ihm als reale Karte ausgehändigt. Oft lassen sie sich in die Reisekosten-Software integrieren.
Nachteil: Corporate Cards werden übers Privatkonto des Reisenden abgerechnet. Weil manche Mitarbeiter davor zurückschrecken, bieten die Kartengesellschaften verlängerte Zahlungsziele oder gesonderte Zwischenkonten an. In der Regel bucht der Kartenbetreiber erst nach 14 bis 28 Tagen das Geld ab. Positiver Nebeneffekt: Der Mitarbeiter rechnet zügig ab, schließlich will er nicht privat in Vorschuss treten.
Die Einführung von Firmenkreditkarten erfordert Fingerspitzengefühl. Bei der Überzeugungsarbeit helfen die Anbieter. Um die passende Karte zu finden, bieten Geschäftsreise-Ketten spezielle Software an. Hat der Mitarbeiter eine negative Schufa, lassen die Kreditkartenanbieter meist mit sich reden. Voraussetzung: Das Unternehmen übernimmt die Haftung. Und auch wenn das Konto mal nicht gedeckt ist, zeigen sich die Anbieter oft nachsichtig, solange sie zügig informiert werden.