Firmenkreditkarten

(0)

Was will die EU?

Die gute Nachricht für Travel Manager: Die radikale Kürzung der Kreditkartengebühren gilt nicht für Corporate Cards. Die schlechte: Die EU hat womöglich beschlossen, dass die Karten nur noch übers Firmenkonto laufen dürfen. Das weiß aber niemand so genau.

von Oliver Graue, 27.02.2015, 09:16 Uhr
Firmenkarten nur noch übers Firmenkonto?
Foto: Thinkstock

Manch ein Branchenbeobachter findet deutliche Worte: Einige in der EU verhielten sich wie Autofahrer, die in tiefster Dunkelheit ihre Scheinwerfer nicht anschalten. Mit welchem Corporate-Card-Spezialisten auch immer man in diesen Tagen spricht: Zwar ist die Freude darüber groß, dass die EU die Firmenkreditkarten von der radikalen Kürzung der Händlergebühren ausnimmt. Doch genauso massiv ist der Frust über einen Absatz in dieser Regelung: Sie gelte nur, wenn die Karten künftig über den „Corporate Account“ abgerechnet würden. Was dies genau bedeutet und ob man das englische „Account“ wortwörtlich mit „Firmenkonto“ übersetzen darf, weiß jedoch niemand. Wäre dies der Fall, müssten sich vermutlich 90 Prozent der deutschen Unternehmen umstellen: Dann dürften die Karten nicht mehr wie bislang über die Privatkonten der Reisenden, sondern müssten übers Firmenkonto abgerechnet werden.

Doch der Reihe nach: Nach jahrzehntelangem Diskutieren hat die EU kurz vor Weihnachten beschlossen, dass Händler, die Kreditkarten annehmen, höchstens noch 0,3 Prozent an sogenanntem Interbankenentgelt zahlen müssen – das waren bislang oft 1,5 Prozent gewesen. Für Corporate Cards jedoch bleibt es bei der bisherigen Regelung. Was gut ist für die Unternehmen: Ansonsten hätten sie künftig hohe Gebühren für die Nutzung von Firmenkarten zahlen müssen, da mit dem Beinah-Wegfall der Händlergebühren den Anbietern ihre wichtigste Einnahmequelle weggebrochen wäre. Darum kommt das Travel Management nun herum.

Was meinen die EU-Politiker?

Zugleich hat die EU damit Gerechtigkeit im Markt der Firmenkreditkartenanbieter hergestellt. Denn hätte die Kürzung auch für Corporate Cards gegolten, wäre American Express der große Gewinner gewinnen – und sogenannte Vier-Parteien-Systeme wie Airplus die Verlierer. Denn Drei-Parteiler hätten sich der Kürzung nicht unterwerfen müssen, sie hätten ihre Karten weiter günstig anbieten können.

Die Crux bei der Sache ist nun jedoch der Begriff „Corporate Account“. Was meinen die EU- Politiker damit? Für Airplus-Manager Michael Heilmann steht fest: Ihnen geht es vor allem darum, zwischen Verbraucher- und Firmenkreditkarten klar zu trennen – um Missbrauch zu vermeiden. Sonst könnte sich der eine oder andere Privatkartenanbieter schnell zum Firmenspezialisten erklären. Aber ist es dafür nötig, dass die Corporate Cards tatsächlich übers Firmen- konto abgerechnet werden, dass also künftig der Arbeitgeber in Haftung tritt? Oder gibt es auch andere Wege, um sicherzustellen, dass keine Trittbrettfahrer aufspringen?

Und wenn es doch so streng gemeint ist, wie es geschrieben steht: Was bedeutet das in Zukunft für den Umgang mit den Daten der Corporate Cards? Und dürfen Business Traveller noch mit einer privaten Karte Reiseausgaben begleichen? „Die Branche hofft auf mehr Klarheit, wenn der Gesetzestext in den kommenden Wochen weiter ausgearbeitet wird“, hofft Airplus-Manager Michael Heilmann.

Weitere Business Travel-Themen

Verpflegungspauschale
(0)

Neue Sachbezugswerte für 2017

Die amtlichen Werte, die für Mahlzeitengestellung außerhalb von Dienstreisen anzusetzen sind, wurden leicht erhöht. Der Betrag für Unterkunftskosten bleibt gleich. mehr

 
© 2017 FVW Medien GmbH, Alle Rechte vorbehalten
Impressum AGB Datenschutz Kontakt Media