Rollkoffer

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Zieh! (Leine!)

Für die einen sind sie ein Segen, für die anderen ein Fluch: Trolleys spalten die Gesellschaft. Vor allem lärmgeplagte Mitmenschen klagen.

von Oliver Graue, 19.12.2016, 11:26 Uhr

Dass Venedig immer wieder gegen Touristen protestiert, ist normal. Angesichts der Urlaubermassen, die das Städtchen überschwemmen, ist der Ärger der Einwohner auch verständlich. Als „Ente“ entpuppte sich allerdings das Gerücht, die Lagunenstadt wolle ein Verbot für Rollkoffer einführen – wegen des Lärms. Eine Strafe von bis zu 500 Euro war zunächst im Gespräch. Der Bürgermeister, auf die Einnahmen durch die Besucher angewiesen, dementierte rasch: Verbote werde es nicht geben.

Nicht nur in Venedig geht die Abneigung gegen ein Zuviel an Besuchern und gegen die sogenannten Trolleys Hand in Hand. „No more Rollkoffer“ ist vereinzelt auf Wänden in der Berliner Innenstadt zu lesen. Auch wenn es eher die Wohnraum-Zweckentfremdung (Sharing Economy) und das nächtliche Gegröle sind, die die Berliner nerven, so ist der Rollkoffer doch zum Symbol des Tourismus-Ärgers geworden. Etliche Berliner kennen inzwischen die Flugpläne von Ryanair und Easyjet auswendig. Nicht deswegen, weil sie die Billigflieger selber nutzen würden, sondern weil sie die Bewohner der Touristenwohnungen um 3 Uhr oder 4 Uhr nachts mit ihren Rollkoffern über das Kopfsteinpflaster lärmen hören: Sie sind dann auf dem Weg zum Flughafen.

Im Grunde war die Erfindung des Trolleys (siehe Kasten rechts) ja nichts Schlimmes. Im Gegenteil: Gerade für Geschäftsreisende sind die Ziehkoffer erstens das ideale Handgepäck für den Flieger, und zweitens ist ihre Nutzung effizient, da mit der anderen Hand zeitgleich am Handy getippt werden kann. Aber auch für die eigene Gesundheit ist die fahrbare Kleiderkiste deutlich vorteilhafter als die schwere Tragetasche: Sie schont Rücken und Schulter.

Ratter-Polter-Rüttel-Lärm

Dass gleichzeitig die Gesundheit der Mitmenschen leidet, ist ein unerwünschter Nebeneffekt. Dabei geht es nicht nur um den Ratter-Polter-Rüttel-Lärm der Trolleys, sondern auch darum, dass die Teile gern über fremde Füße fahren oder fremde Fersen rammen.

Was also tun? Ein Zurück zum Tragekoffer ist ebenso unwahrscheinlich wie die Tatsache, dass die Pferdekutsche das Automobil wieder ablöst. Und selbst Diktaturen würden wohl vor einem Verbot von Rollkoffern zurückschrecken. Venezuela hat ein solches zwar ausgesprochen, allerdings nur für Gefängnisbesucher: Ein kurz-gewachsener Häftling hatte versucht, im Trolley zu entkommen.

Was bleibt, ist also Rücksicht. In jeder Hinsicht: beim Steuern und beim Lärmen. Meist helfen schon gummigeschützte Rollen, um das Gepäckstück leiser zu machen. Optional bieten sich Häkeltäschchen oder ausrangierte Socken an, wie sie auch für Handys, frierende Bäume oder Laternenpfähle genutzt werden.

Oder wir warten einfach geduldig auf die Zukunft. Denn schon demnächst werden Trolley-Fans sogar beide Hände frei haben – weil ihnen der Koffer dann wie ein braves Hündchen folgen wird, via Bluetooth gesteuert. Hoffentlich verfügen die Rollkisten dann auch über gute Lärmschutz- und Anti-Kollisionssysteme.

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