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Flugangst ist heilbar

02.05.2008, 14:00 Uhr

Nur keine Panik

von Rita Münck

Schweißausbrüche, Herzrasen, Atemnot – jeder dritte Passagier hasst das Fliegen. Psychologen können helfen.

Über den Wolken ist für viele nicht die Freiheit, sondern die Panik grenzenlos. Patrick Ehring* aus Stuttgart weiß das aus eigener Erfahrung. „Kreislaufprobleme, feuchte Hände, Schweißperlen auf der Stirn – wann immer ich ein Flugzeug besteigen sollte, kam die pure Angst auf“, sagt der 38-jährige Wirtschaftsprüfer. Private Flüge seien für ihn undenkbar gewesen. Und im Job? „Da hab’ ich mir schon etliche Ausreden einfallen lassen, um nicht ins Flugzeug einsteigen zu müssen“, sagt Ehring. Im äußersten Notfall mussten Beruhigungsmittel herhalten.

Mehr Flüge, mehr Betroffene
Der Menschheitstraum vom Fliegen: Für jeden Dritten ist es eher ein Alptraum, wie eine Studie des Allensbacher Instituts für Demoskopie herausgefunden hat. Diese Menschen leiden vor und während des Flugs unter Angstzuständen und Panikattacken. Atemnot, Schwindel und Herzrasen sind nur drei der typischen Symptome von Flugangst, die in der Fachsprache Aviophobie genannt wird.

Kein Grund zur Panik? Jeder Dritte hat Angst vorm Fliegen.
Foto: Dreamstime

„Wer trotzdem fliegen muss, dämpft seine Ängste dann oft mit Alkohol oder Psychopharmaka“, sagt der Mediziner und Psychologe Marc-Roman Trautmann. „Spätestens dann wird es Zeit, professionelle Hilfe aufzusuchen“, rät der Gründer und Leiter des Deutschen Flugangst-Zentrums (DFAZ). In Einzel- und Gruppenseminaren betreuen er und sein Team bis zu 1000 Betroffene im Jahr.

Das DFAZ gilt als größter Anbieter von Flugangstseminaren im deutschsprachigen Raum. „Je größer das Flugangebot wird, desto stärker steigt auch die Nachfrage seitens der Betroffenen“, hat Trautmann festgestellt. Besonders hoch sei der Anteil an Geschäftsreisenden: „Die machen mehr als zwei Drittel aus.“ Einen besonders gefährdeten Typs habe er aber trotz seiner jahrelangen Erfahrung noch nicht ausgemacht. „Bei 68 Prozent aller Fälle kam die Angst aus dem Nichts, nur bei 23 Prozent lässt sie sich auf ein negatives Flugerlebnis wie starke Turbulenzen oder eine problematische Landung zurückführen“, sagt er. Dem Rest sei die Sache mit dem Fliegen einfach suspekt.

Andere Atemtechnik erlernen

Woher auch immer die Flugangst kommt: Sie ist heilbar. „Angst hat oft mit Stress zu tun“, weiß Trautmann. Insbesondere Geschäftsreisenden rät er deshalb, Flüge entspannt anzugehen und viel Zeit einzuplanen. In seinen Seminaren vermittelt er den Teilnehmern hilfreiche Entspannungsübungen und Atemtechniken, gibt aber auch Informationen zu technischen Details. Am Ende der meisten Seminare steht ein Flug: „Nur wenn man die Sache aktiv angeht, erzielt man Erfolge“, zeigt sich Trautmann überzeugt. Gut 92 Prozent seiner Kunden sind anschließend geheilt. Patrick Ehring ist einer von ihnen. „Ich steige heute ganz unbefangen in ein Flugzeug“, sagt er und traut sich mittlerweile sogar einen Langstreckenflug zu. 2009 soll es erstmals in die USA gehen.

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