Fluggastrechte

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Welche Airline haftet bei Code-Share-Flügen?

Gebucht ist bei Airline A, es fliegt jedoch Airline B. Muss ich mir das als Passagier gefallen lassen? Und was ist mit der Entschädigung? Welche der Fluggesellschaften zahlt, wenn sich der Flug verspätet?

von Oliver Graue, 11.04.2016, 09:00 Uhr
Dr. Alexander Skribe ist Vertragsanwalt des Verbraucherschutzportals www.fairplane.de.
Foto: Studio Huger

Leser fragen, Experten antworten: BizTravel und das Verbraucherportal Fairplane.de setzen ihre Serie rund um Fluggastrechte fort.

Frage: Gebucht ist bei Airline A, es fliegt jedoch Airline B. Muss ich mir das als Passagier gefallen lassen? Und was ist mit der Entschädigung? Welche der Fluggesellschaften zahlt, wenn sich der Flug verspätet?

Dr. Alexander Skribe: Seit Jahren steigt die Anzahl der Flüge im sogenannten Code-Share-Verfahren. Das bedeutet, dass Fluggesellschaften fremde Maschinen unter eigener Flugnummer vermarkten. Beim Code-Share vergibt also eine Airline Flüge an eine andere Fluglinie als Subunternehmer. In Deutschland sind Air Berlin und Etihad Airways typische Beispiele. Auch Lufthansa und Air China teilen sich Flüge. Grundsätzlich ist das Verfahren erlaubt. Auch wenn sie auf ihrer Reise etwa den Standard eines bestimmten Anbieters bevorzugen, müssen die Passagiere die Beförderung durch das Flugzeug eines anderen Unternehmens akzeptieren.

Neues Urteil: Das ausführende Unternehmen haftet

Welche der Fluggesellschaften gegenüber dem Fluggast haftet, wenn sich der Flug verspätet oder annulliert wird, wurde erst Anfang 2015 gerichtlich festgeschrieben. Auch wenn eine Airline einen Flug an eine andere vergibt, bleibt sie das ausführende Unternehmen und Fluggäste können sie demnach bei Verspätungen ab drei Stunden zu Entschädigungen heranziehen. Vereinfacht gesagt, haftet nach Reiserecht in der Regel die Fluggesellschaft, die auf der Buchungsbestätigung steht.

Hier greift das Fluggastrecht

Die Haftung bei Code-Share-Flügen ist eine Besonderheit. Seit 2004 werden andere Streitfälle aus dem Flugverkehr in der Fluggastrechte-Verordnung geregelt. Sie gilt für Passagiere von Flügen, die in der EU angetreten werden oder von Flügen, die von einer Airline mit Sitz in der EU, Island, Norwegen oder Schweiz durchgeführt werden und die EU als Ziel haben. Sie gilt hingegen nicht, für Flüge aus Drittländern in die EU mit in Drittländern registrierten Fluglinien.

Ausgleichszahlungen bis zu 600 Euro

Die Fluggastrechte-Verordnung legt fest, welche Rechte der Passagier hat, wenn er gegen seinen Willen nicht befördert wird - oft wegen Überbuchung. Auch wird dort festgeschrieben, wann dem Passagier Ausgleichszahlungen zustehen. Auch die Höhe der Entschädigungen ist geregelt: Sie liegt zwischen 250 und 600 Euro, je nach Flugdistanz. Zusätzlich regelt die Verordnung, welche Versorgungsleitungen die Airline erbringen muss, wann Sie Ihren Flug bei Annullierungen oder großen Verspätungen stornieren und umbuchen dürfen und wie die Airline die Passagiere über Annullierungen und ihre Rechte informieren muss.

Die Fluggastrechte durchsetzen

Tritt ein Fall ein, der von der Fluggastrecht-Verordnung gedeckt ist, reicht es zunächst, das entsprechende EU-Beschwerdeformular auszufüllen, das online abzurufen ist. Dies ist bis zu drei Jahre nach dem eingetretenen Schadenfall möglich. Auch Geschäftsreisende können persönliche Entschädigung verlangen: Sie steht direkt dem Reisenden zu, und nicht dem Arbeitgeber.

Keine Entschädigung bei Spezialtarifen

In einigen Fällen greift die EU-Verordnung allerdings nicht. Wer selbst zu spät am Check-in angekommen ist und nicht pünktlich zur Abfertigung bereit stand, kann keine Entschädigung einfordern. Auch Fluggäste, die kostenlos oder zu einem reduzierten Tarif reisen, der für die Öffentlichkeit so nicht verfügbar ist, können bei Verspätung oder Nichtbeförderung keine Ansprüche durchsetzen.

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