Flugpreise

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Nur Blöde mögen’s einfach

Ticketpreise sind längst undurchschaubar und Vertriebssysteme äußerst komplex geworden. Endlich ist Schluss mit simpel! Moderne Technologie gibt uns die Chance zu grenzenloser Verkomplizierung.

von Oliver Graue, 25.07.2017, 16:09 Uhr

Die Zeiten, in denen es noch einfach war, den Preis eines Flugtickets zu verstehen, sind vorbei. Zum Glück – denn die moderne Technologie gibt uns die Gelegenheit, Dinge endlich so stark zu verkomplizieren, dass sie kein Mensch mehr versteht. Komplexe Vertriebssysteme, disruptive Technik und Digitalisierung wischen jede Art von Transparenz vom Tisch, nach dem Motto: Nur Blöde mögen es einfach.

Besonderer Dank etwa gebührt den Billigfliegern. Seitdem sie in den Markt vorgestoßen sind, ist endlich Schluss mit klaren Ticketpreisen, die leicht vergleichbar und ebenso leicht über einheitliche Reservierungssysteme zu beziehen waren und darüberhinaus sämtliche Leistungen einschlossen. Heute dürfen wir für Gepäck, Mahlzeiten, XL-Sitze und Reservierungen extra bezahlen. Erst kürzlich kündigte eine Fluggesellschaft in einer Pressemitteilung an, sie werde nun endlich auch ihr "Flugerlebnis optimieren". Sprich: den Service streichen und Zusatzgebühren erheben.

Dabei sind wir über die reinen Gepäck-Extra-Kosten längst hinaus. Inzwischen sind die Kofferpreise dynamisch, das heißt, sie unterscheiden sich je nach Nachfrage und Zeitpunkt der Gepäck-Registrierung. Und natürlich danach, ob am Abreisetag Vollmond ist oder nicht.

Ein attraktives Prinzip, was die Flugbuchung angeht, hat sich nun United Airlines zu eigen gemacht: Die Fluggesellschaft verkauft zunächst Tickets an ihre Passagiere, um ihnen diese wenige Tage vor dem Flug wieder abzukaufen und 250 US-Dollar draufzulegen. Logisch: Die meisten Leute buchen ihre Flüge ja erstmal nur versehentlich und freuen sich daher, sie wieder zurückgeben zu können und dabei auch noch zu verdienen. Und anders als bei Amazon oder Zalando, wo man in 99 Prozent der Fälle ebenfalls zunächst irrtümlich bestellt und daher alles umtauschen muss, geschieht dies bei United sogar auf Anforderung.

Die Idee dahinter: Die Airline will die zurückgekauften Tickets erneut verkaufen – dann aber viel teuer. Also: ursprünglicher Preis + 250 US-Dollar + Gewinnmarge. Gut, dass denen bislang niemand verraten hat, dass man auch von Anfang vernünftige und auskömmliche Preise machen könnte. Denn das würde die Sache wieder gefährlich vereinfachen, also de-optimieren. Und wozu hätten wir dann unsere moderne Technologie?

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