Seite 2 von 2

Abschied vom Statussymbol

Wichtig: Free Floating unterscheidet sich deutlich von solchen Sharing-Economy-Angeboten, wie sie etwa durch Uber in die Diskussion gekommen und von deutschen Gerichten verboten wurden. Während bei Ersterer das reine Auto geteilt wird, sind es bei Letzterem ganze Fahrten samt Fahrer, die in der Regel über eine Plattform vermittelt werden (Ride-sharing). In Deutschland sind dabei nur noch klassische Chauffeurdienste erlaubt; Privatfahrer ohne entsprechende Lizenz (Uber Pop) dürfen keine Fahrten mehr anbieten.

Fest steht: Für viele jüngere Menschen stellt ein Dienstwagen nicht mehr unbedingt ein Statussymbol dar. Und Free Floating funktioniert recht einfach: Unternehmen handeln spezielle Firmenraten aus, und für die Bezahlung wählen sie zwischen zwei Optionen – Abbuchung über ein Firmenkonto mit monatlicher Sammelabrechnung oder aber Profile für die einzelnen Nutzer. Diese bezahlen ihre Fahrten dann zunächst selbst, bekommen die Ausgaben aber über ihre Reisekostenabrechnung erstattet.

Share Economy für Flughafenfahrten

Bei Bayer können die Nutzer jeweils zwischen ihrem privaten und geschäftlichen Profil auswählen. „Bei uns ist Carsharing in den Reiserichtlinien genannt, die Nutzung ist aber freiwillig“, sagt Wilczynski. „Wir waren erfreut, dass sich in relativ kurzer Zeit mehr als 2000 Nutzer registriert haben. Allerdings nehmen sie das Auto zu 85 Prozent für Privatfahrten.“ Sein Ziel ist es, vor allem die kostenintensiven Fahrten zum Flughafen durchs Autoteilen zu ersetzen. Denn dabei fallen immer hohe Kosten an: entweder fürs Taxi oder für die Parkplätze. Carsharing-Autos hingegen lassen sich vor Ort einfach abstellen. Noch in diesem Jahr will Wilczynski das Angebot in einen Door-to-Door-Prozess einbetten. Auch Facebook arbeitet weltweit mit Free Floatern zusammen.

Dass es überhaupt zu einem Vertrag gekommen ist, hat der Pharmakonzern seiner Heimatstadt Leverkusen zu verdanken. Zwar sind die Anbieter eigentlich nur in Köln aktiv, haben aber – speziell für Bayer – die Domstadt kurzerhand um Leverkusen vergrößert. Für die Anbieter lohnt sich eine solche Ausweitung ihrer Kerngebiete durchaus, wenn dort große Konzerne sitzen, die das Modell mittragen, so Drive-Now-Chef Hofelich.

Dass ein Freefloater hingegen in die Peripherie geht, selbst wenn dort Unternehmen mit Zehntausenden Beschäftigten sitzen, ist unwahrscheinlich: Es würde der Geschäftsidee, die dem klassischen Carsharing zugrunde liegt, widersprechen. Denn schwarze Zahlen kann ein Anbieter nur schreiben, wenn seine Wagen mindestens acht- bis zehnmal am Tag genutzt werden und nicht stundenlang herumstehen. Aus Ulm, seiner ersten Stadt, hat sich Car2Go aus diesem Grund zurückgezogen. Mindestens 500.000 Einwohner sind Voraussetzung für ein profitables kommerzielles Carsharing-Konzept.

Neben der hohen Einwohnerzahl sollte zudem ein dichtes Verkehrsnetz aus Bus und Bahn vorhanden sein. Denn auch Firmenkunden nutzen Carsharing nicht unbedingt als Insellösung, sondern als Teil eines Mobilitätsgesamtkonzepts, etwa für Teilstrecken zum Bahnhof oder eben zum Airport. Michael Müller, Travel Manager von Daiichi Sanyko, ist für eine Mobilitätslösung, die auf eine flexible und verknüpfte Nutzung der Verkehrsmittel setzt, mit dem Business-Travel-Award ausgezeichnet worden.

Travel Manager wie Roland Bruckmann allerdings dürften auch in Zukunft vergeblich auf ein echtes Carsharing-Angebot hoffen, ist in ihrem Gebiet nicht zufällig ein ehrenamtlicher Verein, ein Autohaus oder eine Energiegenossenschaft mit derartigen Angeboten präsent. Doch selbst dann dürfte die Integration in einen professionellen Travel-Management-Prozess zum Problem werden.

Corporate Carsharing: Firmeninternes Teilen als Alternative

Eine Alternative zum Free Floating, welche sich Firmen anbietet, sind Mischmodelle zwischen Carsharing und Leasing. Unter dem Begriff Corporate Carsharing handelt es sich dabei zumeist um eine firmeninterne Flotte, die jedoch von einem Carsharer finanziert, bereitgestellt und nach dem tatsächlichen Bedarf abgerechnet wird. Die Autos, die allerdings nur an bestimmten Stationen geparkt werden dürfen, sind über Intranet zu buchen und mit Hilfe eines auf dem Führerschein aufgeklebten RFID-Chips zu öffnen. Über einen Bordcomputer meldet sich der Mitarbeiter an. So lässt sich nicht nur kostenstellengenau abrechnen, sondern auch eingeben, ob das Auto dienstlich oder privat genutzt wird. Letzteres erlauben Konzerne wie der Münchner Chiphersteller Infineon ihren Beschäftigten zumindest nach Feierabend und am Wochenende. Die Gebühr ist dabei so gestaltet, dass kein geldwerter Vorteil anfällt. Zu den größten Anbietern zählen neben den klassischen Mietwagenfirmen auch die Autohersteller; BMW etwa nennt seine entsprechende Tochter Alphabet. Das Corporate Carsharing wächst: Während 2014 noch 2000 Fahrzeuge in Deutschland gezählt wurden, sollen es nach Schätzung der Beratung Frost & Sullivan im Jahr 2020 bereits 100.000 sein.
Ein etwas anderes Modell verfolgt die Deutsche Bahn: Die Fahrzeuge ihres Carsharing-Angebotes Flinkster sind an etwa 1000 Stationen in Deutschland geparkt – vor allem natürlich an den Bahnhöfen. Auch die Avis-Marke ZIPCAR hat für ihre Autos feste Standorte, bietet aber auch Firmen an, sich diese auf den Hof zu stellen.

1 spacer 2
 
 

Weitere Business Travel-Themen

Verpflegungspauschale
(0)

Neue Sachbezugswerte für 2017

Die amtlichen Werte, die für Mahlzeitengestellung außerhalb von Dienstreisen anzusetzen sind, wurden leicht erhöht. Der Betrag für Unterkunftskosten bleibt gleich. mehr

 
© 2017 FVW Medien GmbH, Alle Rechte vorbehalten
Impressum AGB Datenschutz Kontakt Media