Geschäftsreise und Flotte

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Wo wirklich Synergien liegen

Es gibt zwar Synergien, doch diese sind eher gering. In der Praxis managen Firmen die beiden Bereiche oft getrennt voneinander, so eine Studie.

von Oliver Graue, 09.11.2016, 09:22 Uhr
30 Seiten Daten: Roland Vogt und Timo Darr mit ihrer Studie.
Foto: BizTravel

Für Timo Darr und Roland Vogt war es eine Überraschung: Fast jedes zweite Unternehmen in Deutschland nutzt bereits Synergien im Management von Geschäftsreisen und Fuhrpark. „Einen so hohen Wert hatten wir nicht erwartet“, sagt Darr, Inhaber von Darr Mobility Concepts. Gemeinsam mit Roland Vogt von Fleetcompetence Deutschland hat er die Marktstudie Travel- und Fleetmanagement 20161) erstellt. Diese besagt auch: Gut 50 Prozent der Firmen packen die Bereiche Dienstreise und Flotte unter einen Hut. Klingt zunächst gut. Wer aber hinter die Kulissen schaut und nach wirklichen Synergien fragt, der ist schnell ernüchtert.

Reise und Flotte zu einem integrierten Mobilitätsmanagement zusammenfassen? „Darüber geredet wird viel“, sagt Darr. „Wir wollten mit der Studie herausbekommen, ob es sich dabei um mehr als um eine vollmundige Vision handelt.“ Grundlage bildete eine Bachelor-Arbeit der Hochschule München. Insgesamt haben sich 61 Unternehmen beteiligt.

Fehlendes Potenzial

Ergebnis: Nur die Hälfte derer, die Reise und Flotte an selber Stelle ansiedeln, nutzen Synergien. Oft sind in solchen Fällen zwar beide Segmente im Einkauf zu finden, wo sie jedoch getrennt voneinander betrieben werden. „Gerade beim Einkauf verwundert das“, bilanziert Darr: „Sollte man doch annehmen, dass diese Abteilung die erste ist, die mögliche Spareffekte durch Synergien nutzen würde.“

Fraglich ist allerdings, ob es solche überhaupt gibt. „Die meisten derer, die nicht auf Synergien setzen, sehen gar kein Potenzial dafür“, zitiert Roland Vogt denn auch ein weiteres Studienresultat: „Hinzu kommen fehlende Ressourcen, zu geringes Wissen und mangelnde Organisation.“

Immerhin haben laut Umfrage 72 Prozent der Firmen ihre Reise- und 56 Prozent ihre Flottenausgaben durch Synergien reduziert – wenn auch in geringem Ausmaß. „Dies geschah aber meist nicht deshalb, weil man sparen wollte“, analysiert Darr, „sondern einfach, weil man durch gute Kooperation der Travel- und Fuhrpark-Verantwortlichen die klassischen Hausaufgaben in den jeweiligen Segmenten gemacht hat.“ Gemeinsame Prozesse hingegen waren nicht der Grund.

Und vor personellen Zusammenlegungen der Bereiche schreckt die große Mehrheit der Unternehmen zurück. „Das bringt oft nur Unruhe “, so Darr: „Denn dann wird entweder der Travel- oder der Fuhrpark-Manager plötzlich zum Vorgesetzten des anderen.“ Verabschiedet sich hingegen einer der beiden in den Ruhestand, wird seine Aufgabe mitunter dem anderen übertragen. „Aber nicht, weil man sich Einsparungen erhofft, sondern weil man eine Verwandtschaft der Themen sieht.“

Und: Nutzen Firmen Synergien, dann beziehen sich diese fast immer nur auf den Mietwagen. „Er ist die Schnittstelle zwischen Travel und Flotte“, so Vogt. Zum einen, weil sich Volumen konsolidieren lässt, zum anderen, weil man auf einen Teil der Anmietungen verzichten könnte, wenn man den Fuhrpark effektiver auslasten würde. Und genau hier sehen die beiden Berater Potenzial: Ein einheitliches Portal könnte bei Anfragen auf mehrere Mobilitätsformen zurückgreifen, vom Fuhrpark über Mietwagen bis zum Car Sharing.

Das aber ist Zukunftsmusik. „Noch sehen nur wenige Bedarf hierfür“, sagt Vogt. Das zeigt im Übrigen ein anderes Ergebnis der Studie: Nur 28 Prozent der Travel und Flottenmanager kennen überhaupt die Daten des jeweils anderen Bereichs. „Die Organisation der beiden Segmente wird getrennt bleiben“, bilanziert Darr. „Wer seine Prozesseffizienz verbessern will – etwa im Sinne eines einzigen Mobilitätsportals – sollte aber in der Praxis auf Gemeinsamkeiten setzen.“

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