Geschäftsreisen der Zukunft

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So reist ein Digital Native

Woran orientieren sich die Geschäftsreisenden von morgen? Und was folgt daraus für die Arbeit der Travel Manager? Ein Blick in die Zukunft.

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von Oliver Graue, 03.03.2016, 14:00 Uhr
Das Büro ist dort, wo ich bin: Digital Natives sind flexibel.
Foto: Dmytro Sidelnikov / Alamy Stock Photo

Wohnsitz? Welcher Wohnsitz? Kai, 25 Jahre, lebt bei einer Familie in Hongkong, als eine Art männlicher Au-pair. Davor hat er drei Jahre lang Kinder und Küche in einem indonesischen Haushalt gehütet. Wann immer es die Zeit erlaubt, reist er, schaut sich die Gegend an. Und sein Geld verdient er bei einem Eventanbieter. Rein virtuell natürlich. Das Laptop, sein Büro, hat er immer dabei. Ob ein solches Leben glücklich macht, darüber lässt sich streiten. Auch wenn Kai nicht immer froh wirkt, so zeigt er sich dennoch als Trendsetter: Fast immer ist er unterwegs und trennt kaum mehr zwischen Arbeit und Freizeit. Digital Natives – so heißt die Generation der heute 18- bis 35-Jährigen, zu Deutsch: digitale Ureinwohner. Für die Wirtschaft stellen die Millennial Traveler, wie man sie auch nennt, eine Herausforderung dar: Was wollen sie? Wie reisen sie? Auf welchen Wegen und mit welchen Produkten lassen sie sich ködern? Wie kommt man an ihr Geld? Doch es geht nicht nur um ein neues Konsum- und Urlaubsverhalten.

Wichtige Trends im Travel Management

„Durch die veränderten Lebenseinstellungen der jungen Menschen wird sich auch Business Travel gehörig verändern“, sagt Andreas Reiter, Chef des ZTB-Zukunftsbüros in Wien. In seinem Vortrag „Business Traveller 2025 – wie sieht der Geschäftsreisende von morgen aus?“, den Reiter vor der österreichischen abta hielt, führte er gleich mehrere Trends auf, mit denen sich Travel Manager beschäftigen sollten. Solche Entwicklungen erörtert aber auch der VDR-Trends-Port, zu dem sich jedes Jahr Mitglieder des Verbandes treffen, um die Mobilität von morgen zu beschreiben. BizTravel erläutert die wichtigsten Trends.

1. Der Arbeitsplatz reist mit

„Den Herausforderungen der neuen Arbeitswelt können die deutschen Unternehmen nicht mehr mit einer überholten Präsenzkultur begegnen“, heißt es im jüngsten Trends-Port-Bericht. „Flexibilität und Mobilität in allen Bereichen sind gefordert.“ Das bedeute auch, dass Geschäftsreisen künftig mehr seien als nur das Unterwegssein zu Terminen – es gehe um die „Mobilität des Arbeitsplatzes“. Aufgabe des Travel Managers ist es demnach, dafür zu sorgen, „dass der virtuelle Arbeitsplatz auf Reisen ständig verfügbar ist“, so die VDR-Propheten. Nicht nur Flüge und Hotels müssen organisiert werden, sondern auch der Zugang zu Hard- und Software wie Laptop und die Verknüpfung zu nachgelagerten Systemen im Unternehmen. Damit aber steigen auch die Anforderungen an die persönliche Sicherheit der Beschäftigten und an den Schutz sensibler Daten, auf die sich von überall her zugreifen lässt. Für all dies setzt der Travel Manager Mobilitätsrichtlinien um.

Was ist ein Digital Native?

Digital Natives, also „digitale Ureinwohner“, sind mit dem Internet aufgewachsen, also nach 1980 geboren. Dazu in Gegensatz stehen die Digital Immigrants: Digitale Einwanderer, die erst als Erwachsene mit der virtuellen Welt in Berührung gekommen sind. Nach Ansicht von Soziologen hat der ständige Kontakt mit Internet, Computerspielen, E-Mails, Handys, SMS und Social Media bei deren Nutzern zu anderen Hirnstrukturen und damit zu einem anderen Denken geführt. So wollen sie ständig mit anderen vernetzt und schnell informiert sein, machen verschiedenste Dinge gleichzeitig, bevorzugen Bilder und Grafiken statt Texte und wollen bewerten und belohnt werden. Virtuell und real trennen sie oft gar nicht mehr, äußern gern die eigene Meinung und fordern Inhalte im Internet kostenlos ein (Open Sourcing).

2. Digital Natives leben hybrid

Ein zweiter Trend folgt aus dem ersten: „Die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit lösen sich bei den Digital Natives grundlegend auf“, sagt Zukunftsforscher Reiter. Gearbeitet wird immer und überall. Weder wird streng zwischen Dienst- und Privatzeiten unterschieden, noch wird pünktlich zum 67. Lebensjahr Schluss gemacht. Entweder weil sie zwischendurch mal ein Sabbatical eingelegt haben oder weil sie einfach noch Lust aufs Tätigsein haben, verlegen die Digital Natives ihren Ruhestand nach hinten. „Das ist auch wichtig fürs Travel Management“, sagt Reiter: Ein 70-Jähriger ist auf Reisen nicht mehr so agil wie ein 30-Jähriger. Barrierefreiheit in Hotels und Verkehrsmitteln rückt damit ebenso in den Fokus wie bequemeres Reisen – etwa durch Direkt- statt Umsteigeflüge oder durch die Business oder Premium Economy Class statt der Holzklasse.

3. Trotzdem Work-Life-Balance

Digital Natives arbeiten zwar gern und ohne Stechuhr, wichtig sind ihnen dennoch das Ideal eines ausbalancierten Lebens und sanfte Karrieren, so Reiter. Dazu gehört, dass Stress so weit wie möglich ausgeschaltet wird – auch bei der Reise. Buchen, umbuchen, unterwegs sein, kommunizieren, abrechnen: All dies muss einfach und bequem zu erledigen sein. Travel Manager stellen dazu „Software und Anleitungen bereit, welche die Buchung, die Reise selbst und die Kommunikation unterwegs erleichtern“, so der VDR: „Das können Apps für den Reiseprozess sein, virtuelle Bezahlmöglichkeiten, aber auch Optionen zur nachhaltigen Reisevermeidung durch passende Alternativen.“ Und weil das Thema Sicherheit auch junge Menschen umtreibt, müssen Travel Manager Sicherheitsstandards formulieren und kommunizieren.

 
 
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