Green Meetings

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Was man wirklich tun kann

Travel- und Event Manager halten ökologische Events zwar für wichtig, zögern aber noch bei der Umsetzung. Dabei erleichtern Siegel und Programme die Hotelauswahl.

von Anja Wagner, Oliver Graue, 11.01.2016, 09:00 Uhr
Hoch im Kurs: frische Kost aus der Region.
Foto: Thinkstock

MICE-Planer haben heute ein großes Interesse an grünen Veranstaltungen. Studien ergeben aber gleichzeitig, dass eher wenige dieses auch umsetzen. So werden beispielsweise nur bei jeder zweiten Konferenz die Namensschilder recycelt. Außerdem verfügt die große Mehrheit der Firmen über keine Richtlinien für nachhaltiges Wirtschaften.

„Was hindert Veranstalter an einer umweltfreundlicheren Event-Organisation?", hat das Portal Xing gefragt. 30 % geben fehlendes Wissen als Hauptgrund an. Für 24 % spielt das Geld und für 19 % die Zeit eine wichtige Rolle. Interessant: Entsprechende Angebote werden durchaus genutzt, wenn sie bequem umzusetzen sind. Besonders erfolgversprechend ist es, wenn sich eine ganze Region der Nachhaltigkeit verschreibt.

Vorbildliches Norwegen

Als eines der führenden Länder gilt Norwegen. Im MICE-Sektor verleiht die norwegische Reisebranche das weltweit einzigartige Gütesiegel Sustainable Destination für ökologisch arbeitende Regionen im Land. Diese müssen bei der Natur- und Kulturnutzung strenge Auflagen erfüllen, gute Gastgeber sein und den Gästen Angebote im Zusammenhang mit Nachhaltigkeit und Naturschutz machen.

Auch in Deutschland mischen skandinavische oder zumindest nordisch geprägte Hotelketten wie Scandic und Rezidor (Radisson, Park Inn) vorn mit, wenn es ums Umweltbewusstsein geht. Rezidor etwa will bis Ende 2016 seinen Energieverbrauch von 2013 um gut 25 % gesenkt haben. Das Unternehmen setzt auf Technik, etwa auf effiziente Beleuchtung, LED-Lampen im Fahrstuhl, flexible Küchenabluftsysteme und kleinere Warmwasserboiler. Aber selbst ganze Regionen proklamieren Nachhaltigkeit für sich. „Unsere Pauschalen umfassen Lebensmittel, die von regionalen Anbietern stammen“, verspricht etwa Osnabrück. „Getränke servieren wir nur in Glasmehrwegflaschen, und unser Bio-Menü wird aus ökologisch erzeugten Produkten aus dem Osnabrücker Land zubereitet.“

Eigene Öko-Konzepte

Und: Immer mehr Hotels bieten eigene Green-Meeting-Konzepte an. Accor etwa engagiert sich markenübergreifend mit seinem Nachhaltigkeitsprogramm „Planet 21“ und unterstützt den Kodex „Fairpflichtet“. Als Vorreiter gilt Ibis, das als erste Hotelkette weltweit nach ISO 14001 zertifiziert wurde. Novotel folgt bis Ende des Jahres. Zu den bekanntesten Siegeln, an denen sich Travel und Event Manager bei der Wahl eines ökologisch fokussierten Hauses halten können, gehört das vom VDR vergebene Certified Green. Kettenmitglieder zum Beispiel von Leonardo, Mercure oder Pullman tragen es mittlerweile ebenso wie Einzelhäuser wie das Hotel Vier Jahreszeiten in Starnberg.

Zusätzlich schicken manche Hotels und Kongresszentren ihre Mitarbeiter auf Nachhaltigkeitsschulungen, etwa von My Green Meeting, um nach guten Ideen Ausschau zu halten. „Dabei geht es gar nicht um Verzicht“, sagt Tanja Bäuerle aus dem Grün-Team der Stuttgarter Liederhalle. „Aber wenn wir unseren Kunden sagen, dass wir zum Beispiel alle
weniger Abfall möchten, dann führt das irgendwann zu einem Umdenken.“ Und: „Grüne Events sind nicht teurer, sie erfordern nur bessere und kreativere Planung“, so Bäuerle.

Lobby mit E-Anschluss

Eine dieser Ideen, welche unter anderem die NH Hotel Group umsetzt, ist die Förderung von E-Fahrzeugen. Als Paradebeispiel gilt das NH Berlin Friedrichstraße. In dessen Lobby können sich die Gäste nicht nur über E-Mobilität und intelligente Energie informieren, sie können sich auch direkt ein E-Bike, E-Car, einen Elektroroller oder Segway für eine umweltfreundliche Fahrt durch Berlin ausleihen.

Eines sollten Event Manager jedoch immer beachten: Mehr CO2 als bei der Veranstaltung selbst entsteht bei der Anreise. Stefan Baumeister von der Klimaagentur My Climate rät daher zu einer vollständigen CO2-Bilanzierung. Online-Portale wie Qxxit, die dies können, gibt es inzwischen reichlich. Und manch eine Software, etwa die von Comvel, rechnet sogar gleich den für alle Gäste am umweltfreundlichsten zu erreichenden Veranstaltungsort aus.

Green Meetings: Wichtige Siegel und Zertifikate

Certified Green Hotel: vom VDR vergeben. Geprüft werden 70 Kriterien in Bereichen wie Energie, Wasser, Abfall, Gastronomie und Anreise. Mindestens die Hälfte von 2500 Punkten muss erreicht werden. Das Siegel ist ein Zusatzmodul zu einem bereits erworbenen Basiszertifikat; 111 Häuser tragen die Auszeichnung. www.vdr-service.de

ISO 14401: Eher eine Zieleverpflichtung: Unternehmen sagen zu, ein Umweltmanagement umzusetzen. www.tc207.org

Greenglobe: Von US-Unternehmen verliehenes Umweltsiegel für Hotels, Locations, Convention Bureaus und Dienstleister. www.greenglobe.com

EMAS: Externer Umweltgutachter prüft die Nachhaltigkeitsmaßnahmen des Hotels. Basis ist ISO 14401. www.emas.de

Green Key: Öko-Siegel, dessen Kriterien über Gesetzesvorgaben hinausgehen. Partner sind Rezidor (Radisson, Park Inn) und Starwood. www.green-key.org

Biosphären-Zertifikat: Neben Umweltkriterien berücksichtigt das Siegel soziale und kulturelle Faktoren. www.biospheretourism.com

Bio-Hotels: Hotelkooperation, deren Mitglieder auf Bio-Catering setzen und Nachhaltigkeitskriterien erfüllen. www.biohotels.info

Ökoblume: EU-Umweltzeichen, das für Energie, Wasser und Abfall Vorgaben macht. www.ecolabel-tourism.eu

Fairpflichtet: Kein Siegel, sondern der Nachhaltigkeitskodex der Verbände GCB und EVVC mit 35 Leitsätzen. www.gcb.de

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