Großbritannien

(0)

Geschäftsreisen nach dem Brexit

Dank des schwächeren Pfund steigt die Zahl ausländischer Urlauber im Vereinigten Königreich. Doch wie wird sich der Geschäftsreiseverkehr entwickeln?

von Oliver Graue, 29.12.2016, 16:00 Uhr
beliebter Firmenstandort Docks

Die Urlauber freut es – zumindest für sie zeigen sich erste Auswirkungen des geplanten Brexit. Weil das britische Pfund nach der Volksabstimmung gegenüber dem Euro an Wert verloren hat, bekommen Inseltouristen derzeit etwas mehr für ihr Geld. Manche Hotels sind ein wenig günstiger zu buchen, vor allem jedoch macht der bessere Umtauschkurs Nebenkosten wie Restaurantbesuche erschwinglicher. Buchungsdaten zeigen denn auch eine eine deutlich erhöhte Auslastung auf den Flügen in Richtung England, Schottland & Co; zugleich verkünden die Hoteliers bessere Geschäfte.

Besonders aus den USA und Asien wächst die Zahl der Gäste. Die Unterkünfte profitieren aber auch vom Trend der Briten, ihren Urlaub angesichts der schwächelnden Währung im eigenen Land Urlaub zu verbringen. Konzerne wie TUI und Thomas Cook, die auf Auslandsreisen setzen, dürften aus diesem Grund zu den Verlierern des Brexit gehören.

Doch wie sieht es für den Geschäftsreiseverkehr zwischen Deutschland und Großbritannien aus? Bislang lässt sich darüber nur spekulieren: Großbritanniens Premierministerin Theresa May hat zwar deutlich gemacht, dass sie für einen „harten Brexit“ einsteht, die Verhandlungen darüber will sie jedoch erst im März kommenden Jahres beginnen.

Wichtigster Handelspartner

Fakt ist: Für Großbritannien ist Deutschland noch vor den USA der weltweit wichtigste Handelspartner. Umgekehrt steht das Vereinigte Königreich für Deutschland beim Handel an fünfter Stelle, stellt jedoch den drittwichtigsten Exportmarkt dar. Insgesamt weist der bilaterale Warenhandel einen Überschuss von mehr als 50 Mrd. Euro zugunsten der Bundesrepublik auf und hat damit eine enorm hohe Bedeutung. Auch die gegenseitige ökonomische Vernetzung sind eng: In Großbritannien sind 2500 deutsche Betriebe mit 370.000 Beschäftigten tätig – hierzulande wiederum engagieren sich 3000 britische Firmen.

Dementsprechend umfangreich ist auch der Geschäftsreiseverkehr zwischen den beiden Staaten. Im Ranking der europäischen Ziele nehmen sowohl Großbritannien (bei den Ländern) als auch London (bei den Städten) den Spitzenplatz ein. Und bei den von den Firmenkunden meistgeflogenen Strecken rangieren mit Frankfurt–London (Heathrow )und Düsseldorf–London (City Airport) laut jüngstem BCD-Barometer gleich zwei britische Routen unter den Top 3. Führend ist allerdings Frankfurt–Wien.

Zumindest die Briten selbst sehen die Sache denn auch gelassen. Eine Umfrage unter 500 Dienstreisenden von der Insel ergab jüngst, dass zwei Drittel von ihnen keinerlei Änderungen erwarten, was die Zahl und die Gewohnheit von Geschäftsflügen ins Ausland betrifft. Mehr als die Hälfte rechnet für 2017 sogar mit einem weiteren Anstieg der Flüge.

Doch wo im Business-Travel-Segment könnte es durch den Brexit überhaupt zu einem Wandel kommen? Wir stellen einige Mitmaßungen von Experten vor.

1. Die Zahl der Flugverbindungen nach Großbritannien könnte sinken. Das ist nach derzeitigem Stand aber unwahrscheinlich. Denn zumindest von Deutschland aus ist das Flugangebot in Richtung Vereinigtes Königreich momentan so groß wie selten zuvor, und es wächst weiter. Regionalflieger wie Flybe und BMI nehmen neue Verbindungen auf, und der für Geschäftsreisende günstig liegende London City Airport gewinnt neue Kunden. Dieser plant sogar eine Erweiterung; und London-Heathrow soll eine dritte Startbahn erhalten. Die Politik allerdings könnte die Freiheit des Flugverkehrs beschränken. Denn nur in der EU ist es den Airlines erlaubt, zwischen den Ländern der Union frei zu verkehren.

2. Wegen der schwächeren britischen Währung und der Neuaufstellung von Fluggesellschaften könnten die Flugpreise steigen. Diese Möglichkeit besteht durchaus, da die Airlines viele Leistungen in Euro bezahlen müssen und sie dadurch bedingte Preissteige- rungen an die Passagiere weitergeben werden. Das wiederum könnte zur Folge haben, dass britische Firmen ihre Beschäftigten aus Kostengründen seltener auf Reisen schicken – und die Airlines dadurch ihr Flugangebot wegen mangelnder Nachfrage reduzieren.

3. Auch die Fluggastrechte könnten betroffen sein: Die EU-Leitlinien verpflichten Airlines, bei Verspätungen und Streichungen eine Entschädigung zwischen 250 und 600 Euro an ihre Passagiere zu zahlen. Unklar ist, ob diese Rechte nach einem Brexit auch noch in Großbritannien gelten. Wenn nicht, würden Fluggäste, die mit einer britischen Airline etwa von London nach New York fliegen und dort deutlich verspätet landen, keine Entschädigung mehr erhalten. Für Flüge aus der EU nach England gilt die Regelung natürlich weiterhin.

4. Ein Visum für Großbritannien-Reisen dürfte es auch in Zukunft nicht geben – die negativen Folgen für den Tourismus wird London nicht riskieren. Es könnte jedoch sein, dass der Personalausweis für die Einreise nicht mehr ausreicht und der Reisepass nötig wird. Ansonsten dürfte sich wenig ändern, denn zur Schengen-Zone gehört die Insel auch jetzt schon nicht.

5. Telefonieren könnte teurer werden. Die EU will 2017 die Roaming-Gebühren abschaffen – natürlich nur für Telefonate zwischen den Mitgliedern der Union. Zunächst wird das auch für Großbritannien gelten, da der Brexit dann noch nicht vollzogen ist. Danach jedoch könnten die Mobilfunkanbieter die Gebühren wieder einführen. Bislang haben sie sich zu dieser Frage nicht geäußert.

Weitere Business Travel-Themen

Verpflegungspauschale
(0)

Neue Sachbezugswerte für 2017

Die amtlichen Werte, die für Mahlzeitengestellung außerhalb von Dienstreisen anzusetzen sind, wurden leicht erhöht. Der Betrag für Unterkunftskosten bleibt gleich. mehr

 
© 2017 FVW Medien GmbH, Alle Rechte vorbehalten
Impressum AGB Datenschutz Kontakt Media