Immer mehr Fluggesellschaften schlüpfen bei einer der drei großen Luftfahrt-Allianzen unter. Geschäftsreisende profitieren durchaus davon – Firmen sollten einige Regeln beachten.
Die Löcher sind gestopft: Mit Air Berlin hat nun auch das Flugbündnis Oneworld ein deutsches Mitglied an Bord. Die Star Alliance rollt mit TAM, Avianca-Taca und Copa den südamerikanischen Markt auf. Und das Skyteam verzeichnet mit China Eastern, China Airlines und Middle East gleich drei asiatische Neuzugänge.
Die Luftfahrt-Allianzen boomen. Bereits 65 Airlines haben sich ihnen angeschlossen – womit sie fast 70 Prozent des Luftverkehrs beherrschen. Nicht immer zur Freude der Geschäftsreise-Planer, wie bei einer Diskussionsrunde auf den ITB Business Travel Days deutlich wurde. Geleitet wurde sie von BizTravel – vor voll besetztem ITB-Saal.
„Allianzen nützen vor allem den Airlines selbst“, sagt Berater Andreas W. Schulz. „Im Bündnis können sie Ziele anbieten, die sie selbst nicht im Programm haben.“ Vorteile ergeben sich auch für Geschäftsreisende. Harmonisierte Flugpläne, kurze Umsteigzeiten und weltweite Lounges zählen dazu. Firmen wiederum profitieren von gemeinsamen Förderprogrammen.
Bei der ITB-Diskussion kamen aber auch kritische Aspekte zur Sprache. So berichtete Reisebüro-Inhaber Otto Schweisgut (Isaria, LCC24.com) von Beschwerden, wenn Kunden aus Qualitätsgründen eine bestimmte Fluglinie buchen, dann aber in eine ganz andere einsteigen müssten. Schweisgut: „Innerhalb von Allianzen ist Service nicht einheitlich.“
Von Problemen bei Einkaufsverhandlungen sprechen Travel Manager. „Das ist eine geballte Macht, die uns entgegentritt“, sagt Jörg Gerhardt, Geschäftsreise-Chef beim Chiphersteller Infineon. Und: „Warum soll ich mit 30 Fluglinien einen Vertrag schließen, wenn ich nur eine einzige brauche?“ Nachteilig ist das für solche Strecken, für die günstige Verträge mit einer unabhängigen Airline oder dem Mitglied einer anderen Allianz bestehen.
Für die Experten steht fest: Wer Verträge mit einer Allianz abschließt, sollte zuvor analysieren, ob er deren Mitglieds-Fluglinien tatsächlich nutzt. Wenn nicht, sind Einzelverträge oft die bessere Lösung. In einem Punkt allerdings geben sich Travel Manager beruhigt: Solange die Allianzen gegeneinander fliegen und auch innerhalb der Bündnisse intensiver Wettbewerb herrscht, ist die Gefahr von Monopolen gering. Gäbe es die, würden die Ticketpreise noch stärker steigen.
Firmenförderung: Wer mehrere Airlines einer Allianz nutzt, für den lohnt sich die Teilnahme am entsprechenden Firmenförderprogramm. Als einzige Allianz bietet Oneworld mit Businessflyer ein Programm an, das für alle Mitglieds-Airlines gültig ist. In der Star Alliance gilt die Partner-Plus-Benefit-Förderung nur für ausgewählte Mitglieder. Die Registrierungen sind einfach und kostenlos. Bei Partner Plus Benefit sammeln Firmen Punkte, die sie gegen Freiflüge eintauschen können. Für Businessflyer gelten von vornherein vergünstigte Tarife. Das Skyteam arbeitet noch an Plänen für ein Förderprogramm.
Meeting-Programme: Auch für Flüge zu Tagungen oder Events bieten die Allianzen Sondertarife – für die Organisatoren ebenso wie für die Teilnehmer. Skyteam nennt sein Angebot „Global Meetings“, Star Alliance „Convention Plus“.
Firmenraten: Häufiger schließen Allianzen mit Unternehmen Verträge über individuelle Sonderraten. „Corporate Plus“ heißt das Konzept bei Star Alliance, bei Oneworld nennt es sich „Global Alliance Corporate“ und bei Skyteam „Alliance Corporate Agreement“. Experten raten allerdings dazu, auch weiterhin Verträge mit einzelnen Fluggesellschaften zu schließen und sich nicht zu Allianz-Vereinbarungen drängen zu lassen. Letztere könnten das Travel Management verwässern, da den Reisenden dann mehr Airlines als nötig zur Verfügung stünden. Das könnte das Steuern auf bevorzugte Partner erschweren.
Gleichgewicht: Halten Sie bei streckenbezogenen Firmenverträgen ein Gleichgewicht zwischen den drei Airline-Allianzen, um deren Wettbewerbssituation zu nutzen und sich nicht zu sehr an eine einzige zu binden. Prüfen Sie auch immer wieder die Angebote unabhängiger Fluggesellschaften.