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Handy-Gespräche im Ausland

16.06.2009, 14:00 Uhr

Fernes muss nicht teuer sein

von Boris Graue

Wer aus Nicht-EU-Ländern zu Hause anruft, zahlt oft horrende Gebühren. Dabei gibt es Tricks, mit denen Geschäftsreisende viel Geld sparen können.

Mit einigen Kniffen lassen sich Handy-Rechnungen im Ausland reduzieren.
Foto: iStockphoto

Gerhard Dierckes ist ständig unterwegs. Auf internationalen Messen jagt der Computerfachmann aus dem Ruhrgebiet Schnäppchen nach, um gute Preise an seine Kunden weiterzugeben. Per Handy telefoniert er ausgiebig mit seinen Kollegen im Büro, um sich über Lagerbestände und Finanzsituation zu informieren. Das böse Erwachsen kam für den Unternehmer nach einem Messebesuch in der Schweiz: Die Handyrechnung fiel so horrend hoch aus, dass er sich manche Preisverhandlungen hätte sparen können. Dierckes ist in die Kostenfalle getappt – und das nicht zu knapp. Telefonieren im Ausland ist eh schon teurer als in Deutschland. Und: Sobald der Reisende die Grenze überschritten hat, zahlt er nicht allein für die abgehenden Anrufe, sondern muss auch für eingehende Gespräche aufkommen.

„Ist im Handy die Funktion ,Automatische Netzwahl‘ aktiviert, bucht es sich im Ausland in das sendestärkste Netz ein“, erklärt Karin Thomas-Martin, Telekommunikations-Expertin bei der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Durch das sogenannte Roaming ist der deutsche Vermittlungscomputer stets über Auslandsaufenthalte des Gerätes informiert. Aber: „Das stärkste Netz muss nicht unbedingt das preisgünstigste sein.“

Manuelle Netzwahl nutzen

In der Regel stehen im Ausland mehrere Netze zur Verfügung, mit denen der deutsche Anbieter Roaming-Verträge abgeschlossen hat. Deren Tarife fallen jedoch unterschiedlich hoch aus – ein Preisvergleich vor der Abreise kann dem Budget guttun. Hat man die günstigsten Betreiber am Reiseziel gefunden, kann man sie in den meisten Handys unter „Bevorzugte Netze“ abspeichern und vor Ort durch die „Manuelle Netzwahl“ aussuchen. In den meisten europäischen Nachbarländern kommt die EU dem Reisenden zur Hilfe: Der Preis für abgehende Gespräche darf dort maximal 54 Cent pro Minute betragen, ab Juli nur noch 48 Cent. Für Gespräche aus Nicht-EU-Staaten gibt es eine solche Regelung jedoch nicht. Hier kann der Geschäftsreisende durch die eigene geschickte Netzwahl über die Hälfte der Kosten sparen.

Wer oft ins Ausland reist, sollte seinen Mobilfunkvertrag auch danach auswählen, welcher Anbieter günstige Gespräche im Ausland offeriert. Wer diese Auslandsoptionen gewählt hat, für den gelten dann allerdings die gesetzlichen EU-Preise nicht. Für Vieltelefonierer, wie es Geschäftsreisende zumeist sind, rentieren sich die speziellen Auslandsoptionen in aller Regel dennoch.

SMS meist am günstigsten

Geld kann zudem sparen, wer sich im Reiseland eine Prepaid-Karte zulegt. Das lohnt sich vor allem dann, wenn man ein Ziel länger oder häufiger bereist. Doch Vorsicht: Teilen Sie Ihrer Firma und allen für sie wichtigen Personen in Deutschland sofort ihre neue Nummer mit – nur dann sind sie für diese erreichbar. Oder sie denken immer daran, ihre ausländische Prepaid-Karte nach selbst geführten Gesprächen sofort wieder gegen ihre deutsche Karte auszutauschen. Und umgekehrt natürlich auch.

Von E-Mails und Mailboxen

Vorsicht E-Mail: „Wer im Ausland wie gewohnt seine E-Mails abruft, ist schnell mehrere hundert Euro los“, warnt die Verbraucherzentrale. Die automatische E-Mail-Abfrage sollte man vor der Reise also unbedingt deaktivieren. Fast sorgenfrei reist es sich hingegen bald in EU-Ländern: Ab Juli darf 1,0 MB Datennutzung in der ersten Stufe nicht mehr als 1,19 Euro kosten. In Nicht-EU-Ländern ist das Internet-Café oder der WLAN-Spot im Hotel die richtige Wahl, will man böse Überraschungen vermeiden.

Kostenfalle Mailbox: Wer seinen Anrufbeantworter im Ausland aufruft, zahlt doppelt: die Gebühren fürs Ausland plus die Weiterleitung auf die Box beim deutschen Anbieter. Wer die Mailbox nicht komplett abschalten will, aktiviert am besten die „Absolute Rufumleitung“. Dadurch kommen Anrufe gar nicht bis zum Handy. Man muss dann aber regelmäßig seine Mailbox zu Hause abhören. Problem: Man ist nicht mehr direkt erreichbar. Dringend abzuraten ist von einer Anrufumleitung, etwa vom heimischen Festnetz. Die Kosten für die Weiterleitung aufs Handy muss allein der Reisende tragen – und das kann ganz schön teuer werden.

Für kurze Informationen ist meist eine Textnachricht (SMS) am preisgünstigsten. „Ab Juli wird eine SMS aus dem EU-Ausland mit maximal 13 Cent für viele Mobilfunkkunden sogar billiger sein als im Inland“, erläutert Karin Thomas-Martin. Dort liegt der übliche Preis bei etwa 19 Cent. Derzeit kosten SMS im Ausland mindestens 38 Cent. Außerhalb der EU wird das auch künftig so bleiben.

Wichtig auch für Gespräche, die ab Deutschland geführt werden: „In grenznahen Gebieten sollte man unbedingt die manuelle Netzwahl aktivieren“, warnt die Telekommunikations-Expertin von der Verbraucherzentrale. Denn selbst im Inland kann es passieren, dass sich das Handy dann automatisch in das sendestärkste Netz einbucht, und das muss kein deutsches sein. Besonders häufig kommen bei der Verbraucherzentrale Beschwerden vom Bodensee an: „Hier führt ein unbeabsichtigtes Daten-Roaming rasch zum finanziellen Super-GAU.“ Größte Vorsicht ist also auch für Notebook-Nutzer mit UMTS-Steckkarte geboten.

Dass Mobilfunkanbieter bisweilen über die Grenze funken, kann dem Geschäftsreisenden umgekehrt natürlich auch zugutekommen: Nicht selten lässt es sich in Nachbarländern noch über einige Kilometer hinweg in das günstige deutsche Netz einwählen. Vielreisende Geschäftsleute sollten dennoch immer das Gespräch mit ihrem Mobilfunk-Anbieter suchen, denn oft gibt es speziell auf sie zugeschnittene Roaming-Angebote. Bei der Deutschen Telekom etwa heißt ein neues Angebot für Geschäftskunden, das der Telefonriese in diesem Jahr auf der Cebit in Hannover präsentiert hatte, Smart Traveller.

Sondertarife für Vielreisende

„Es ermöglicht, im europäischen Ausland zu Inlandspreisen zu telefonieren“, erklärt Frank Wermeyer, Leiter Business Marketing bei T-Mobile, das Prinzip von Smart Traveller. Selbst Inklusivminuten aus Paketangeboten können mit auf die Reise genommen werden. Ähnliche Angebote gibt es auch bei den anderen großen Netzanbietern Vodafone, E-Plus und O2. Am besten, Sie schauen auf deren Internetseiten oder rufen dort einfach mal an.

Weltweit günstig telefonieren: die Tarife der vier Anbieter

T-Mobile: Seit Juni bietet T-Mobile seinen Geschäftskunden die Option Smart Traveller an. Man kann sie bei der Kundenbetreuung beantragen. Wer Smart Traveller wählt, kann seine Inklusivminuten auch im EU-Ausland und in der Schweiz, Norwegen und Kroatien nutzen (gilt für Relax Business, Combi Relax Business und Complete 60 bis 1200 Business). Kunden mit den Tarifen Business Profi, Max Flat und Combi Flat Business telefonieren zu 28,6 Cent pro Minute. Hinzu kommt ein Zuschlag von 75 Cent je Verbindung. In Vorbereitung ist die Option Asia Voice. Ab dem dritten Quartal 2009 soll sie in den Ländern China, Hongkong, Indien, Japan, Russland und Singapur gelten. Eingehende und abgehende Telefongespräche kosten dann 1,49 Euro pro Minute. Bei abgehenden Anrufen fallen zusätzlich 2,50 Euro pro Gespräch an. Für die Datenkommunikation stehen Geschäftskunden mit dem Asia Day-Pass 50 MByte zum Tagespreis von ca. 27 Euro zur Verfügung. www.t-mobile.de

Vodafone: Die Roaming-Option Reiseversprechen für Geschäftskunden gilt in allen EU-Staaten sowie in Ägypten, Albanien, Australien, Island, Japan, Neuseeland, der Schweiz, Liechtenstein und der Türkei. Die Minutenpreise bzw. Inklusivminuten sind identisch mit denen, die der Geschäftskunde innerdeutsch zahlt. Sowohl für abgehende als auch für eingehende Gespräche kommt ein jeweils einmaliger Zuschlag von 75 Cent hinzu. Ausnahmen: Wer die Super-Flat- und Professional-Tarife gewählt hat, zahlt für abgehende Gespräche 29 Cent pro Minute plus 75 Cent pro Verbindung. Innerhalb des Gastlandes kosten Gespräche jedoch grundsätzlich einmalig 75 Cent plus Minutenpreis bzw. Inklusivminuten wie für ein innerdeutsches Gespräch. www.vodafone.de

E-Plus: Der Roaming-Tarif Reisevorteil gilt in allen EU-Ländern sowie in Island und Liechtenstein. Für abgehende wie für ankommende Gespräche beträgt der Minutenpreis 29 Cent, bei abgehenden Gesprächen kommt ein jeweils einmaliger Zuschlag von 75 Cent hinzu. Verbindungen im restlichen Europa und in Nordamerika kosten 1,49 Euro pro Minute (ankommende Gespräche 69 Cent). Für die restliche Welt werden 2,49 Euro (abgehend) bzw. 1,79 Euro (ankommend) fällig. SMS kosten innerhalb der EU 29 Cent, in der übrigen Welt 39 Cent. Beim Tarif International werden beim Telefonieren innerhalb der EU 54 Cent pro Minute fällig. www.eplus.de

O2: Für Vieltelefonierer im Ausland bietet O2 neuerdings die Option My Europe Top an. Für abgehende Gespräche nach Deutschland und innerhalb desselben Landes zahlt der Nutzer 39 Cent pro Minute, eingehende Gespräche sind bis zur 100. Minute kostenlos. Ab der 101. Minute werden ebenfalls 39 Cent fällig. Der SMS-Versand kostet 29 Cent. Das Tarifmodell, für das eine Monatsgrundgebühr von acht Euro berechnet wird, gilt für alle EU-Staaten sowie für Kroatien und Liechtenstein. Ansonsten gelten bei O2 normale Auslandgebühren von 54 Cent (EU), 1,59 Euro (restliches Europa, Türkei, Nordamerika) und 2,99 Euro (restliche Welt). www.o2online.de

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