Wer aus Nicht-EU-Ländern zu Hause anruft, zahlt oft horrende Gebühren. Dabei gibt es Tricks, mit denen Geschäftsreisende viel Geld sparen können.
Gerhard Dierckes ist ständig unterwegs. Auf internationalen Messen jagt der Computerfachmann aus dem Ruhrgebiet Schnäppchen nach, um gute Preise an seine Kunden weiterzugeben. Per Handy telefoniert er ausgiebig mit seinen Kollegen im Büro, um sich über Lagerbestände und Finanzsituation zu informieren. Das böse Erwachsen kam für den Unternehmer nach einem Messebesuch in der Schweiz: Die Handyrechnung fiel so horrend hoch aus, dass er sich manche Preisverhandlungen hätte sparen können. Dierckes ist in die Kostenfalle getappt – und das nicht zu knapp. Telefonieren im Ausland ist eh schon teurer als in Deutschland. Und: Sobald der Reisende die Grenze überschritten hat, zahlt er nicht allein für die abgehenden Anrufe, sondern muss auch für eingehende Gespräche aufkommen.
„Ist im Handy die Funktion ,Automatische Netzwahl‘ aktiviert, bucht es sich im Ausland in das sendestärkste Netz ein“, erklärt Karin Thomas-Martin, Telekommunikations-Expertin bei der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Durch das sogenannte Roaming ist der deutsche Vermittlungscomputer stets über Auslandsaufenthalte des Gerätes informiert. Aber: „Das stärkste Netz muss nicht unbedingt das preisgünstigste sein.“
In der Regel stehen im Ausland mehrere Netze zur Verfügung, mit denen der deutsche Anbieter Roaming-Verträge abgeschlossen hat. Deren Tarife fallen jedoch unterschiedlich hoch aus – ein Preisvergleich vor der Abreise kann dem Budget guttun. Hat man die günstigsten Betreiber am Reiseziel gefunden, kann man sie in den meisten Handys unter „Bevorzugte Netze“ abspeichern und vor Ort durch die „Manuelle Netzwahl“ aussuchen. In den meisten europäischen Nachbarländern kommt die EU dem Reisenden zur Hilfe: Der Preis für abgehende Gespräche darf dort maximal 54 Cent pro Minute betragen, ab Juli nur noch 48 Cent. Für Gespräche aus Nicht-EU-Staaten gibt es eine solche Regelung jedoch nicht. Hier kann der Geschäftsreisende durch die eigene geschickte Netzwahl über die Hälfte der Kosten sparen.
Wer oft ins Ausland reist, sollte seinen Mobilfunkvertrag auch danach auswählen, welcher Anbieter günstige Gespräche im Ausland offeriert. Wer diese Auslandsoptionen gewählt hat, für den gelten dann allerdings die gesetzlichen EU-Preise nicht. Für Vieltelefonierer, wie es Geschäftsreisende zumeist sind, rentieren sich die speziellen Auslandsoptionen in aller Regel dennoch.
Geld kann zudem sparen, wer sich im Reiseland eine Prepaid-Karte zulegt. Das lohnt sich vor allem dann, wenn man ein Ziel länger oder häufiger bereist. Doch Vorsicht: Teilen Sie Ihrer Firma und allen für sie wichtigen Personen in Deutschland sofort ihre neue Nummer mit – nur dann sind sie für diese erreichbar. Oder sie denken immer daran, ihre ausländische Prepaid-Karte nach selbst geführten Gesprächen sofort wieder gegen ihre deutsche Karte auszutauschen. Und umgekehrt natürlich auch.
Für kurze Informationen ist meist eine Textnachricht (SMS) am preisgünstigsten. „Ab Juli wird eine SMS aus dem EU-Ausland mit maximal 13 Cent für viele Mobilfunkkunden sogar billiger sein als im Inland“, erläutert Karin Thomas-Martin. Dort liegt der übliche Preis bei etwa 19 Cent. Derzeit kosten SMS im Ausland mindestens 38 Cent. Außerhalb der EU wird das auch künftig so bleiben.
Wichtig auch für Gespräche, die ab Deutschland geführt werden: „In grenznahen Gebieten sollte man unbedingt die manuelle Netzwahl aktivieren“, warnt die Telekommunikations-Expertin von der Verbraucherzentrale. Denn selbst im Inland kann es passieren, dass sich das Handy dann automatisch in das sendestärkste Netz einbucht, und das muss kein deutsches sein. Besonders häufig kommen bei der Verbraucherzentrale Beschwerden vom Bodensee an: „Hier führt ein unbeabsichtigtes Daten-Roaming rasch zum finanziellen Super-GAU.“ Größte Vorsicht ist also auch für Notebook-Nutzer mit UMTS-Steckkarte geboten.
Dass Mobilfunkanbieter bisweilen über die Grenze funken, kann dem Geschäftsreisenden umgekehrt natürlich auch zugutekommen: Nicht selten lässt es sich in Nachbarländern noch über einige Kilometer hinweg in das günstige deutsche Netz einwählen. Vielreisende Geschäftsleute sollten dennoch immer das Gespräch mit ihrem Mobilfunk-Anbieter suchen, denn oft gibt es speziell auf sie zugeschnittene Roaming-Angebote. Bei der Deutschen Telekom etwa heißt ein neues Angebot für Geschäftskunden, das der Telefonriese in diesem Jahr auf der Cebit in Hannover präsentiert hatte, Smart Traveller.
„Es ermöglicht, im europäischen Ausland zu Inlandspreisen zu telefonieren“, erklärt Frank Wermeyer, Leiter Business Marketing bei T-Mobile, das Prinzip von Smart Traveller. Selbst Inklusivminuten aus Paketangeboten können mit auf die Reise genommen werden. Ähnliche Angebote gibt es auch bei den anderen großen Netzanbietern Vodafone, E-Plus und O2. Am besten, Sie schauen auf deren Internetseiten oder rufen dort einfach mal an.