Hotelmarkt

Hoteliers sehen nur Wachstum

Völlig euphorisch schmieden internationale Hotelketten Wachstumspläne – als gäbe es weder finanzielle Sorgen noch Unruhen in Nordafrika. Ein Bericht vom Hotel- und Investorentreff IHIF in Berlin.

von Sabine Pracht, 06.03.2013, 09:37 Uhr
Die schöne Hotelwelt kennt scheinbar keine Wachstumsgrenzen.
Foto: Thinkstock

Der Schuhputzer ist außer sich vor Freude: Schon 200 Schuhe hat er an diesem Tag auf Hochglanz gebracht – und das schönste: „Die Leute sind alle so entspannt und gut gelaunt.“ So etwas habe er lange nicht erlebt. Von Hilton engagiert, poliert der Australier hochrangigen Hotelchefs aus der ganzen Welt auf dem Internationalen Hotel- und Investment Forum (IHIF) in Berlin die Schuhe. Auf anderen internationalen Messen schimpften seine Kunden über die Wirtschaftskrise in Europa und wirkten desillusioniert.

Die Hotelszene ist eine Welt für sich. Euphorie, wohin man hört. „In den nächsten zehn bis 20 Jahren haben wir große Chancen“, sagt Hilton-Boss Chris Nassetta auf dem Podium. Neben ihm sitzen seine Wettbewerber: IHG-Chef Richard Solomons, Marriott-Boss Arne Sorensen und Starwood-Oberster Frits van Paasschen. Kopfnickend pflichten sie ihm bei: Der Tourismus global wächst. Die Hotellerie wird davon profitieren und muss so schnell wie möglich wachsen. In China, Indien, Russland, in Afrika, im Nahen Osten und natürlich auch in attraktiven Lagen in Europa. Davon sind sie alle überzeugt, egal mit welchem hochkarätigen Hotelmanager man in diesen Tagen in Berlin spricht. Die Ketten überbieten sich mit Wachstumsplänen als hätte es eine Wirtschaftskrise nie gegeben, als habe Europa keine Schulden und Nordafrika keine politischen Probleme. „Wir müssen schneller wachsen als jemand anders“, sagt Hiltons neuer Nord- und Zentraleuropa-Chef Jochem-Jan Sleiffer, der gerade mit einem Franchise-Partner die Entwicklung von zehn neuen Hotels in Europa besiegelt hat (fvw.de berichtete). Für das Mittelklasse-Segment und die Marken Hampton und Hilton Garden Inn sei noch jede Menge Bedarf.

Investitionslust auch in Europa

Ähnliche Töne bei Marriott. Nur hier spricht man vom Budget-Segment. Mit Moxy stampft die US-Kette eine neue Budget-Marke aus dem Boden. Bis zu 150 Hotels in Europa sollen in den nächsten zehn Jahren gemeinsam mit der Ikea-Entwicklungsgesellschaft Inter Hospitality gebaut werden. „Der Budget-Markt in Europa ist riesig“, triumphiert Marriott Europa-Chefin Amy McPherson.

Und auch im Geschäft mit dem Luxus gibt es wohl keine Wachstumsgrenzen. Starwood will in den nächsten fünf Jahren 50 neue Luxushotels in Europa eröffnen. Die Zahl der Häuser würde damit um 30 Prozent zulegen. „Der Luxus in Europa ist alles andere als tot“, sagt Roeland Voes, Chef für Europa, Afrika und den Nahen Osten bei Starwood, der außerdem noch viel Potentzial in Russland, in Nord-, Ost- und Westafrika und im Nahen Osten sieht. Genaue Zahlen allerdings zu Auslastungen, Revpar und Umsätzen sind von den wenigsten zu hören.

Auch die spanische Hotelkette Melia, die mittlerweile 80 Prozent ihren Umsatzes außerhalb des Heimatmarkts Spanien erzielt, strotz vor Selbstbewusstsein. In Deutschland etwa, wo Melia derzeit 28 Hüser in Bertrieb und Planung hat, wollen die Spanier ihre Präsenz in den nächsten fünf bis sechs Jahren verdoppeln. Sowohl für die Häuser der Marke Melia als auch für die Innside-Hotels sei noch jede Menge Platz, sagt Chefentwicklerin Maria Zarraluqui. „In Hamburg, in Köln, in Stuttgart, in München und bestimmt noch für ein bis zwei Häuser in Berlin“. Die Banken seien wieder lockerer bei der Vergabe von Krediten.

Neue Finanzierer signalisieren Interesse

Doch in diesem Punkt gehen die Meinungen und Erfahrungen je nach Markt stark auseinander. „In London haben Investoren gute Chancen, in anderen Teilen Englands sieht es eher schlecht aus“, bewertet Louise Gillon von der israelischen Bank Leumi mit Sitz in London die Finanzierungslage von Immobilien. Gerade Marktneulinge und nicht so bekannte Ketten tun sich schwer, Geld für neue Projekte zu bekommen.

Dort, wo sich die Finanzierungsfreude der Banken in Grenzen hält, entwickelten sich jedoch zunehmend alternative Finanzierungsformen, berichten Insider. Zum einen seien das Investoren aus dem Nahen Osten, zum anderen aber auch institutionelle Anleger. „Pensionsfonds steigen immer stärker ins Hotelgeschäft ein“, berichtet Helen Pratten, Partner bei der Wirtschaftsprüfungskanzlei KPMG. Sie berät große Hotelketten wie Mariott bei Zukäufen und Beteiligungen.

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