HRS/Hotel.de

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Hotels fürchten HRS-Macht

Per Mehrheitsbeteiligung an Hotel.de sichert sich HRS einen deutlichen Vorsprung im hart umkämpften Portalmarkt. Hotels gefällt das weniger gut. HRS-Chef Tobias Ragge relativiert.

von Sabine Pracht, 20.10.2011, 15:35 Uhr
HRS-Chef Tobias Ragge will beide Marken sowie deren Firmenstandorte und Manager behalten.
Foto: HRS

Paff. Die Nachricht von der Hotel.de-Übernahme durch HRS kam in der vergangenen Woche für die meisten wie aus dem Nichts. Umso sprachloser waren die Manager in der Hotellerie. Die beiden Portale, die sich auf dem deutschen Endkundenmarkt und im Geschäftsreisesegment einen harten Zweikampf liefern, bringen ihnen die meisten Buchungen. Viele Hoteliers, ob Ketten oder kleine Privathäuser, arbeiten daher seit langem mit beiden Unternehmen zusammen. Die Abhängigkeit von beiden Vertriebskanälen ist groß. Doch bisher war es für Hoteliers beruhigend zu wissen: Gibt es mal Stress mit dem einen, kann ich ihn immer noch gegen den anderen Ausspielen.

Hotels sind gefordert, Eigenvertrieb zu stärken

Mit den neuen Besitzverhältnissen bei Hotel.de wird das nicht mehr so einfach sein, fürchten Hoteliers. Hinter vorgehaltener Hand bringen sie ihre Angst zum Ausdruck: Die Macht des Marktführers würden sie nun noch stärker zu spüren bekommen. Mehr Druck von Seiten eines womöglich gemeinsamen Einkaufs, steigende Vertriebskosten, neue und schärfere Vertragsbedingungen, vehementere Forderungen nach Verfügbarkeiten – die Alptraum-Liste der Hotels ist lang. „Das wird nicht lustig für uns“, sagt ein Hotelmanager. Stellvertretend für die Hotellerie formuliert es IHA-Geschäftsführer Markus Luthe diplomatisch so: „Das Oligopol auf dem Markt der Online-Buchungsportale ist noch einmal deutlich enger geworden. Es gilt sehr aufmerksam beobachten, ob sich dadurch die Buchungskonditionen weiter einseitig zu Lasten der Hotels verändern werden.“ Die Hotellerie sei „sicherlich gut beraten, ihre Direktbuchungsmöglichkeiten im Allgemeinen und das lokale Firmenkundengeschäft im Besonderen strategisch weiter zu stärken und auszubauen“, so Luthe weiter.

In der Vergangenheit hatte sich HRS unter anderem beim Thema Ratenparität unbeliebt gemacht. Weil Hotels auf anderen Portalen günstiger zu buchen waren als bei HRS, sortierte das Unternehmen die Häuser kurzerhand aus. „Das Gegeneinander-Ausspielen hört jetzt vielleicht auf“, sagt HRS-Geschäftsführer Tobias Ragge, der die Ängste der Hotels verstehen kann. Aber er betont: „Hotel.de und HRS sind beide faire Partner“. Man werde die Distributionskosten, die laut ihm auf dem Markt im Durchschnitt 14,85 Prozent, bei Hotel.de jedoch nur zwölf und bei HRS 13 Prozent betragen, nicht erhöhen.

Synergien mit klarer Arbeitsteilung?

Beide Marken will der neue Besitzer national wie international weiterführen, ebenso die Firmenstandorte und Management-Teams. Synergien sollen trotzdem entstehen. Zum einen durch Bündelung, etwa im Einkauf, zum anderen beim Know-how. Fragt sich nur, in welchen Bereichen HRS, in welchen Hotel.de besser ist. „Die Frage ist noch schwer zu beantworten“, gesteht Ragge. Er habe sich zunächst auf das strategische konzentriert und sich die operative Ebene noch nicht im Detail angeschaut. Seine erste Einschätzung: „Hotel.de ist eine gute Bestandsmarke, hat einen großen Pool an Mittelstandskunden und ist beim Thema Suchmaschinenoptimierung sehr fit. HRS ist wahrscheinlich weiter beim Thema Branding.“ Wesentlicher Punkt: HRS gilt als deutlich profitabler als Hotel.de. „Wir haben die kritische Masse und auch mehr Automatisierung in den Prozessen, “ so Ragge.

Mögliche Einsparungen im Personal weist der HRS-Chef von sich: „Uns geht es um Wachstum und nicht um Cost Cutting“. Auch im Ausland sollen HRS und Hotel.de den Kunden „in einem sportlichen Wettbewerb bedienen“. Bestehende Standorte sollen erhalten werden. In neuen Märkten werde man allerdings nicht für jede Marke eigene Einkäufer losschicken.

An den Geschäftsmodellen, die sich leicht voneinander unterscheiden, werde sich „kurzfristig“ auch nichts ändern. Allenfalls könne sich Ragge vorstellen, die Modelle „vielleicht langfristig zu harmonisieren“. Doch entscheidend für ihn bleibt: „Wir wollen ein transparentes Modell haben, was auch für den Mittelstand zu handhaben ist.“

Hintergründe zur Übernahme lesen Sie auch in der fvw, die am morgigen Freitag erscheint.

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