Hotelsterne

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Die Kriterien werden modernisiert

Matratzenqualität und Bettenhygiene spielen bei der Sternevergabe künftig eine größere Rolle als bislang. Das ist auch eine Konsequenz aus Marktstudien, in denen Geschäftsreisende den Schlafkomfort als wichtigstes Kriterium nannten. Lesen Sie, was sich ändert.

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von Oliver Graue, 18.03.2015, 09:00 Uhr
Hotelsterne: Die Kissenreinigung bringt jetzt mehr Punkte.
Foto: Thinkstock

Ein Sensibelchen hat man als Geschäftsreisender noch nie sein dürfen. Denn nur höchst selten kommt es vor, dass man im Hotel auf einer Matratze, unter einer Decke oder auf einem Kissen als allererster Gast schläft. In der Regel haben dasselbe Inlet zuvor Hunderte bis Tausende andere Gäste benutzt, und selbst Hoteliers machen immer wieder mal darüber Witze, wie man ein Kopfkissen wohl am besten dreht und faltet, dass es der Bezug garantiert stets und vollständig bedeckt.

Ein Spaß, wohlgemerkt. Denn an der Sauberkeit in deutschen Hotels gibt es in der Regel nichts auszusetzen. Unzufriedener hingegen zeigen sich Gäste, wenn es um die sogenannte Schlafhygiene geht: Durchgelegene Matratzen und zu harte oder zu weiche Kissen werden in Umfragen immer wieder kritisiert. So simpel, wie es klingen mag: Werden Firmenkunden oder Geschäftsreisende danach gefragt, worauf sie beim Hotel den größten Wert legen, stehen zwei Bs ganz vorn – Bett und Bad.

18 Zentimeter für drei Sterne

Bei einer Befragung des Fraunhofer-Instituts in Zusammenarbeit mit HRS nannten 98 % der Teilnehmer die Qualität der Matratzen, Decken und Kissen als Hauptfaktor. Eine Tatsache, die der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) bei der Überarbeitung seiner Sterne-Kriterien jetzt aufgegriffen hat: Die Zahl der Sterne, die ein Hotel erhält, ist seit diesem Jahr enger denn je an Matratze und Hygiene der Oberbetten gebunden. Ab drei Sternen beispielsweise muss das Haus „ein Bett aus elastischem Federsystem“ und eine „mindestens 18 Zentimeter hohe Matratze“ bieten. Bislang wurde nicht unterschieden – es hatte immer eine 13 Zentimeter dicke Unterlage ausgereicht. Ist die Matratze 22 Zentimeter dick, bekommt das Hotel zehn Zusatzpunkte.

Das müssen Hotels bieten

2-Sterne-Hotel: Matratze 13 cm dick, Bett 0,80/1,60 x 1,90 m, Wäschefächer, 1 Stuhl, Leselicht am Bett, W-LAN in der Lobby, Waschlotion, Duschgel/ Shampoo, Frühstücksbüfett, Kartenzahlung, Schuhputzmittel auf Wunsch

3-Sterne-Hotel: mindestens 14 Stunden Rezeption, englischsprachige Mitarbeiter, Gepäckservice auf Wunsch, Matratze 18 cm dick, Bett 0,90/1,80 x 1,90 m, Zusatzkopfkissen, -decke auf Wunsch, Aufhängung für Kleidersack, Internet und Telefon im Zimmer, Föhn, Papiergesichtstücher, Waschen/Bügeln der Gästewäsche

4-Sterne-Hotel: Gästelift (ab 3 Etagen), mindestens 16 Stunden Rezeption, Fotokopier-/Scanmöglichkeit, gesicherte Gepäckaufbewahrung, täglicher Bettwäschewechsel auf Wunsch, Nähservice, Bett 0,90/1,80 x 2,00 m, Kopfkissenauswahl, Sessel oder Sofa, verschiedene Kleiderbügelarten, Schuhputzmittel im Zimmer, Kosmetikspiegel, -artikel, Hausschuhe, Bademantel auf Wunsch, Minibar oder 16-Stunden-Roomservice, 14-Stunden-Speisenangebot Roomservice

5-Sterne-Hotel: 24 Stunden Rezeption mit Getränkeservice, Wagenmeister, Page, Concierge, Wasch-/Bügelservice in 9 Stunden, persönliche Begrüßung im Zimmer mit frischen Blumen oder Präsent, mindestens 2 Suiten, 2 Kopfkissen pro Gast, Vollverdunklung möglich, Safe im Zimmer, Internet-PC im Zimmer auf Wunsch, Nähzeug/ Schuhanzieher, Bademantel, Minibar, 24-Stunden-Speisenangebot Roomservice, abendlicher Zimmerservice

Ebenfalls nicht Pflicht, bei der Punktesammlung aber hilfreich sind weitere neue Dehoga-Kriterien wie ergonomische, verstellbare Betten (5 Punkte), allergikerfreundliche Bettwäsche (2 Punkte), die „jährliche Kopfkissen-Tiefenreinigung“ (8 Punkte) und die Matratzenwäsche, ebenfalls Jahr für Jahr (10 Punkte). Bislang hatte es gereicht, die Unterlage nur alle zwei Jahre gründlich zu säubern. Da es sich hier aber nicht um Muss-Anforderungen handelt, reicht der Blick der Travel Manager auf die Sternezahl nicht aus: Wer es genau wissen will, muss entweder beim Hotel nachfragen oder sich auf zusätzliche Bewertungsquellen wie das VDR-Siegel stützen.

Eher stiefmütterlich hatten die Dehoga-Tester bislang das Thema Internet behandelt – das ist nun anders. Schon ein Zwei-Sterne-Haus muss mindestens im öffentlichen Bereich W- LAN anbieten, und wer drei Sterne erhalten will, muss es auch in den Zimmern haben.

Internet-Zugang wird Pflicht

Ob der Online-Zutritt kostenpflichtig oder gratis ist, das allerdings bleibt weiterhin den Hotels überlassen. Erstmals Punkte gibt es zudem für Express-Check-out (der aber kein Pflichtkriterium darstellt) und Öko-Siegel. Dass die Hotelsterne auch in Zeiten des Internet ihren Wert behalten, das freilich betont der Dehoga immer wieder. Und er verweist auf Umfragen, in denen die Sterne-Klassifizierung, wenn es um die Hotelwahl geht, an 3. Stelle steht – zwar erst nach den persönlichen Empfehlungen und der Online-Bewertung, aber noch vor den Zertifikaten oder der Marke. Doch gleichzeitig punkten zunehmend Hotels gerade mit dieser: Manche Low-Cost- oder Spitzenketten verzichtet inzwischen bewusst auf eine Klassifizierung und setzen allein auf ihren Namen. Im Travel Management dürften die Sterne trotzdem auch künftig leuchten – zumindest im Vierklang mit Zertifikaten, Online-Kommentaren und Firmenverträgen.

 
 
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