Impfschutz ist etwas für Touristen, heißt es unter Geschäftsreisenden. Was für ein Irrtum! Wir zeigen, worauf es ankommt.
Der Leichtsinn trägt Anzug, ist weltgewandt und lässt sich durch Unpässlichkeiten nicht beunruhigen. Das kann ins Auge gehen, wie Mediziner wissen. „Gemessen an der Zahl der Reisen sind Business Traveler häufiger das Opfer von Infektionen und kehren kranker von ihren Reisen zurück als Touristen“, stellt Tomas Jelinek, wissenschaftlicher Leiter des Centrums für Reisemedizin (CRM) in Düsseldorf, fest. Und wenn es Geschäftsreisende dann mal erwischt hat, kümmern sie sich zu wenig und zu spät um die heraufziehenden Symptome der Krankheit, lautet eine weitere Erfahrung.
Die medizinischen Sorgenkinder – je nach Ziel und Beruf mit der Aktentasche oder der modischen Tropenweste ausgestattet – steigen umso unbeschwerter ins Flugzeug, je höher ihr Bildungsabschluss ist. Der britische Wissenschaftler Ron Behrens hat festgestellt: „Je höher die Bildung, desto weniger wird auf die Umsetzung gesundheitsbezogener Empfehlungen auf Reisen geachtet.“ Der Arzt zählt zu den Top-Fachleuten für alle Krankheiten, die sich Menschen auf Reisen zuziehen. Er leitet die Tropenklinik im Londoner Hospital für Hygiene und Tropenkrankheiten. Der Brite führt gern eine Beispiel an aus seiner Arbeit an der Tropenklinik in London an: Malaria-Prophylaxe mit homöopathischen Mitteln, bestehend aus 99,9 Prozent Wasser für Reisen in riskante afrikanische Regionen. Auch Geschäftsreisende glaubten daran. Der Rat der Ärzte: informieren und vorbeugen. Das gilt gerade in mittelständischen Firmen ohne betriebsärtzlichen Dienst. Ein Tipp: Das CRM nennt zertifizierte Ärzte und Apotheker in jeder Stadt.
Reiseerkrankungen – das war viele Jahre lang gleichbedeutend mit der Gefahr, Durchfall, Malaria oder Hepatitis heimzubringen. Vor allem Urlauber machten unliebsame Erfahrungen mit mangelnder Hygiene und deren lästigen Begleiterscheinungen. Mexiko und Ägypten standen in dem Ruf, dass nur jeder zehnte Tourist von Durchfallerkrankungen verschont blieb. Immerhin, für andere, exotischere Ziele galten Malaria-Prophylaxe und Hepatitis-Impfung als ausreichender Schutz.
Geschäftsreisende zählten sich per se nicht zur Risikogruppe. Getreu dem Motto: Vom Flieger ins Taxi, ins Hotel, zum Meeting, zurück zum Flughafen – was kann da passieren? Doch diese überschaubare Welt der Krankheiten und Risikogruppen ist Vergangenheit. Je mehr international gereist wird, desto einfacher finden Krankheitserreger eine neue Heimat, desto schneller sind sie gezwungen, sich veränderten Umweltbedingungen anzupassen. Die Folgen: Die Erreger verbreiten sich schneller, ihr Variantenreichtum nimmt zu, und das Risiko wächst für Reisende, die zu leichtsinnig mit dem Thema umgehen.
Eine immer größere Rolle spielen Umweltveränderungen in den Zielen. Der Gesundheit des Reisenden muss das nicht immer schaden. Beispiel Malaria: Die Malariamücke kann nur mit sauberem Wasser überleben. Doch das ist weltweit knapp, besonders in Entwicklungsländern und ihren dicht bevölkerten Region.
Die Folge: Deutsche Gesundheitsexperten stellen einen Rückgang der Malaria-Fälle aus ursprünglich anfälligen Regionen fest. Allerdings: Die Malariamücke ist weiter aktiv, vor allem in intakten ländlichen, feuchtwarmen Regionen.
Dafür sind die Tigermücke und ihre Verwandten im Kommen. Sie mögen Schmutzwasser und stechen – anders als die Malariamücke – auch am Tage. Sie übertragen Dengue und Chikungunya, zwei gefährliche Virusinfektionen, die der Malaria fast schon den unrühmlichen Rang als Reiserisiko Nummer eins abgelaufen haben. Geschlossene Kleidung und Eincremen helfen. Auch wenn der Geschäftsreisende im Fünf-Sterne-Hotel absteigt: „Die Mücke lässt sich davon nicht beeindrucken, sie findet ihren Weg“, weiß Tomas Jelinek vom CRM.