Videokonferenzen

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Nur noch virtuell zu Tagungen reisen?

Geschäftsreisen stehen auf dem Prüfstand. Immer mehr Unternehmen setzen statt auf echte Treffen oder Tagungen auf Videokonferenzen und Telepresence-Lösungen.

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von Martin Jürs, 01.08.2011, 09:15 Uhr
Virtuelles Meeting: Unternehmen setzen besonders für interne Besprechungen auf Videokonferenzen.
Foto: Stockbyte

An die Aschewolke des isländischen Vulkans Eyjafjallajökull 2010 denkt man bei den Anbietern von Videokonferenzen gern zurück. Zumindest heimlich. Schließlich hat die damit verbundene tagelange Sperrung des Luftraums über weiten Teilen Europas Vermietern wie Regus einen wahren Nachfrageboom beschert: Meetings- und Tagungsplaner wandten sich in Massen an den Anbieter. Europaweit nahm die Zahl der in den eigenen Räumlichkeiten durchgeführten Videokonferenzen im April und Mai 2010 um jeweils 180 Prozent zu. Seitdem hat die Nachfrage zwar nachgelassen, doch noch immer liegen die Anfragen nach Videokonferenzen und Telepresence-Lösungen um 68 Prozent über denen von vor dem Vulkanausbruch.

Diese Entwicklung überrascht zumindest Deutschlandchef Michael Barth nicht. „Unternehmen haben erkannt, dass Videokonferenzen zeitraubende und kostspielige Geschäftsreisen ersetzen können“, rührt er die Werbetrommel.

Dass Videokonferenzen auf dem Vormarsch sind, zeigt das Beispiel der Credit Suisse. Das Schweizer Finanzinstitut hat allein zwischen 2006 und 2008 rund 3,8 Mill. Euro in die Anschaffung und den Ausbau von Videokonferenz- und Telepresence-Anlagen investiert. 2010 trafen sich die Bankmitarbeiter etwa 100.000 Stunden lang zu virtuellen Meetings. Das entspricht einem Anstieg von 40 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Dabei sind Videokonferenzsysteme aber nicht mehr allein bei großen, global agierenden Unternehmen im Einsatz. „Längst spielt Videokommunikation auch bei kleinen und mittleren Unternehmen eine bedeutende Rolle“, sagt Carlo Wolf, Deutschland-Geschäftsführer des Anbieters Cisco. Schließlich würden solche Anlagen Firmen jeder Größenordnung helfen, Zeit und Kosten für Geschäftsreisen einzusparen. „Auch die interne Kommunikation lässt sich durch den Einsatz von Videosystemen verbessern und die Produktivität der Mitarbeiter steigern“, behauptet Wolf.

Interesse auch im Mittelstand

Ein Beispiel ist Jungheinrich. Der Hersteller von Flurförderfahrzeugen – im Volksmund Gabelstapler genannt – hat in den vergangenen Monaten einen mittleren sechsstelligen Betrag in eigene Videokonferenzräume investiert. Die Kosten will Travel Managerin Britta Schlüter, die die Aufrüstung der alten, bereits vorhandenen Videokonferenzanlagen unter dem Eindruck der Wirtschaftskrise angestoßen hat, innerhalb kürzester Zeit durch wegfallende Reisekosten wieder reinholen. „Bis zu 50 Prozent der internen Reisen können mit Hilfe der neuen Technik eingespart werden“, zeigt sich Schlüter überzeugt.

Dass Unternehmen wie Jungheinrich oder Credit Suisse verstärkt reale Geschäftstreffen durch virtuelle Meetings ersetzen, liegt auch an der verbesserten Technik. Dank moderner, leistungsfähiger Breitbandverbindungen sind die Systeme wesentlich stabiler als noch vor Jahren. Die Übertragungsqualität ist gestiegen. „Ruckelnde Bilder und schwarze Bildschirme gehören definitiv der Vergangenheit an“, sagt Dirk Backofen, bei der Deutschen Telekom Leiter des Segment-Marketings Geschäftskunden und zuständig für Telepresence, das Videokonferenz-Angebot des Konzerns.

Seit vergangenem Jahr ist der Telekommuniktionsriese im Geschäft mit den virtuellen Meetings aktiv, bietet Videokonferenz- und Telepresence-Systeme zum Kauf und zur Miete. Unternehmen, die sich eine Telepresence-Anlage mieten und in die eigenen Firmenräume stellen wollen, zahlen dabei mindestens 2000 Euro – im Monat. Am gefragtesten sind Anlagen für 4000 Euro, so Backofen. Die teuersten Systeme mit drei Bildschirmen liegen bei 12.000 Euro. Eine solche Investition will wohlüberlegt sein.

 
 
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