Datenklau auf Geschäftsreise

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Tipps gegen Wirtschaftsspionage

Wirtschaftsspionage verursacht Milliardenschäden. Auch auf Dienstreise droht der Datenklau. Wie Agenten vorgehen und wie Unternehmen sensible Informationen schützen können.

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von Oliver Graue, 13.02.2013, 09:00 Uhr
Alle Daten gut geschützt? Hunderttausende Auslandsagenten sind hinter Ihnen her!
Foto: Thinkstock

Der Manager auf China-Reise machte die Probe aufs Exempel: Er verließ sein Hotelzimmer, gab vor, eine Jogging-Runde zu drehen, und ließ im Zimmer heimlich eine Web-Cam laufen. Als er zurückkam, wusste er, was während seiner kurzen Abwesenheit geschah: Gleich sechs Chinesen wühlten in seinen Unterlagen, und einer von ihnen ist auf dem Internet-Film sogar mit den Worten zu hören: „Die Web-Cam gehört doch sicherlich zu uns, oder?“

Eine absolute Ausnahme – allerdings nur, was den Dilettantismus angeht, mit dem diese Chinesen agiert haben. Denn dass Geschäftsreisende, die im Reich der Mitte unterwegs sind, vom staatlichen Geheimdienst ins Visier genommen werden, ist die Regel. „Wir warnen deutsche Firmen eindringlich zur Vorsicht bei China-Reisen“, sagt Udo Schauff vom Bundesamt für Verfassungsschutz.

Wahre Geheimdienst-Armada

Mehr als 800.000 Menschen arbeiten seinen Angaben nach für den chinesischen Geheimdienst, in Russland sind es 370.000. Beide Länder haben die Spionage zum Staatsziel erklärt: Russlands Präsident Wladimir Putin forderte seine Agenten dazu auf, ihre „Arbeit zu forcieren, mit der sie den technischen Fortschritts des Landes unterstützen“. Beschränkt auf diese beiden Staaten ist die Spionagegefahr aber bei Weitem nicht. „Auch unsere US-Freunde sind kein unbeschriebenes Blatt“, berichten Travel Manager aus Erfahrung. Doch während die Geheimdienste meist sehr professionell vorgehen, nehmen viele deutsche Unternehmen das Risiko auf die leichte Schulter. Dabei verlieren sie zwischen 30 und 50 Mrd. Euro Jahr für Jahr durch Wirtschaftsspionage. „Den genauen Wert kennen wir nicht, wir gehen von einer enorm hohen Dunkelziffer aus“, sagt Schauff. Denn nur wenige Firmen, die in die Fänge von Datendieben gerieten, gehen damit an die Öffentlichkeit: Viel zu groß wäre ihr Imageverlust.

Firmen schweigen aus Angst

Beispielhaft berichtet Schauff von einem Chinesen, der mit ausgezeichneten Referenzen bei einem deutschen Forschungsinstitut als Wissenschaftler eingestellt wurde. Viel zu spät fiel auf, dass der Mann nur wenig Ahnung hatte, sich dafür aber intensiv den Forschungsarbeiten der Kollegen widmete, fotografierte und kopierte. Ihm gelang es, wertvolle Informationen über spezielle Beschichtungsverfahren nach China zu übermitteln. Dennoch verzichtete das Institut auf ein Gerichtsverfahren. Aus Angst, künftig Forschungsaufträge und Kunden zu verlieren, so Schauff.

Dass mit dem Kalten Krieg auch die Nachrichtendienste untergegangen sind, ist nur ein frommer Wunsch. Tatsächlich haben sie nur umgesattelt: auf Wirtschaftsspionage. Dabei gesellen sich zu den staatlich eingesetzten Agenten noch jene, die im Auftrag von Unternehmen die Konkurrenz ausforschen. Der österreichische Windkraft-Spezialist Windtec etwa wurde von einem Mitarbeiter, der Daten an den chinesischen Konkurrenten Sinovel verriet, an den Rand des Ruins geführt. Der Mann hatte die Steuerungssoftware für die Windtec-Anlagen an Sinovel weitergegeben – Letztere brauchten nur noch den Schriftzug zu ändern. Folge: Die Österreicher verloren 90 Prozent ihres Umsatzes und mussten 80 Mitarbeitern kündigen.

 
 
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