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Chinesen kaufen alles

Ob Rezidor, NH, TAP Portugal oder Club Med: Chinesische Investoren kaufen sich bei europäischen Hotelketten und Airlines ein – dezent, aber rasch.

von Sabine Pracht, Klaus Hildebrandt, 29.07.2016, 09:00 Uhr
Foto: Thinkstock

Fast unbemerkt, nahezu geräuschlos, aber zielorientiert und schnell, so beschreiben Reisemanager das Vorgehen chinesischer Investoren in Europa. Bei fast jeder Übernahme westlicher Hotels oder Fluggesellschaften sind mittlerweile Chinesen mit im Spiel.

Jüngst hat der chinesische Touristikkonzern HNA die Übernahme der Hotelkette Carlson Rezidor mit 1400 Hotels und Marken wie Radisson angekündigt. Außerdem will HNA den Schweizer Luftfahrt-Caterer Gate Gourmet kaufen und dessen Air-France-Pendant Servair. Für 100 Mio. Euro ist HNA zudem gerade bei der Fluglinie Virgin Australia eingestiegen; mit der spanischen Hotelkette NH gründete der Konzern wiederum ein Joint Venture. Seit Februar 2016 gehört zudem der Flughafen-Dienstleister Swissport zu HNA. Dabei ist der Investor aus dem Reich der Mitte nur einer von vielen, die die Reisebranche aufmischen – mit riesigen Kaufsummen.

Löhne in China steigen

Beinah wäre auch die Übernahme der Starwood-Hotels durch Marriott im Wert von 12,5 Mrd. Euro am Gegenangebot chinesischer Investoren gescheitert: Anbang war interessiert. Für 2,9 Mrd. Euro wiederum verleibte sich der Hotelriese Jin Jiang voriges Jahr die Gruppe der Louvre Hotels (unter anderem Golden Tulip) mit 1100 Häusern ein. Den Flughafen Hahn hat gerade der Bauriese Yiqian gekauft.

Die Liste ließe sich beliebig fortsetzen; Chinesen kaufen derzeit alles, was sie kriegen können. Das nötige Geld leihen sich die Konzerne billig vom Staat und von den Banken; hinter den Firmen stecken oft einflussreiche Köpfe der Kommunistischen Partei. Der neue Fünfjahresplan der Pekinger Regierung, der ab diesem Jahr greift, sieht vor, den Dienstleistungssektor zu stärken. Experten erwarten daher noch mehr Investitionen im Konsumgüter- und Lifestyle-Bereich.

„Das Land befindet sich im Wandel. Die Zeiten, in denen China nur Billigartikel für den weltweiten Export produzierte, sind vorbei“, bestätigt Tim Hong. Er ist im Hotel Crowne Plaza Berlin City Centre fürs China-Geschäft zuständig. „Die Chinesen haben inzwischen mehr Geld, ihre Löhne steigen. Und die Regierung will den Wohlstand fördern.“ Westliches Wissen und bekannte Marken seien dafür dringend nötig – an beidem mangelt es im Land. Und wegen des derzeit schwächeren Wachstums selbst hat China ein gewaltiges Konjunkturprogramm gestartet, verbunden mit hoher Staatsverschuldung. Auch deshalb werden immer mehr Konzerne im Ausland aktiv.

Gute Erfahrungen

Die übernommenen westlichen Hotels berichten von bislang guten Erfahrungen mit den Chinesen. Sie hätten nun Investoren an der Seite, die Geld haben und nicht wie Heuschrecken agieren, sondern langfristig Geschäft aufbauen wollen. Und: Sie hoffen dadurch auch auf Zugang zum chinesischen Markt. „Wenn die Chinesen unsere Marke kennen, übernachten sie auch außerhalb Chinas in NH Hotels", formuliert es NH-Chef Federico J. González Tejera stellvertretend für andere.

Umgekehrt entdecken allerdings auch chinesische Ketten den europäischen Markt: Plateno etwa, der größte Hotelkonzern Asiens mit mittlerweile mehr als 6000 Häusern, hat gerade in Linz und Salzburg die beiden ersten Häuser seiner Marke 7 Days eröffnet. Weitere Häuser in Berlin, München, Leipzig und Frankfurt sollen folgen.

Reise-Investoren aus China

HNA: Der Konzern ist im Luftverkehr und in der Hotellerie aktiv. Airlines wie Hainan, Aigle Azur (Frankreich), Azul (Brasilien), Virgin Australia und geplant TAP Portugal sowie die Hotelketten NH Hotels und Carlson Rezidor gehören zu HNA.

FOSUN: Der Mischkonzern stockte 2015 seine Anteile an Club Med auf 100 Prozent auf. Zwei Monate später stieg Fosun bei Thomas Cook ein. Der Konzern besitzt auch die Modemarke Tom Tailor.

ANBANG: Der Versicherungskonzern hat das Waldorf Astoria in New York gekauft. Bei der Bieterschlacht um Starwood wollte Anbang zuletzt Marriott überbieten. Stattdessen kauft Anbang nun die US-Luxushotelgruppe Strategic Hotels für 5,8 Mrd. Euro.

JIN JIANG: Zu dem Hotelkonzern zählen auch Restaurants, Verkehrsbetriebe und Reisebüros. Zum Unternehmen gehören die Louvre Hotels und 15 Prozent an Accor.

WANDA: Gewerbeimmobilien, Kaufhäuser und Firmen aus dem Kultur-, Tourismus- und Sportsektor gehören dem Konzern. Er betreibt 81 Hotels und vergibt Lizenzen an Marken wie Accor, Interconti, Hilton, Hyatt.

PLATENO: Die Hotelgruppe mit neun Marken und 3500 Hotels in China gehört zu den größten des Landes. Die Marke 7 Days Inn gilt nach Home Inn als zweitgrößte Chinas.

SHANGHAI YIQIAN Der Baukonzern kaufte gerade den Billigflughafen Hahn.

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