Klappbare Rückenlehnen

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Der Fluch im Flugzeug

Nichts an Bord ist schlimmer als die Lehne des Vordermanns, die plötzlich nach hinten kippt. Und uns den Laptop in den Bauch rammt.

von Oliver Graue, 15.11.2013, 12:56 Uhr

Von Ryanair heißt siegen lernen – naja, vielleicht nicht ganz. Fällt der Name der irischen Billig-Airline bei Travel Managern oder bei Geschäftsreisenden, dann wenden sich diese meist mit Grausen ab. Zusatzgebühren ohne Ende, spartanischer Service und abgelegene Airports: Zu den Bedürfnissen von Business Travellern passt das nicht. Glaubt man den Worten von Airline-Boss Michael O‘Leary, könnte sich das jetzt ändern. Angeblich wollen die Iren sich wandeln, wollen das Fliegen mit ihnen auch Firmenkunden schmackhaft machen. Warten wir‘s ab!

Aber das meinen wir an dieser Stelle auch gar nicht, wenn wir vom „siegen lernen“ sprechen. Sondern etwas ganz anderes: Bei Ryanair lassen sich die Rückenlehnen nicht zurückkippen. Und das ist auch gut so.

Es ist sogar sehr gut, wie eine aktuelle Umfrage unter Vielfliegern ergeben hat. Denn gefragt nach dem größten Ärgernis an Bord, antworteten 90 Prozent (!): die zurückklappbare Rückenlehne! Zumal Fortgeschrittene unter den „Zurückkippern“ längst Meister darin sind, genau dann auf den Knopf zu drücken, wenn der Hintermann seinen Kaffee oder Tomatensaft säuberlich (danach nicht mehr) drappiert hat.

Um sich zumindest wieder ein wenig Freiraum zu verschaffen, lehnt sich dieser seinerseits ebenfalls zurück – und meistens seit ein Hüne von 1,90 Meter hinter ihm, der nach dem Aussteigen seine blauen Flecken zählen darf. Alternativ könnte er – oder jeder andere natürlich auch – kräftig von hinten mit den Füßen gegen die gekippte Lehne treten.

Ohne Frage: An Bord begegnen wir Menschen, mit denen wir unter normalen Umständen keine Zeit verbringen würden. Der Extrem-Schnarcher zum Beispiel sitzt meist direkt hinter uns, der Übergewichtige, der die Armlehne für sich beansprucht, neben uns. Und den Passagier mit Verdauungsproblemen können wir zwar nicht sehen – wir riechen ihn aber.

Highlight aber bleibt die zurückgeklappte Rückenkehne, die zu Diskussionen, Streit und sogar handgreiflichen Auseinandersetzungen führt. Wir vermuten: Es sind Sozialwissenschaftler, die diese unselige Funktion bei den Airlines durchsetzen konnten. Gibt es doch keine bessere Möglichkeit, das menschliche Verhalten in Ausnahmesituationen zu erforschen als genau diese! Und daher haben wir nur einen sehnlichen Wunsch: Bitte, liebe Ryanair, Ihr könnt Euch ja gern wandeln – aber hört weiterhin nicht auf die Sozialforscher! Zurückklappbare Rückenlehnen braucht kein Mensch.

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