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Ora et labora

03.07.2009, 14:00 Uhr

Tagung im Kloster

von Oliver Graue

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Die neue Langsamkeit

Stille und Spiritualität statt Stress und Burnout: Die deutschen Orden stellen sich ein auf die „neue Langsamkeit“. Zwar wollen sie mit ihren Angeboten für Meetings, Incentives und Auszeiten keinen Gewinn machen. Das Tagungssegment ist für manche Häuser jedoch ein Weg, um die dringend benötigten Finanzmittel für den Klosterbetrieb aufzubringen. Und da sind schon mal ungewöhnliche Einfälle gefragt. So zum Beispiel in Arenberg, das sich den Ruf als Wellness-Kloster erworben hat. Noch bis 2001 lief das Gästehaus des Koblenzer Ordens „hochdefizitär“, erzählt Geschäftsführer Bernhard Grunau. Seitdem es eine Verbindung aus „zeitgemäßer Intepretation der Kneippschen Lehren“ und christlicher Meditation anbietet, kommt das Dominikanerinnen-Kloster mit gut 27.ooo Übernachtungen pro Jahr auf „eine schwarze Null.“ Auch deshalb, weil der Orden modernes Suchmaschinen-Marketing betreibt. „Wer bei Google die Begriffe Wellness und Besinnung eingibt, der landet bei uns“, sagt Grunau.

Weltlich zeigt sich der Orden trotz seiner vielfältigen Angebote allerdings nicht: „Wo Kloster draufsteht, ist auch Kloster drin“, betont Grunau: „König ist bei uns Christus.“ Ora et labora, bete und arbeite: „Der wohltuende Rhythmus der Gebetszeiten und die Gebete der Mönche sind wie Zeitinseln, auf die wir unsere Gäste zum Innehalten einladen“, sagt Schwester Conrada Aigner vom Kloster Plankstetten. Eine für Tagungen fruchtbare Atmosphäre. Und wer will, kann sein Meeting durch einen spirituellen Vortrag des jeweiligen Konvents anreichern lassen. Bei den Preisen unterbieten die Klöster so manches profane Angebot. Einzelzimmer samt Vollpension liegen meist bei 50 bis 60 Euro.

Seelische Wellness im Trend

Weltlicher sehen all dies naturgemäß die Touristiker. Christian Antz, Referatsleiter im Wirtschaftsministerium Sachsen-Anhalt, setzt in seinem Bundesland auf religiöse Angebote wie Pilgern und Klöster. „Seelische Wellness ist das kommende Thema“, zeigt Antz sich überzeugt. Er versucht, Kirchen und Klöster mit Wandervereinen und Hotels zusammenzubringen – was wegen so mancher Berührungsängste nicht immer einfach ist. „Doch nur gemeinsam können wir das Potenzial erschließen“, sagt Antz. Um den 370 Kilometer langen anhaltinischen Abschnitt des St.-Jakobus-Pilgerwegs populär zu machen, an dem immerhin 22 Klöster und Kirchen zu besichtigen sind, hat sich bereits die St.-Jakobus-Gesellschaft Sachsen-Anhalt gegründet. Antz’ Ziel ist es, dass sich weitere am Weg liegende geistliche Stationen dem Wanderer öffnen.

Selbst um Einrichtungen wie den Europa-Park Rust – eigentlich Vergnügung par excellence – macht Religion keinen Bogen. Direkt neben der Mega-Achterbahn Blue Fire befindet sich das Klosterhotel Santa Isabel. Andreas Wilhelm, der dort als Seelsorger tätig ist, sieht darin keinen Widerspruch. „Ich bin erstaunt, wie sich die Menschen öffnen, die zu uns kommen“, berichtet er, der das alles andere als geistliche Umfeld anfangs eher kritisch gesehen hatte.

Glauben im Vergnügungspark

Geschmacklosigkeiten wie eine als Altar gestaltete Rezeption wendete er immerhin ab, und ein Beichtstuhl, in den ein Bankomat eingebaut war, verschwanden auf sein Betreiben. Heute ist Wilhelm überzeugt: „Wir gehen dorthin, wo die Menschen wirklich sind.“ Worte, denen der Benediktinermönch Haite zustimmt: Sein Stadtkloster in Hannover hat er bewusst in einer säkuralisierten Umgebung eröffnet. Mit Erfolg: „Wo Glauben tatsächlich gelebt wird, zieht es immer mehr Menschen hin“, sagt er. Und sei es nur mal für eine Tagung.

Tagen im Kloster

  • Kloster Hegne in Allensbach am Bodensee, www.klosterhegne.de
  • Kloster Andechs am Ammersee bei Mu¨nchen, www.andechs.de
  • Erzabtei St. Ottilien zwischen Augsburg und Weilheim, www.erzabtei.de
  • Kloster Arenberg bei Koblenz, www.kloster-arenberg.de
  • Kloster Plankenstetten in der Oberpfalz, www.kloster-plankstetten.de
  • Kloster Loccum bei Hannover, www.kloster-loccum.de
  • Kloster Maria Laach in der Eifel, www.maria-laach.de

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