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Es muss sich rechnen!

Wieviele Provinz-Flughäfen braucht Deutschland wirklich? So alt wie diese Diskussion ist, so wichtig ist sie auch: Es geht um Hunderte Millionen an Steuergeldern.

von Oliver Graue, 22.04.2014, 16:11 Uhr

Für die Beschäftigten des Lübecker Flughafens Blankensee waren die Ostertage keine Erholung. Nachdem kurz zuvor bekannt wurde, dass sich Airport-Besitzer Mohamad Rady Amar aus dem Staub machte und die Mitarbeiter ohne Lohn und die Stadt ohne Pacht sitzen ließ, machen sie sich nun um ihre Zukunft Sorgen. Der Mann, der noch vor einem Jahr als „Retter“ des chronisch defizitären Airports gefeiert wurde, ist einfach abgetaucht.

So schlimm diese Nachricht für die Beschäftigten ist: Die Geschehnisse werfen erneut die Frage auf, wieviele Flughäfen Deutschland eigentlich braucht. Muss man in Lübeck starten, wenn der Hamburger Airport gleich um die Ecke liegt? Braucht es einen Flughafen in Kassel, wenn weder Paderborn noch Frankfurt umständlich zu erreichen sind? Und warum versuchen gleich zwei Mini-Airports, die nur wenige Kilometer voneinander entfernt liegen, sich gegenseitig die wenigen willigen Fluggesellschaften abzunehmen, nämlich Saarbrücken und Zweibrücken?

Tatsache ist: Die meisten Provinz-Flughäfen in Deutschland werden künstlich am Leben gehalten – und verschlingen Unsummen von Steuergeldern. Es kann nicht sein, dass einerseits Politiker den Autofahrern erneut in die Tasche greifen wollen und wie Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Torsten Albig eine „Sonderabgabe“ fordern, und dass andererseits Hunderte Millionen in Airports gepumpt werden, von denen eigentlich keine Airline starten will.

Will sie es doch, dann ist sie meistens nicht bereit, sich an den Kosten zu beteiligen, also eine entsprechend hohe Gebühr zu zahlen. Und dass Mini-Airports angeblich Hunderttausende kaufkräftige Touristen aus dem Ausland in die jeweilige Region locken, konnte bislang noch niemand beweisen. Zudem mangelt es nicht selten an den nötigen Strategien, die Region im Ausland zu vermarkten.

Ohne Frage: Ein kleiner Flughafen, der sich trägt, hat jedes Existenzrecht. Memmingen und Weeze sind gute Beispiele dafür. Und wenn er zur Aufrechterhaltung der Wirtschaft nötig ist, dann sollte ihm ebenfalls niemand dieses Recht absprechen. Das allerdings müssten die Unternehmen dann auch beweisen – so wie jene Firmen in Mannheim, die kürzlich gemeinsam die Rhein-Necker-Air ins Leben riefen.

Als Prestigeobjekte allerdings können und sollten wir uns die Mini-Airports nicht mehr leisten. Zumal Deutschland über eines der bestausgebauten Hochgeschwindigkeits-Bahnnetze verfügt. Und diese Tatsache ist sowohl bei Touristen als auch bei Managern weltweit bekannt.

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