Deutschlands größte Fluggesellschaft, Lufthansa, kassiert mehr Geld für Langstreckentickets in der Economy und Business Class.
Für Simon Robinson, Travel Manager eines britischen Versicherers, brachte die Finanzkrise das Fass zum Überlaufen: Neue Spar-Ideen mussten her. Eine davon war die Abkehr seines Unternehmens von der Business Class. Doch statt radikal auf Holzklasse umzusteigen, federte Robinson den Schritt ab: Die Reisenden dürfen Premium Economy buchen. Und selbst dafür erhalten sie noch Bonuspunkte, die sie später gegen Prämien einlösen können.
So großzügig wie der Versicherer zeigt sich nicht jedes Unternehmen. Die Premium Economy Class allerdings erlebte in den vergangenen Monaten regen Zuspruch. Firmen, die in der Krise nicht gleich auf Eco gehen wollten, wählten die Zwischenklasse – eine Art Economy mit Business-Elementen wie größerer Beinfreiheit oder kostenfreiem Essen.
Air France etwa führte 2010 sein Produkt Premium Voyageur ein: Langstreckenreisende machen es sich in speziell für diese Klasse entworfenen, brandneuen Schalensitzen bequem und genießen 15 cm mehr Beinfreiheit. Auch große Video-Bildschirme, Marken-Pflegeprodukte und besondere Kopfhörer lassen etwas Business-Class-Feeling aufkommen. Das beginnt schon am Flughafen, denn für Premium-Eco-Kunden gibt es bei vielen Airlines separate Check-in-Schalter, bevorzugtes Boarding und beschleunigte Gepäckausgabe. Wer sich etwa bei der skandinavischen SAS für Economy Extra entscheidet, darf vor interkontinentalen Flügen an den Business-Schaltern einchecken und zusätzliches Freigepäck aufgeben. Und an Bord wird bei SAS in der getrennten Kabine mit nur 28 bis 35 Sitzen ein Drei-Gänge-Menü gereicht.
Die japanische ANA öffnet für Premium-Economy-Passagiere die Business-Lounges an Tokios Flughäfen und knackt in der Kabine die Ein-Meter-Grenze bei der Beinfreiheit – „bei bis zu 2000 Euro Preisvorteil gegenüber der Business Class“, erklärt ANA-Managerin Maria Petalidou: „Geschäftsreisende wissen das Mehr an Platz auf den Flügen zwischen Deutschland und Japan zu schätzen.“
„Die Deluxe Economy Class liegt in der aktuellen Situation genau im Trend“, konstatiert auch Nghiem Van Khanh, General Manager Germany bei Vietnam Airlines: „Die Nachfrage hat sich schon vor der Krise kontinuierlich verbessert und wird weiterhin wachsen.“
Aktuell reagiert Qantas auf den Bedarf und bietet seit Februar ihre Premium Economy ab Frankfurt an: Den Passagier erwartet schon bei Ankunft an Bord ein Glas Champagner, und am Abend gibt es vom Spitzengastronom Neil Perry kreierte Menüs und australische Weine. Turkish Airlines bietet in ihren Boeing B-777 seit November auf Langstrecke eine solche Zwischenklasse (Comfort Class), und die US-amerikanische Delta Air Lines will ihre Economy Comfort im internationalen Fernverkehr noch in diesem Sommer einführen. 2012 folgt dann Continental Airlines.
So unterschiedlich wie die Bezeichnungen für die noch relativ junge Zwischenklasse sind auch die Vorzüge bei den verschiedenen Gesellschaften. Das Spektrum reicht von der verschönerten Economy bis zur nur leicht abgespeckten Business Class. Bei manchen Airlines sitzen Premium-Passagiere in eigenen Kabinen mit luftiger Bestuhlung nach dem 2-3-2-Schema, bei anderen werden die ersten Reihen der Economy Class für sie reserviert. Beinahe immer ist das Catering an Bord deutlich aufgewertet, oft werden spezielle Menüs auf edlem Porzellan serviert. Ähnliches gilt für das Unterhaltungsprogramm: Größere Monitore und Video- und CD-on-Demand gehören bei vielen Anbietern zum erweiterten Service. Arbeitsfläche und Notebook-Stromversorgung am Platz sind obligatorisch.
Und schon am Flughafen geht es an speziellen Schaltern oder denen der Business Class flotter voran, und Transferzeiten dürfen in der Lounge verbracht werden. Das Sparpotenzial gegenüber der Business Class reicht von 25 bis über 50 Prozent – je nachdem, ob die Premium Eco sich als „Economy plus“ oder „Business minus“ versteht. Insofern lohnt es sich für Travel Manager, die Internetpräsenzen der Fluggesellschaften genauer zu betrachten.
Gerade bei interkontinentalen Flügen zahlt sich das Plus im Komfort jedoch immer aus: Ausgeruht ankommende Mitarbeiter sind der erste Schritt zum erfolgreichen Geschäftstermin, und durch entspanntes Fliegen lässt sich manche Anreise am Vortag und die damit verbundene zusätzliche Übernachtung einsparen.