Langstreckenflüge (Teil 1)

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Business Class oder Economy?

Die Zahl der Firmen wächst, die nach der Krise auf Fernstrecke wieder die Business Class erlauben. Gründe dafür gibt es reichlich. Doch zugleich sind etliche Zwischenlösungen entstanden.

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von Oliver Graue, 29.09.2014, 08:50 Uhr
Die Zahl der Firmen wächst, die ihre Reisenden auf Fernstrecke wieder vorn im Flugzeug sitzen lassen. Allerdings gelten dafür Bedingungen.
Foto: Turkish Airlines

Für innerdeutsche Flüge gilt die Economy Class, fürs Ausland ist Business erlaubt: So komfortabel wie oft noch bis in die 90er-Jahre fliegt heute kaum noch ein Unternehmen. Längst haben Firmen das Sparpotenzial entdeckt, das ihnen die Geschäftsreise bietet, oder – positiver formuliert: ihren wertvollen Beitrag zur Wertschöpfungskette. Auf innerdeutschen oder innereuropäischen Flugstrecken gehört das Thema Business Class denn auch der Vergangenheit an. Laut aktueller Erhebung des Kreditkartenanbieters Airplus nehmen gerade noch vier Prozent der deutschen Geschäftsreisenden im vorderen Bereich des Flugzeugs Platz. 96 Prozent verschwinden auf kürzeren Strecken in der Holzklasse.

Und das meist ohne zu murren. Denn auch privat steigen sie in den Billigflieger. Oder sie wählen als Alternative zum Flug den Zug. Mit komfortablen Hochgeschwindigkeitsbahnen wie dem ICE, dem TGV oder Thalys ist die Schiene selbst innereuropäisch längst zu einer Alternative zum Flieger geworden.

Anders verhält es sich auf der Langstrecke. Hier tobt inzwischen ein Klassenkampf – im wahrsten Sinne des Wortes. „Natürlich schreiben wir auch auf der Fernstrecke die Economy Class vor – privat würden unsere Leute ja auch niemals Business buchen“, sagt eine Travel Managerin. „Ab drei Stunden Flugdauer ist bei uns Business Class erlaubt“, hält ihr ein Kollege entgegen: „Und im Traum käme ich nicht auf die Idee, an dieser Regelung etwas zu ändern.“ Nur motivierte Mitarbeiter, so argumentiert er, bringen gute Leistungen für die Firma.

Premium Eco als Alternative

Und einen ganz neuen Aspekt hat die vor einigen Jahren entworfene Premium Economy Class in die Debatte eingebracht. Nachdem sie jahrelang im Travel Management kaum Beachtung fand, scheinen manche Firmen nun genauer hinzusehen. Allerdings nur manche: Während die Lufthansa das Produkt frisch einführt, arbeiten andere wie Turkish Airlines schon wieder an dessen Abschaffung – weil der Erfolg ausblieb.

Der Berater PWC gestattet bei einer Flugdauer ab drei Stunden die Buchung der Business Class. „Wir möchten, dass unsere Mitarbeiter fit am Ziel ankommen, damit sie gute Geschäfte machen können“, argumentiert Global Travel Manager Mark Avery: „Die Zeit, die sie an Bord verbringen, soll möglichst produktiv sein – entweder, indem sie arbeiten oder sich von anstrengender Arbeit erholen.“

Beim Darmstädter Pharmariesen Merck gilt die Grenze von vier Stunden. Das kann sich die Firma leisten? „Sie kann“, sagt Carnier und fügt lächelnd hinzu: „Weil es eine preisgünstige Lösung ist.“ Seine Rechnung: Wer Business fliegt, der kommt ausgeruht am Ziel an „und hält sich dort kürzer auf, als jemand, der einen Tag vorher in der Economy anreist“. Zudem packt er oft mehrere Ziele in eine einzige Reise. Das spart Arbeitszeit und damit Kosten.

Geschütztes Arbeiten für Geschäftsreisende

Ein Eco-Preis von 1200 Euro für die Strecke Frankfurt–Hongkong kann sich durch eine zusätzliche Übernachtung, den Ausfall der Mitarbeiter für ein bis zwei Arbeitstage und der Spesen „schnell mal verdoppeln“, sagt Carnier. Und: „Wir verlangen, dass unsere Reisenden den günstigsten Business-Tarif nutzen, auch wenn sie dann umsteigen müssen.“ Da die Merck-Mitarbeiter aus dienstlichen Gründen oft erst 24 Tage vor Abreise buchen, sind die Preisunterschiede zur Economy sowieso meist gering. Wichtig sind für viele Firmen auch ungestörtes und vor allem geschütztes Arbeiten. Wer in der Eco den Laptop aufklappt, kann entweder gar nicht arbeiten, weil der Vordermann seinen Sitz zurückgeklappt hat. Oder der Nebenmann hat Einblick in sensible Daten.

Firmen wie PWC und Merck sind inzwischen in der Minderheit. Laut American Express erlauben immer mehr Unternehmen ihren Reisenden die Business Class erst ab einer Flugdauer von mindestens sieben oder acht Stunden. Und dem Airplus Business Travel Index zufolge gestatten auch auf Langstrecke nur noch 44 Prozent der deutschen Firmen die Business-Buchung. Allerdings hat sich der Anteil der komfortablen Lösung seit 2012 um fünf Prozentpunkte erhöht. Was dafür spricht, dass die Firmen langsam ihre Reiserichtlinien wieder lockern.

Und: Mittlerweile sind etliche Zwischenlösungen entstanden. Die Flugdauer als Kriterium zählt dazu, aber auch die Unterscheidung zwischen Hin- und Rückflug: Vor der anstrengenden Verhandlungsrunde beispielsweise ist der bequeme Sitz okay, und beim Rückflug tut es eben auch die Economy Class. Oder: Reisende dürfen vorn in der Maschine Platz nehmen, wenn sie sich beim Buchen für die preisgünstigere Umsteigeverbindung statt für den teuren Direktflug entscheiden.

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